Christliche Themen für jede Altersgruppe

Einfach bei der Wahrheit bleiben

Matthäus 5,33–37 Ihr habt weiter gehört, dass zu den Alten gesagt ist: „Du sollst keinen falschen Eid schwören und sollst dem Herrn deinen Eid halten.“ Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron; noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße; noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs. Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen. Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.


Einfach bei der Wahrheit bleiben

 

Impuls zum Predigttext für den 23. Sonntag nach Trinitatis: Matthäus 5,33–37.  Von Gerhard Schäberle-Koenigs

Der promovierte Theologe Gerhard Schäberle-Koenigs ist Pfarrer in Bad Wildbad-Aichelberg im Kirchenbezirk Neuenbürg. (Foto: Gisela Kahn)

Wer schwört, macht sich unglaubwürdig! So paradox das auch klingen mag, Jesu Rat, gar nicht zu schwören, deckt zuerst mal eine Täuschung auf. Wenn jemand etwas „hoch und heilig“ verspricht, wenn einer unaufhörlich Liebesschwüre ausspricht, wenn jemand gar seine „Hand ins Feuer legen“ würde, dann ist höchste Vorsicht angebracht: Hantiert hier jemand mit zweierlei Wahrheiten? Wahres und ganz bestimmt Wahres?

Jesus empfiehlt die einfache Wahrheit. Nicht mehr. Nicht weniger. Alle Zusätze sind von Übel.

Schwören spielt im Alltag keine große Rolle mehr. Ausufernde religiöse Schwurformeln, in denen Himmels- und Höllenstrafen beschworen werden, sind weitgehend verschwunden. Dennoch haften auch unseren umgangssprachlichen Ausdrücken Reste eines ehemals fast magischen Verständnisses an. „Dafür lege ich meine Hand ins Feuer“ meint ja: Lüge ich, dann habe ich Höllenstrafen zu erwarten.

Jesus sagt: „Eure Rede sei ja, ja und nein, nein. Was darüber ist, ist von Übel.“ Er sagt es in einer Welt, in der das gesellschaftliche Zusammenleben von Schwüren aller Art geprägt war. Alle möglichen Gottheiten wurden ins Feld geführt, um die eigene Wahrheit zu beteuern.

Jesus sieht im Schwören zunächst einen Verstoß gegen das biblische Gebot „Du sollst den Namen des Herr, deines Gottes nicht missbrauchen.“ In seinen Augen liegt der Missbrauch nicht erst vor, wenn ein falscher Eid geleistet wird oder ein Versprechen gebrochen wird, sondern überhaupt darin, Gottes Name für menschliche Händel zu benutzen.

Und vor Gericht? Der Eid ist ein wichtiges Element unserer Rechtspflege. Ein Richter kann von einem Zeugen fordern, seine Aussage durch einen Eid zu bekräftigen. Er wird ihn zuvor darauf aufmerksam machen, was ein falscher Eid nach sich zieht. Keine Höllenstrafen, sondern eine ganz irdische Strafe: 1 bis 15 Jahre Gefängnis. So kann der Zeuge vor seiner Vereidigung noch einmal in sich gehen, und prüfen, ob er wirklich die Wahrheit und nichts als die Wahrheit gesagt hat und seine Aussage eventuell korrigieren.

Positiv betrachtet dient die Vereidigung von Zeugen dem Schutz vor falschen Beschuldigungen. Es gehört zum Schlimmsten, was einem Menschen vor Gericht passieren kann, wenn er aufgrund von falschen Zeugenaussagen verurteilt wird.

Darf ein Christ vor Gericht einen Eid ablegen? Jesu Gebot wird ihn davor zurückschrecken lassen, zu sagen „Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden“. Das geltende Recht aber ermöglicht es einem Zeugen, der aus Glaubens- und Gewissensgründen gar keinen Eid ablegen möchte, seine Aussage lediglich zu bekräftigen. Ihm wird dann vorgetragen: „Sie bekräftigen im Bewusstsein Ihrer Verantwortung vor Gericht, dass Sie nach bestem Wissen die reine Wahrheit gesagt haben“. Der Zeuge sagt hierauf: „Ja.“

„Eure Rede sei ja, ja und nein, nein. Was darüber ist, ist von Übel.“ Was in der heiklen Situation vor Gericht gilt, das darf auch im alltäglichen Zusammenleben sein. Jesus ermutigt uns, bei der einfachen Wahrheit zu bleiben.

Habe ich die Unwahrheit gesagt, kann ich sie mit keiner Zusatzbeteuerung in Wahrheit verwandeln.

Liebe ich einen Menschen, dann habe ich im alltäglichen Zusammenleben viele Möglichkeiten, ihm dies zu sagen und spüren zu lassen. Liebesschwüre sind unnötig.

Gebe ich ein Versprechen, so bin ich daran gebunden. Kann ich es nicht mehr einhalten, dann hilft nur Offenheit gegenüber dem, dem ich es gegeben habe und die Bitte, mich davon zu entbinden.

Der Wahrheit genügen schlichte Worte. Die Wahrheit braucht keine Krücken.¦

Gebet

Gott, du allein bist Herr:
Gib uns den Mut, deinem Ruf zu folgen
und die Freiheit zu wagen,
zu der du uns berufen hast.

Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch, Berlin, 2001, S. 397.

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