Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Raum der Fürsorge

Johannes 6,30–35  Da sprachen sie zu Jesus: Was tust du für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): „Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.“ Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.


Impuls für den 7. Sonntag nach Trinitatis: Johannes 6,30-35.  Von Gunhild Riemenschneider


Gunhild Riemenschneider ist Pfarrerin im Pfarrbezirk Emmaus Ost in Heilbronn.

Hunger spüren und satt werden: Diese Erfahrung begleitet Menschen vom ersten Lebenstag an. Tag für Tag sind wir alle angewiesen, immer wieder neu satt zu werden, damit wir am Leben bleiben. Menschen spüren Tag für Tag, wie abhängig sie sind vom täglichen Brot, das immer nur für kurz Zeit sättigt. Und wer in Notzeiten Hunger erlebt hat, weiß, wie tief diese Erfahrung des Mangels sich ins Gedächtnis eingräbt. Wir bleiben ein Leben lang angewiesen auf dieses elementare Versorgtsein.

Ein Bodenmosaik mit Broten und Fischen in Tabgha am Nordufer des Sees Genezareth in Galiläa hält die Erinnerung wach an das wunderbare Sattwerden und Teilen der Fünftausend. Es erinnert an die Erfahrung, wie Menschen ihr Herz weiten beim Hören auf Gottes Botschaft, wie der Hunger sie alle einholt und das Herz beim Teilen von Brot und Fisch weiter wird.
An diese Erfahrung knüpft Jesus an und vertieft sie gleichzeitig, wenn er von sich sagt: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Er greift den Hunger von Menschen auf, der tiefer geht als der materielle Hunger: den Hunger nach Gerechtigkeit, nach gelingendem Leben, nach Vertrauen und Zuneigung, nach Sinn. Er deutet diese einmalige Erfahrung als Zeichen, dass er ihren Hunger stillt. Aber seine Gesprächspartner sind mit dem täglichen Brot zufrieden. Sie suchen Zeichen und Sattwerden und Glauben auf einer elementaren Ebene und erinnern an das Manna in der Wüste.
Ein Buchtitel von Dorothee Sölle lautet: „Es muss doch mehr als alles geben.“ Es muss doch mehr geben als Essen und Trinken, mehr als Reichtum und Ansehen, mehr als alles, was wir uns in unserem gesellschaftlichen System von Leistung und Gegenleistung erwirtschaften können. Wir brauchen neben dem täglichen Brot auch Lebensgewissheit, Lebenssinn.

Nahrung, Wohnung, Besitz, Gesundheitsvorsorge, Alterssicherung: der Hunger nach dem täglichen Brot und die Arbeit und die Mühe um den Lebensunterhalt bleiben. Und die Frage, wie Christen das Sattwerden von Vielen unterstützen können, bleibt auch. Sie wird an anderen Stellen in der Bibel weiterentfaltet.

Wenn Jesus von sich sagt: „Ich bin das Brot des Lebens“, dann wird dahinter Gott sichtbar und erfahrbar. Dahinter scheint die Offenbarung Gottes aus 2. Mose 3 auf: Ich bin da für euch. Da öffnet sich ein Raum der Geborgenheit und Fürsorge in Raum und Zeit und darüber hinaus.

Im Abendmahl dürfen wir immer wieder eintreten in diesen Raum, der weiter ist als unser menschliches Herz, der weiter ist als unser Wissen und weiter ist als unser System von Leistung und Gegenleistung. Wenn wir Abendmahl feiern, sind wir aufgenommen in einen Raum, in dem Frieden ist und in dem der Friede mit Gott und den Menschen gefeiert wird. Seit Urzeiten schließt das Mahl die Fremden mit den Sesshaften zusammen, die Gäste mit den Gastgebern.

Einen kleinen Vorgeschmack gab vor einigen Wochen ein ökumenisches Projekt zum Reformationsjubiläum: ein langer Tisch, der in Heilbronn von der evangelischen Kilianskirche bis zum katholischen Deutschordensmünster aufgestellt wurde. Unter dem Motto „Alle an einen Tisch“ ließen sich 450 Bürgerinnen und Bürger zu Tischreden einladen und teilten miteinander Brot und Wein. Protestanten und Katholiken, Jung und Alt, Alteingesessene und Neubürger teilten ihre Zeit und ihre Erfahrungen und es entstand ein weiter Raum der Begegnung, der das materielle Sattwerden im Alltag bei weitem übersteigt.

Gebet
Dich, Barmherziger, rufe ich,
nach dir sehnt sich meine Seele.
Sei mir nahe
auf dieser Erde schon.
Wohne du in mir,
dass von mir ausgehe
Friede und Güte,
Klarheit und Kraft.
Du Ewiger,
erfülle mich mit deiner Liebe.
Amen.

Katharina Schridde


Luthers-Familienzeit

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