Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine Saat, die zur Liebe bewegt

Johannes 12,24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Lätare: Johannes 12,20–26.  Von Siegfried Jahn

Siegfried Jahn ist Dekan des
Kirchenbezirks Blaufelden.



Es ist Saatzeit. Der Winter hat seine Macht verloren und unaufhaltsam steigert sich die Kraft der Sonne. Auf den Äckern wird der Boden gelockert und mit der Aussaat wieder neues Leben in die Erde gepflanzt. Wie selbstverständlich vertrauen wir darauf: Was gesät wird, bringt neues Leben.

Mit diesem Bild macht Jesus uns Hoffnung. Hoffnung, dass Neues aufkeimt, wächst und Frucht bringt. Mit dieser Erkenntnis aus der Natur lässt er in unseren Herzen eine Freude wachsen, die sich den Anfechtungen des Lebens entgegenzustellen traut. Denn Jesu Leben war wie ein Korn, das in den Boden gelegt wurde. Und dort ist es unweigerlich dem Sterben ausgesetzt. Jesus „ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz“ (Philipper 2,8). Ein Tod, der jedoch Frucht bringt.

Nur ein schlechter Bauer würde sagen: Wenn die Körner im Boden sind, ist alles aus. Das Gegenteil ist der Fall: Jeder Bauer sät auf Hoffnung. Er vertraut darauf: Was gesät wird, stirbt. Aber was stirbt, bringt neues Leben. Das ist eine unumstößliche Reihe!

Zu genau solcher Hoffnung lädt Jesus uns ein: Durch seinen Tod am Kreuz ist die Macht des Todes gebrochen. Das Sterben ist nicht das Letzte, was zu sagen ist. Die Auferstehung Jesu reiht den Tod in die Spur des Lebens ein. Sie ist Grund unserer Freude: Der Tod, der aus der Reihe tanzt und macht, was er will, wird vom Bild des Säens, Sterbens und Fruchtbringens eingereiht in die Spur des Lebens. Sterben und Tod sind Teil dieser Reihe, sie bekommen aber nicht das letzte Wort. Nach ihnen kommt das Leben! Ewiges Leben, das in uns heute schon Freude hervorbringt. Eine Freude, die singen kann: „Jesus lebt! Nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben (Evangelisches Gesangbuch, Nummer 115,6).Mit diesem bildstarken Wort vom Korn reiht Jesus meinen eigenen Tod ins Leben ein. Und das heißt: in sein ewiges Leben. Kraft meiner Taufe bedeutet das: Er reiht meinen Tod ein und lässt ihn zum ewigen Leben werden. Er reiht unsere Trauer in die Freude ein, unsere Sünde in die Vergebung und Erlösung, unsere Verzagtheit in den Mut, sich nicht von falschen Mächten bestimmen zu lassen. Er reiht jede Nacht ein in den Anbruch eines neuen Morgens, der den Tag heraufbringt.

Dieses Bild vom Säen und Fruchtbringen lässt die Hingabe unseres Lebens zum freudigen Auftrag werden. Weil Jesus den Tod ins Leben einreiht, ist Hingabe nicht Verlust von Leben, sondern Bestimmung zum Leben ist. Wo wir durch die Freude zur Hingabe finden, bringt sie Menschen das Leben. Die Zeit, die Fähigkeiten, die finanziellen Möglichkeiten – alles kann durch Hingabe zu einem Mehr werden für andere und auch für mich selbst. Nicht das Behalten bekommt große Verheißung, sondern das Hergeben.

Darum liegt dem Glaubensleben eines Christenmenschen eine seltsame Gleichung zugrunde: Wo wir teilen, kommt nicht wie in der Mathematik etwas Geringeres, sondern ein Mehr heraus, weil es nicht dem menschlichen Erfolg traut, sondern der Ostermacht Gottes. Vielleicht muss manches von uns und an uns sterben, damit Neues entstehen kann. Vielleicht nicht immer dergestalt, wie wir uns das dachten, aber auf irgendeine andere und meist auch geheimnisvolle Weise doch Neues entsteht. Neues, das unsere Erwartungen und Vorstellungen weit übertrifft.

Mir sind deshalb immer wieder Menschen zur Stärkung geworden, die ich als freudige Menschen kennenlernte, von denen ich aber auch wusste, dass in deren Leben so manche Schuld oder schwere Erfahrung nicht spurlos an ihnen vorübergegangen ist. Ihr Glaube und ihre Lebensfreude faszinieren mich, weil sie mit der Hoffnung gegen den Tod Ernst gemacht haben.

Es ist Saatzeit. Und der Sonntag Lätare will Freude in unsere Herzen säen. Weil aus Jesu Tod Leben wurde, ist die Hoffnung der Auferstehung eine Saat, die zur Liebe bewegt und doch weit über diese Welt hinauswächst. Es ist gut, sich daran erinnern zu lassen und mitten in der Fasten- und Passionszeit auch einen Sonntag der himmlischen Freude zu widmen.

 

Ihr Gebet

Gebet

Weil du von Ewigkeit her unser Gott bist,
der uns ins Leben gerufen
und für sein ewiges Reich erwählt hat,
danken wir trotz aller Gefahr für deine Gnade
und loben trotz aller Angst deinen herrlichen
Namen.

Wir leben, weil du es willst,
wir sterben, wenn du uns rufst,
wir glauben, weil du zu uns sprichst,
wir hoffen, weil du uns liebst.
Amen.

Aus: Gottesdienstbuch für die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Erster Teil, Stuttgart 2004, S. 246.




















Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 3/2018

THEMA - Revolution 1918

Ausgabe 1/2018

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.