Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Teil von Gottes Reich

Epheser 2,19–20 So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist.

Impuls zum Predigttext für den 2. Sonntag nach Trinitatis: Epheser 2,17–22.  Von Rainer Köpf


Rainer Köpf ist Pfarrer in Beutelsbach.

 

Der Tempel von Jerusalem stand für Geborgenheit und Abgeschlossenheit. Zutritt hatten nur Insider. Ein hölzerner Zaun hielt die „Gäste und Fremdlinge“ fern. In dreisprachiger Unübersehbarkeit stand am Eingang geschrieben: „Betreten strengstens verboten. Zutritt nur für Berechtigte!“ Und das Allerheiligste, der Raum in der Tempelmitte, war durch einen Vorhang vor der Welt verschlossen: Ein Zeichen der Trennung zwischen Gott und Mensch. Doch Karfreitag wird zum erschütternden Durchbruch. Als Jesus am Kreuz stirbt, zerreißt der Vorhang im Tempel. Der Zaun des Gesetzes wird aufgebrochen. Jesus ist die geöffnete Tür zum Vater. Alle Menschen sind nun eingeladen, „Mitbürger und Hausgenossen“ Gottes zu werden. Am Kreuz wird das zum Ereignis, was Jesus zuvor gepredigt und gelebt hat. Den ursprünglich „Nicht-Zugangsberechtigten“ wendet er sich liebevoll zu. Zöllner und Huren, Aussätzige und Behinderte, die libanesische Mutter und die samaritanische Sünderin, der besessene Gerasener und der gläubig gewordene römische Hauptmann: Sie alle erfahren die heilende Kraft des Evangeliums. Der Zugang zum Vater ist frei durch Jesus! Schon der Apostel Paulus musste darum ringen, dass nun nicht wieder neue Zugangsvoraussetzungen geschaffen werden. Als ob das liebende Herz nicht genügte. Als ob die schwachen Augen immer wieder sortierende Unterscheidungsmerkmale bräuchten. Doch nicht die Hautfarbe, nicht Sitten und Gebräuche, auch nicht Kleidungs- und Nahrungsgewohnheiten machen den Christen, sondern allein das Vertrauen auf Christus.  Die Beziehung zu Christus ist nun so innig, dass wir als Christen nicht nur in diesem Gebäude des geistlichen Tempels als Bewohner leben, sondern sogar ein Teil dieses Gebäudes sind: „Erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Christus der Eckstein ist.“ Ich sehe dabei die alten Mauern eines Kirchengebäudes vor mir. Da gibt es keine aalglatten Wände, sondern ein profiliertes Gemäuer, das aus verschiedenen Steinen zusammengesetzt ist. Der wacklig erscheinende Bau hat Jahrhunderte lang überlebt. Keine rechteckig normierten, langweiligen Ziegelsteine. Nein, Stein-Charaktere sind das! Grobe Klötze und kleine Klinker. Der Baumeister muss ein Könner gewesen sein, dass er die Steine geradezu „füreinander entdeckt“ und sie ihrer Bestimmung zugeführt hat. Nur in ihrer Unterschiedlichkeit können sie das Bauwerk tragen. So auch in der Gemeinde: Nicht Abgrenzung, sondern Andersartigkeit ist gefragt, damit wir einander Halt geben können.

Und nicht nur der Zugang zum Reich Gottes wird entlastet, sondern auch das Bleiben. Wir sind getragen „von unten her“. Wir müssen den Glauben nicht erst erfinden, sondern nur weitergeben, was uns geschenkt ist. Wir brauchen nur an unserem Platz bleiben. Treu bleiben. Diese Genügsamkeit sperrt sich gegen den nervigen Innovationsdruck, der uns oft begegnet. Ist das Wort „Modernität“ zum goldenen Kalb unserer Tage geworden? Sind wirklich alle Probleme nur dazu da, um von uns gelöst zu werden? Muss manches Schwere nicht einfach getragen werden?  In alten Liedern unseres Gesangbuches lernen wir, dass das Geheimnis unserer Existenz in der Annahme des Lebens aus der Hand Gottes besteht. Wie der Stein, der seinen besonderen Platz in der Kirchenmauer einnimmt und darin Sinn und Halt findet. Und nur dort kann er auch die befreiendste Entlastung erfahren: Das ist Christus selbst. Der Eckstein, der uns hält. Früher dachte ich, der Eckstein sei ein Stein im unteren Bereich des Gebäudes. Aber es ist anders. Man muss sich den Chorbogen einer gotischen Kirche vorstellen: Oben in der Mitte befindet sich der Schlussstein. Das ist der Eckstein, der den Druck des ganzen Gebäudes aushält. Er hält von oben her den ganzen Bau zusammen. Wir sind getragen von unten und gehalten von oben. Das macht uns frei zum Dank und zur Liebe.

 


Ihr Gebet

Gebet

Erhalt uns, Herr, im rechten Glauben
noch fernerhin bis an das End;
ach, lass uns nicht die Schätze rauben:
dein heilig Wort und Sakrament.
Erfüll die Herzen deiner Christen
mit Gnade, Segen, Fried und Freud,
durch Liebesfeu’r sie auszurüsten
zur ungefärbten Einigkeit.

Friedrich Konrad Hiller. In: Evangelisches Gesangbuch, Nummer 250,5






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