Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine Vision, die Mut macht

Offenbarung 15,2–4 Und ich sah, und es war wie ein gläsernes Meer, mit Feuer vermengt; und die den Sieg behalten hatten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, die standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen und sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig! Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Kantate: Offenbarung 15,2–4.  

Christoph Wiborg ist
Pfarrer an der Eberhardskirche in Tübingen.

Unheimlich klingt das. Schaurig und schön zugleich: Ein gläsernes Meer, mit Feuer vermengt. Fasziniert will man dort hineinschauen. Was da wie hinter Glas ausgestellt ist. Für alle Zeit gebannt. Wie ein Ausstellungsstück.

Zur Erinnerung. Zur Mahnung. Und vor allem: zum Lobpreis. Zur Freude darüber, dass am Ende Gottes gerechte Gerichte offenbar geworden sind.

Denn dazu will uns dieses Lied aus dem Buch der Offenbarung – wie jedes Loblied – bewegen: Dass wir einstimmen in den Jubel über unseren Gott, der der Herr der Geschichte ist und der uns nicht allein lässt in all den Ängsten und Sorgen, die uns lähmen und oft genug zur Verzweiflung bringen.

In dieser Stimmung waren in jedem Fall diejenigen, an die Johannes dachte, als er seine Visionen auf der Insel Patmos niederschrieb. Durch das römische Imperium verspottet und  verfolgt. Den Tod vor Augen, weil sie nicht bereit waren, den römischen Kaiser als Dominus et Deus, als Herrn und Gott, zu ehren.

Denen zeichnet Johannes ein Bild von der Zukunft und bedient sich dabei eines Bildes aus der Vergangenheit: Der Augenblick, als die Israeliten zurückschauten, auf das Schilfmeer, durch das sie gerade gezogen und in dem nun die Ägypter mit Ross und Reiter untergegangen waren.

Ungläubig werden sie sich gegenseitig gekniffen, die Augen gerieben haben.

Ein Häuflein geschwächter Sklaven hat den Sieg behalten über das Imperium der Ägypter, über die Großmacht, deren Pharao sich ebenfalls als Herrn und Gott anbeten ließ.

So, meint Johannes, wird es auch euch ergehen in diesen Tagen. Dass ihr am Ende werdet zuschauen können, wie die Mächte, die euch jetzt binden und niederhalten, untergehen werden, begraben im gläsernen Meer, mit Feuer vermengt. Jetzt mögt ihr davon nichts sehen. Aber am Ende wird Gott den Sieg davon tragen, werdet ihr in der Rückschau lachen über die, vor denen ihr euch heute fürchtet.

Das Bild der Zukunft vor Augen, das Gefühl der Hoffnung im Herzen, lässt sich die Gegenwart gestalten. Auch wenn es in unseren Zeiten an Visionen mangelt und Politik sich mehr und mehr im Verwalten der vermeintlichen Sachzwänge verliert: Wir Christen haben eine Vision, einen Traum von der zukünftigen Welt, einem neuen Himmel und einer neuen Erde, wo das alles nicht mehr sein wird: Tränen, Leid, Geschrei und Schmerz (Offenbarung 21,4).

Diese Vision macht uns Mut schon jetzt und heute uns den Mächten entgegenzustellen, die für Tränen, Leid  und Geschrei in dieser Welt Verantwortung zeichnen. Das „Tier“ dieser Tage zu demaskieren, das mit Macht unser Leben gefangen hält und uns vom „Gelobten Land“ fernhalten will. Der erste Schritt auf dem Weg ins Land, wo Gerechtigkeit und Frieden sich küssen, ist getan, wo wir benennen, wer heute Pharao, wer heute Domitian ist. Wer heute also billigend in Kauf nimmt, wenn Menschen am Leben gehindert, Freiheit vorenthalten wird.

Konzerne, die Sportartikel herstellen, werden in Kürze bei der Fußballweltmeisterschaft wieder große Gewinne einstreichen, zugleich aber Arbeiterinnen zu Hungerlöhnen und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen Sportbekleidung nähen lassen.

Unbändig wird der Jubel sein, unüberhörbar das Lied der Befreiten, wenn der Wert der Arbeit in aller Welt endlich gewürdigt und Tränen, Leid, Geschrei und Schmerz zu Fremdworten geworden sind!

Und auch wir können dann freudig – nicht nur am Sonntag Kantate – einstimmen in das Loblied: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege!
 

Ihr Gebet

Gebet

Du Gott des Heils und der Gerechtigkeit,
dir singen wir aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele
von dem Leben, das du uns schenkst,
von allem, was in uns und um uns
sich regt und bewegt.
Dir singen wir mit Freude, mit Kraft
das Lied der Hoffnung, die in uns ist.
Durch Jesus Christus, unsern Herrn.
Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 333.

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