Christliche Themen für jede Altersgruppe

Einander annehmen

Römer 15,4–13 (in Auswahl)  Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht. Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre. Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes. 


Impuls zum Predigttext für den 3. Sonntag im Advent: Römer 15,4-13.  Von Matthias Treiber

Matthias Treiber ist Pfarrer in der Matthäusgemeinde Heilbronn-Sontheim.


Ein kleiner Ganove wird aus Versehen Lehrer und unterrichtet Schüler, die frech, dumm und unverschämt sind. Zum Happy End aber bekommen alle ihr Abiturzeugnis überreicht, wie die Filmreihe „Fack ju Göhte“ ziemlich unrealistisch erzählt. So ordinär wie der Titel ist zuweilen auch die Handlung, und doch – ich wage es zu sagen – wird hier etwas von der Wirklichkeit des Reiches Gottes gezeigt.

Die Schüler in dem aktuell äußerst erfolgreichen Film haben Namen wie Chantal und Danger („Gefahr“ auf englisch), mit denen man in unserer Gesellschaft normalerweise nicht Arzt, sondern höchstens Altenpflegerin wird. Was soziale Ausgrenzung bedeutet, erleben solche Jugendliche Tag für Tag. Vielleicht träumt deshalb die Journalistin Katja Belousava in ihrer Filmkritik von einer „Welt, in der Chantals und Dangers Abitur machen können und nicht nur Charlottes und Maximilians“. Also nicht nur die von ihren Eltern unterstützten Bürgerkinder, die wissen, wie man in der Schule erfolgreich funktioniert.

Das alles sind Klischees, die doch viel zu oft zutreffend sind, und inzwischen, so ist zu hören, wird der Film schon in der Lehrerausbildung gezeigt. Das ist gut so, denn wer Pädagoge sein möchte, muss die Jugendlichen zunächst einmal mögen, und zwar so, wie sie sind; und die Außenseiter sowieso.

Die ersten Menschen, die der Bibel nach Jesus gesehen haben, waren übrigens allesamt Außenseiter: Die Hirten als suspekte Nachtmenschen, die Weisen aus dem Morgenland als Ausländer und Andersgläubige, und auch Maria, ein 15-jähriges Mädchen, das mit einem offenbar älteren Mann in fremden Landen ist. Später scharte Jesus Zöllner und Sünder um sich, die in den im Film dargestellten Schülern ein modernes Abbild gefunden haben. Dadurch gewinnt das Predigtwort für den 3. Advent seine besondere Herausforderung: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.

Euch Sünder, muss man ergänzen, denn er hat uns eben nicht angenommen, weil wir so brav und angepasst sind, und immer perfekt funktionieren, sondern weil wir versagen, schwach sind und manchmal auch ziemlich dumm. „Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder“, hat Jesus gesagt. Also all die Menschen, die man gerne als „Randgruppe“ aussortiert, die Problemschüler und die Langzeitarbeitslosen, die psychisch Angeschlagenen und die Trinker. Sie sollen nicht Objekte der Fürsorge bleiben, sondern als Brüder und Schwestern in Christus respektiert werden.

Das Reich Gottes muss also wohl ein Ort sein, an dem es keine Noten gibt, sondern Anerkennung. Das ist dort, wo man dem anderen nicht seine Fehler vorhält und seine Sünden vorrechnet, sondern den anderen liebt, so wie er ist und egal, was er getan hat.

Einfach wird das nicht, denn Schüler wie im Film werden jeden Lehrer zur Weißglut bringen, so wie uns der böswillige Nachbar oder der gemeine Strauchdieb das Leben schwer macht. Doch als sie weiß, dass ihr Lehrer ihr eine Chance gibt, lässt sich das scheinbar so oberflächliche Mädchen Chantal auf einen Außenseiter mit Autismus ein. Hier hat jeder nicht nur eine Chance, sondern wird zum besseren Menschen.

Es klingt wie ein Traum, wenn wir uns eine Welt wünschen, in der alle Menschen miteinander liebevoll umgehen und einander respektvoll begegnen. Aber Paulus beharrt darauf, dass diese Hoffnung stetig wächst. Er hofft jedenfalls darauf, dass wir Sünder einträchtig gesinnt sind, gleichgültig aus welcher Tradition wir stammen.

Eines gilt es nämlich zu bedenken: Am Ende zählt nicht, was wir haben, sondern was wir gegeben haben. Und wichtig ist nicht, ob wir recht haben, sondern ob wir geliebt haben. Darin spüren wir die Kraft des Heiligen Geistes, die Gott durch Freude und Friede in uns wachsen lässt.

Gebet
Herr, du bist ein geduldiger und tröstender Gott.
Vor dir müssen wir nicht perfekt sein. Du siehst in unser Herz.
Wir dürfen schwach sein. Danke, dass du uns annimmst und liebst, wie wir sind.
Lass uns diese Liebe auch weitergeben an andere Menschen.
Auch an die, die wir als Außenseiter der Gesellschaft ansehen.

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