Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die offene Tür

Offenbarung 3,7–8+10–11 Dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf: Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet. Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen. Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!

Impuls zum Predigttext für den 2. Advent: Offenbarung 3,7–13.  Von Sandra Baier


Sandra Baier ist Pfarrerin in Nellingen/Alb im Kirchenbezirk Blaubeuren

Es ist kein gutes Gefühl, vor verschlossenen Türen zu stehen. Ärgerlich ist es schon im Alltag, wenn ich dringend etwas erledigen will und dann vor verriegelter Tür stehen bleibe. Bitter ist es, wenn wir die Erfahrung machen, dass uns manche Türen in unserem Leben für immer verschlossen bleiben. Nicht jedem steht jeder Weg offen, und die Enttäuschung darüber ist oft groß.

Manchmal sind es aber gerade die Menschen, denen große Türen im Leben verschlossen bleiben, die dankbar die vielen kleinen Türchen bemerken, die sich für sie geöffnet haben. Ich kenne einen Jungen, der aufgrund seiner Behinderung vermutlich nie seinen Traumberuf erlernen kann. Aber davon lässt er sich nicht einschüchtern. Jetzt macht er den Führerschein und setzt alles daran, dass er einen für ihn guten Job bekommt. Seinen Lebensmut lässt er sich dadurch nicht nehmen. Er wird damit zum Vorbild für andere Jugendliche.

Ich denke auch an die Frau, die weiß, dass sie keine eigenen Kinder bekommen kann, aber all ihre Liebe und Fürsorge ihren Patenkindern entgegenbringt. Ich bewundere sie für ihre Lebensfreude und ihre große Kraft.

In unserem Leben gibt es nicht nur verschlossene Türen. Manchmal erkennen wir erst im Rückblick, welche Türen sich auf wundersame Weise für uns geöffnet haben. Auch ich stehe staunend da, wenn ich betrachte, wie in meinem Leben eines zum anderen gekommen ist. Es haben sich so manche Türen für mich geöffnet. Gott hat einen Raum für mich geschaffen.

Die Tür, von der in der Johannesoffenbarung die Rede ist, hat eine noch größere Tragweite. Es geht um die Tür zum ewigen Leben. Es geht um den Weg in die offenen Arme Gottes. Auch da steht im Hintergrund die Erfahrung einer verschlossenen Türe. Schon ganz am Anfang der Bibel wird davon erzählt, dass die Tür zum Paradies verschlossen wurde, nachdem Adam und Eva von der Frucht der Erkenntnis gegessen hatten. Cheruben mit flammenden und blitzenden Schwertern bewachen den Weg zum Baum des Lebens seither (1. Mose 3,24). Das Paradies ging für uns alle verloren. Jeder trägt noch heute ein Stück von dieser Erfahrung in sich, denn wir leben nicht im Paradies, sondern in dieser Welt mit allem Leid, mit Krankheit, Tod und Schmerz.

Doch Gott wäre nicht der gnädige Gott, wenn er nicht einen Weg für uns finden würde, diese Türe wieder zu öffnen. Mit dem kleinen Kind in der Krippe hat er diese verschlossene Tür wieder geöffnet. Gott selbst wurde Mensch wie wir. Verletzlich und sterblich wie wir. An Jesus konnte Gott das Wunder der Auferstehung vollbringen und damit auch uns die Tür zum ewigen Leben öffnen. Und niemand kann sie mehr zuschließen!

Diese Tür steht uns offen, obwohl wir keine großen Taten vollbracht haben. Dafür ist nur eine kleine Kraft nötig. Meine Kraft genügt. Ich glaube, das müssen wir uns immer wieder sagen, denn oft haben wir selbst die größten Ansprüche an uns. Es ist schwer, sich selbst mit Gnade zu begegnen, denn natürlich kenne ich meine Schwächen am besten. Ich kenne auch meine Zweifel. Ich weiß, wie schnell meine Kraft schwindet. Aber der, der uns diese Tür öffnet, der kennt uns. Er kennt unsere Werke. Er weiß von unserer kleinen Kraft und trotzdem verheißt er uns diese offene Tür zu ihm. „Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!“


Gebet

Du willst kommen, Gott, uns zu befreien. So komm!
Hilf uns, aufmerksam zu warten
und selberZeichen deines Kommens zu geben.
Erbarme dich aller, die zittern und verzagen,
die klein wurden und zugrunde gehen.

In: Gottesdienstbuch für die Evangelische Landeskirche in Württemberg.
Erster Teil. Predigtgottesdienst und Abendmahlsgottesdienst, 2004. S. 225


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