Christliche Themen für jede Altersgruppe

Einander gerecht werden

Römer 14,10–13 Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. Denn es steht geschrieben: So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir sollen sich alle Knie beugen, und alle Zungen sollen Gott bekennen. So wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Darum lasst uns nicht mehr einer den andern richten; sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis bereite.


Impuls zum Predigttext für den 3. Sonntag nach Trinitatis: Römer 14,10–13.  Von Bärbel Koch-Baisch




Pfarrerin Bärbel Koch-Baisch ist Oberin am
Evangelischen Diakoniewerk Schwäbisch Hall.


„Kommt gut an. Flüchtlinge bei uns“ – unter diesem Motto stand die diesjährige Woche der Diakonie, die mit diesem Sonntag zu Ende geht. „Kommt gut an“ – das wünschen wir denen, die sich auf den Weg machen, Freunden oder Nachbarn, die in den Urlaub fahren. „Kommt gut an“ – ist aber auch Ausdruck und Aufforderung zu einer Willkommenskultur. Menschen, die es geschafft haben vor Bedrohung, Krieg und Perspektivlosigkeit in der eigenen Heimat zu fliehen, nehmen wir in unserem Land auf, bieten ihnen Schutz und begrüßen sie mit dem Wunsch: „Kommt gut an.“ Nicht alle denken so bei uns. Manche protestieren und sagen: „Geht wieder zurück.“

Was ist richtig? Die Meinungen gehen weit auseinander, und die Urteile sind schnell gefällt. Die einen werden als „Gutmenschen“ abgestempelt und die anderen in die rechte Ecke gestellt. Das führt nicht zu einem guten Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Der Streit um die richtige Lebensweise und die Frage, wie das Zusammenleben gelingen kann, sind alt. Beim Apostel Paulus lesen wir verschiedene Anregungen zum rechten Umgang miteinander. Er schreibt sie in seinem Brief an die Gemeinde in Rom, in der es unterschiedlichen Auffassungen darüber gab, ob ein Christ Opferfleisch essen darf oder nicht. Paulus rät im Konfliktfall: Verurteilt einander nicht. Macht einander nicht verächtlich. Unterschiede sollen benannt und Meinungen ausgetauscht werden. Wir sollen durchaus Kritik üben und uns gegenseitig in Frage stellen. Das alles hat sein gutes Recht und muss sogar sein, wenn wir ehrlich miteinander umgehen. Doch Paulus lenkt unseren Blick darauf, dass das letzte Wort über einen Menschen Gott überlassen ist.

Für uns bleibt jeder Mensch – bei allen vielleicht anstrengenden Verschiedenheiten – ein wertvolles Geschöpf Gottes. Verächtliches und verurteilendes Reden über andere dient dem Zusammenleben nicht. Mit diesem Blick hin auf Gott regt Paulus einen Perspektivwechsel an. Wir können nun auch anders auf unser eigenes Leben blicken. Das ist die zweite Anregung, die Paulus gibt im Umgang miteinander: Blicke nicht auf das Leben der anderen, sondern auf dein eigenes Leben, für das du verantwortlich bist und Rechenschaft ablegen musst. Selbstkritik fällt uns nicht leicht. Selbstkritik macht verletzlich und kratzt am eigenen Image. Doch für Paulus ist es Selbstkritik vor Gott. Und damit auch eine hilfreiche Selbstkritik, denn für ihn ist klar: Gott ist ein barmherziger Richter.

Das hat er in Jesus Christus deutlich gemacht. In vielen alten Kirchen ist das Bild des richtenden Christus zu sehen, der eine weiße Lilie in der Hand hält – Zeichen für Gottes Gnade und Barmherzigkeit. Der Blick auf den barmherzigen Richter bringt Leben zurecht, weil es sich an Gott und seinen Geboten ausrichtet. Und eine dritte Anregung gibt Paulus noch für ein gelingendes Zusammenleben: Bietet einander keinen Anstoß und Ärgernis. Damit meint Paulus nicht, dass wir einfach alles tun sollen, was andere wollen, Hauptsache, andere haben dadurch keinen Grund, sich zu ärgern. Paulus rät dazu mit dem Blick, der offen ist für Gott. Er denkt von dem Frieden her, den Gott stiftet. In diesem Frieden gehören Kritik und unterschiedliche Meinungen dazu. Doch es ist ein Frieden, in dem jeder zu seinem Recht kommt. Indem die Menschen einander gerecht werden, aufeinander hören und füreinander sorgen.

Dieser Friede soll nicht beschädigt oder zerstört werden. Da gilt es, dem Bruder, der Schwester keinen Anstoß zu geben. Wenn wir von diesem Frieden Gottes her denken, werden wir also darauf achten, einander gerecht zu werden, aufeinander zu hören und füreinander zu sorgen. Und dann können hoffentlich viele von uns den Menschen, die bei uns Schutz und Hilfe suchen, sagen: „Kommt gut an.“

 


Ihr Gebet

Gebet

Herr, gib mir Mut zum Brücken bauen,
gib mir den Mut zum ersten Schritt.
Lass mich auf deine Brücken trauen,
und wenn ich gehe, geh du mit.
Ich möchte gerne Brücken bauen,
wo alle tiefe Gräben sehn.
Ich möchte hinter Zäune schauen
und über hohe Mauern gehn.
Ich möchte gerne Hände reichen,
wo jemand harte Fäuste ballt.
Ich suche unablässig Zeichen
des Friedens zwischen jung und alt.

Kurt Rommel. In: Evangelisches Gesangbuch, Nummer 649,1–3


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