Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Brief Christi sein

2. Korinther 3,2–4 Ihr seid unser Brief, in unser Herz geschrieben, erkannt und gelesen von allen Menschen! Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen. Solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott.

Impuls zum Predigttext für den 20. Sonntag nach Trinitatis: 2. Korinther 3,2–9.  

Matthias Vosseler ist Pfarrer an der Stiftskirche in Stuttgart.

In der Jahren 1527 und 1528 durchlebt der Reformator Martin Luther eine Anfechtungszeit, die alles bisher Vergleichbare bei weitem übertrifft. Er ist an Leib und Geist erkrankt, wie er immer wieder formuliert. In Wittenberg macht ihm die Pest zu schaffen. Aus Passau vernimmt er die Nachricht, dass Leonhard Kaiser, der sich der Reformation zugewandt hat, der Ketzerei angeklagt wird.

Am 16. August 1527 wird Kaiser als Verkündiger des Evangeliums am Ufer des Inn auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Luther, der sich selbst vielen Anfeindungen ausgesetzt sieht, stellt seine Situation mit einem drastischen Bild dar: „Er hange mit einem dünnen Faden an Christus, während der Teufel ihn mit Ankerseilen in die Tiefe ziehen möchte.“ Das schreibt er in einem Brief an Justus Jonas am 29. Dezember 1527.

In diesen Monaten schreibt Luther viele Briefe und gewährt darin Einblick in seinen Zustand. Eine herausragende Rolle in diesen Briefen spielen Worte des 2. Korintherbriefes, den Luther am häufigsten von allen biblischen Schriften zitiert. Er versteht diesen Brief als „das einzigartiges Zeugnis apostolischer Erfahrung von Anfechtung und Trost“, sagt der Theologe Gerhard Ebeling.

In seiner Situation fühlt sich Luther in besonderer Weise dem Apostel Paulus verbunden, besonders den persönlichen Schilderungen des Paulus im 2. Korintherbrief. Dieser Brief ist von allen Briefen des Apostels Paulus der persönlichste.

Paulus gibt uns hier Einblick in seine Arbeit und sein Leben als Verkündiger des Evangeliums. Er erzählt mit „seufzender Dankbarkeit“ von seinem Ergehen. Er nimmt seine Gemeinde mit auf die Stationen, die er in den zurückliegenden Jahren erlebt hat. Er zählt die schönen Momente auf, er steht zu den Narben seines Einsatzes und verteidigt sich gegen alle Anfeindungen von außen und von innen. Er weiß sich in seinem Tun von Christus beauftragt und mit ihm gerade auch im Leiden verbunden. Er versteht sich als zerbrechliches Tongefäß mit einer unverbrüchlichen Botschaft und sehnt sich als Sterbender, der lebt, nach der Heimat im Himmel. Über allen Themen und Fragen, zu denen er Stellung nimmt, predigt er das neue Leben in Christus und die Botschaft von der Versöhnung mit Gott durch Jesus Christus.

Dass es in der großen Stadt Korinth eine von ihm gegründete christliche Gemeinde gibt, gilt ihm als Zeichen seiner Beauftragung. Das verteidigt er gegen alle Kritiker, die ihm vorwerfen, eine schwache Person zu sein, eine Person, die zwar gut schreiben, aber nicht predigen könne und die keine Offenbarungserlebnisse vorweisen könne.

So ist gerade diese seine Gemeinde in Korinth ein Brief Christi, nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes ein besseres Zeugnis als es jemals ein Brief sein könnte. Paulus braucht deshalb keine Empfehlungsschreiben wie seine Gegner. Die Gemeinde in Korinth ist für ihn Empfehlung genug. Christus selbst schreibt sich durch den Brief der Gemeinde ins Herz. So kann sie ein Brief Christi sein, trotz aller Unfertigkeit und bei all den Schwierigkeiten in der Gemeinde.

Sind wir als Kirchengemeinden ein Brief Christi? Scheint durch unsere Gemeinden etwas von der Botschaft des Evangeliums, von der Liebe und der Versöhnung mit Gott? Paulus stellt das für die Gemeinde in Korinth fest. Es ist kein Wunsch für die Zukunft, sondern in aller Schwachheit und bei allen Fehlern schon jetzt Tatsache. Und die Bibel traut es auch uns zu. Das darf unsere Kirchengemeinden in allen Fragen und bei allen Anfechtungen des Alltags leiten und im Gebet miteinander und füreinander zusammenführen.

Ein Brief Christi sind wir dann, wenn wir in der Botschaft Christi von der Liebe und der Versöhnung zu Hause sind. Martin Luther gibt dafür einen guten Ratschlag: „Des Abends etwas aus der Heiligen Schrift im Herzen mit ins Bett zu nehmen, um es gleichsam wiederzukäuen und darüber einzuschlafen.“

 

Ihr Gebet

Gebet

Ich danke dir, mein himmlischer Vater,
durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn,
dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast,
und bitte dich, du wollest mir vergeben
alle meine Sünde,
wo ich Unrecht getan habe,
und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten.
Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele
und alles in deine Hände.
Dein heiliger Engel sei mit mir,
dass der böse Feind keine Macht an mir finde.
Amen.

Martin Luther: Abendsegen.

Evangelisches Gemeindeblatt

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THEMA - Angst überwinden

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