Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine neue Sicht gewinnen

Apostelgeschichte 9,1-20 (in Auszügen): Es war aber ein Jünger in Damaskus mit Namen Hananias; dem erschien der Herr und sprach: Hananias! Und er sprach: Hier bin ich, Herr. Der Herr sprach zu ihm: Steh auf und geh in die Straße, die die Gerade heißt, und frage in dem Haus des Judas nach einem Mann mit Namen Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet. Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört über diesen Mann, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat; und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle gefangen zu nehmen, die deinen Namen anrufen. Doch der Herr sprach zu ihm: Geh nur hin; denn dieser ist mein auserwähltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel. Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt werdest. Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen und er wurde wieder sehend; und er stand auf, ließ sich taufen.

 

Impuls für den 12. Sonntag nach Trinitatis: Apostelgeschichte 9,1–20.  Von Albrecht Nuding

Albrecht Nuding ist Pfarrer in Schönaich.

Saulus war nach Damaskus gereist, um die junge Christengemeinde dort zu verfolgen. Am liebsten wollte er sie gefangen nach Jerusalem vor den Hohenpriester bringen. Glasklar stand ihm sein Auftrag vor Augen. Ihm war klar, dass es Gottes Sache war, die er in Damaskus betreiben wollte.

Aber Saulus kam in Damaskus an und hatte jede Orientierung verloren. Sein ursprüngliches Vorhaben leuchtete ihm selbst nicht mehr ein. Dunkel lag sein weiterer Weg vor ihm. Erblindet war er und ohne jeden Durchblick. Alles, was vorher so klar gewesen war, war durch das Licht vom Himmel, das er vor Damaskus gesehen hatte, plötzlich unklar geworden.

Jesus, den er verfolgte, hatte Saulus in seiner Selbstsicherheit niedergerungen und sich als der Auferstandene zu erkennen gegeben. Weiter wusste Saulus zunächst aber nichts. Dieses besondere Erlebnis vor Damaskus führte noch nicht zur Selbsterkenntnis oder Einsicht. Aus sich heraus konnte Saulus die Wahrheit nicht erkennen.

Erst Hananias half ihm, den Durchblick wieder zu finden und zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommen. Und diese Wahrheit machte Saulus frei. Frei von seinem bisherigen Denken und frei dazu, sein bisheriges Gottesverständnis in einem neuen Lichte zu sehen. Der wurde nun zum Licht seines Denkens und Handelns, den er bisher mit aller Macht verfolgt hatte. Aus sich selbst heraus fand er nicht zu dieser neuen Sicht der Dinge. Ein anderer musste ihn ansprechen von außen. Einer, der all seinen Mut zusammennahm und seine Angst vor dem Christenverfolger überwand. Hananias konnte Saulus in seiner Krise das erklären, was Saulus selbst nicht mehr durchschauen konnte. Sein bisheriges Denken stand ihm für den vollen Durchblick im Weg. Nach Gesprächen mit Hananias erkannte er, dass er bisher noch ganz anders mit Blindheit geschlagen gewesen war. Jetzt konnte er in Jesus den Sohn Gottes sehen, der die Welt mit Gott versöhnt hat. Gott, dem er sein Leben verschrieben hatte, erschien ihm durch sein neues Vertrauen auf Jesus Christus in einem neuen Licht.

Bis heute kann kein Mensch allein aus sich selbst heraus umkehren. Jeder Bekehrung geht voraus, dass ein Mensch angesprochen wird von außen. Das Wort, das mir in einer Krise neuen Mut und neue Hoffnung gibt, muss mir ein anderer Mensch zusagen.

In der Regel ist es auch nicht mit einem einmaligen Gespräch getan. Wer wirklich umkehren will und so nicht weitermachen kann, braucht Begleitung von Menschen. Im seelsorgerlichen Gespräch, im Hauskreis oder in einem Beratungsgespräch können Menschen neue Klarheit für sich gewinnen. Die wichtigste Hilfe ist dabei eine Deutung dessen, was mich beschäftigt, im Lichte des Evangeliums. Was wahr ist und trägt im Leben, erfahren wir durch Jesus Christus. Er macht frei für eine neue Sicht der Dinge und für eine veränderte Lebenshaltung.

Gebet

Wie kamst Du gerade auf mich?
Auch heute wieder frage ich mich,
wer Du warst oder bist,
was du willst.
Viele wissen das besser,
einige folgen Dir nach.
Wie aber kamst Du auch noch auf mich?
Bin doch nicht der,
den du brauchst!
Dennoch, dennoch
komm ich nicht los
Von Dir.




















Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

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