Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein tragfähiges Fundament

Matthäus 7,24–27  Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.


Impuls zum Predigttext für den 9. Sonntag nach Trinitatis:  Matthäus 7,24–27.  Von Regina Korn


Regina Korn ist geschäftsführende Pfarrerin in Bad Mergentheim.


Was ist schon sicher im Leben? Auf was kann ich mich wirklich verlassen? Kann ich überhaupt genug Vorsorge treffen, um Schlimmeres zu verhindern, wenn der große Regen kommt, die Katastrophe eintritt? Diejenigen, die im großen Platzregen im Mai vergangenen Jahres in Braunsbach, Schwäbisch Gmünd oder anderswo viel verloren haben, wissen, dass selbst die größte Vorkehrung nicht genug sein kann: Auch ein Haus, auf Felsen gebaut, kann weggeschwemmt werden. Wer das miterlebt hat, wird so schnell keinem Grund mehr trauen und sei er auch aus Fels. Welch ungeheure Gewalten können doch durch Wasserströme freigesetzt werden!

Sicher wohnen zu können und in einer Wohnung, in einem Haus zuhause zu sein, gehört zu unseren menschlichen Grundbedürfnissen. Irgendwo muss ich mich zuhause fühlen. Die vertraute Umgebung. Die Bilder und Fotos an den Wänden, die Bücher, die ich gelesen habe, in den Regalen. Der Tisch, der Stuhl, der Schreibtisch und das Bett, die ihren Platz gefunden haben. Das, was mir vertraut ist. Der Ort, wo ich mich zuhause und wohlfühle. Die Menschen, die mit mir mein Zuhause teilen. So soll mein Zuhause sein.

Wir brauchen aber nicht nur ein Zuhause für unser äußeres Leben. Wir brauchen auch ein Zuhause für unsere Gedanken und Gefühle, für unser Sehnen und unsere Hoffnung, für unseren Glauben und unser Christsein, für das, was uns ausmacht. Wir brauchen nicht nur ein Schlaf- und ein Wohnzimmer, sondern auch einen Lebensraum im umfassenden Sinne, einen Standpunkt, einen Lebensmittelpunkt, einen inneren Grund und Halt, der uns Sicherheit gibt in den Stürmen des Lebens.

Denn es gibt vieles, was uns den Boden unter den Füßen wegziehen kann. Da kann man noch so sicher gebaut haben. Da kann man noch so gut geplant und überlegt haben. Manchmal fällt alles über einem zusammen. Manchmal hält auch das beste Fundament nicht, was es verspricht, und alle äußeren Sicherheiten brechen weg. Alles ist anders. Nichts ist mehr, wie es vorher war.

„Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie…“: Diese Worte Jesu mit dem Bild vom Hausbau stehen am Ende der Bergpredigt Jesu und beziehen sich darauf. All das, was er zuvor gesagt hat, alle Hoffnung, alle Zuversicht, alles Vertrauen, das aus diesen Worten spricht, soll das Fundament des Lebenshauses bilden – ein Fundament, das sich in nichts anderem gründet als in Gott allein.
Sicher, es wird trotzdem Platzregen geben. Sicher, es wird trotzdem zu Katastrophen kommen, großen und kleinen. Aber es macht in all dem doch einen Unterschied, wie ich gegründet bin und wie ich für mein inneres Zuhause gesorgt habe. Es macht einen Unterschied, ob ich weiß, was wirklich wichtig und wesentlich ist für mein Leben, selbst in der Katastrophe. Und es macht einen Unterschied, wenn ich auch in der größten Krise weiß, an wen ich mich wenden kann in meiner Not.

Vielleicht ist es so, dass man erst im Platzregen und in der Krise erfährt, wie wir doch gehalten und aufgefangen sind. Vielleicht ist es so, dass wir erst mit diesem Sprung ins Vertrauen in unseren Gott erleben, dass dieser Grund trägt. Manches muss man erlebt und erfahren haben, um es in seiner Tiefe zu verstehen.

„Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut“, dichtet und komponiert Georg Neumark.  Und man spürt es diesem Lied ab, wie hinter den Worten gelebte Erfahrung steckt. Wir haben nichts letztlich sicher und fest in unserem Leben und trotzdem lässt uns das Vertrauen in unseren Gott weiterleben, voller Hoffnung und Zuversicht.

Gebet
Gott du dunkler grund allen lebens
wir bringen uns selber vor dich
dass du uns auffängst wenn wir fallen
und wir wissen dass wir nicht aus dir
herausfallen können
in keinem augenblick unseres daseins
herr erbarme dich.

Dorothee Sölle. In: Den Rhythmus des Lebens spüren, Seite 50.



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