Christliche Themen für jede Altersgruppe

Einstimmung auf das Warten

Matthäus 11,2–5 Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger und ließ ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt.

Impuls zum Predigttext für den 3. Advent: Matthäus 11,2–6.  Von Hartmut Zweigle

Hartmut Zweigle ist Pfarrer in Stuttgart-Feuerbach.

Advent ist die Zeit der Erwartung und des Wartens. Warten – das ist für uns heute fast nur negativ besetzt. Wer am Telefon eine Auskunft möchte und in eine Warteschleife gerät, bekommt leicht unfromme Gedanken. In Warteschlangen an Kassen in Läden werden die meisten nervös und gereizt. Kein Wunder, dass die Verkäuferinnen und Verkäufer eingebläut bekommen: „Der Kunde von heute will nicht nur gut bedient werden, sondern ohne Wartezeit.“ Jetzt in der Vorweihnachtszeit können einem die im Einzelhandel Beschäftigten schon leidtun, wenn sie die Ungeduld der zum Warten gezwungenen Kundschaft aushalten müssen. Warten, das scheint uns verlorene Zeit zu sein.

Johannes der Täufer dagegen wartet mit brennendem Herzen. Er wartet darauf, dass der Messias in Bälde kommt und das Gericht über das gottlose Volk stattfinden wird. Um seinen Zeitgenossen den Ernst deutlich zu machen, greift er zu drastischen Bildern: „Die Axt ist schon den Bäumen an die Wurzel gelegt.“ Wenn die Menschen endlich das tun, was Gottes Wille ist, wenn sie umkehren – so Johannes – wird das Reich Gottes kommen.

Viele der Umkehrwilligen lassen sich von Johannes taufen. Johannes ist eine prophetische Gestalt, die auch die Mächtigen seiner Zeit kritisiert. Herodes, ein Vasall Roms, zieht ihn schließlich aus dem Verkehr und lässt ihn ins Gefängnis werfen, wohl um ihn mundtot zu machen.

Nun sitzt Johannes im Gefängnis und muss mit seinem Tod rechnen. Hinter die Mauern dringt offensichtlich die Kunde von Jesus, von dessen Heilungen und dessen Verkündigung. Seine Jünger schickt er zu Jesus und lässt sie fragen: „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“

Ist dies eine hoffnungsvolle Frage oder eine zweifelnde? Vermutlich schwingt beides mit. Mir scheint aber, dass Johannes nicht so gefragt hätte, wenn er nicht vom Wirken Jesu und seiner Botschaft irritiert gewesen wäre. Vielleicht hat er sich gefragt: Fehlt es bei diesem Jesus nicht am notwendigen Gerichtsernst? Kann das Reich Gottes wirklich auf die weiche Tour kommen? Muss man den Menschen nicht viel mehr einschärfen, dass sie ihr Leben radikal ändern müssen, wenn es eine Zukunft geben soll?

„Bist du der, der da kommen soll oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Jesus  geht auf die Frage nicht direkt ein. Er verweist stattdessen auf seine Werke: Arme bekommen neuen Lebensmut. Verlierern wird die gute Nachricht gepredigt. Die Augen der Blinden werden geöffnet und die Augen derjenigen, die meinen, sie würden alles durchschauen. Die Lahmen gehen und auch diejenigen, die keinen Weg in ihrem Leben mehr sehen.

Die Aussätzigen werden rein und auch jene, die meinen, sie hätten eine reine Weste. Taube hören und auch diejenigen, die meinen, sie hätten alles schon gehört. Tote werden auferweckt und auch diejenigen, die innerlich wie abgestorben sind.

Wo Johannes seinen Zuhörern einschärft, dass nur eine radikale Umkehr sie retten kann, da redet Jesus zunächst von der zuvorkommenden Güte Gottes. Wo Johannes seinen Zuhörern droht, tröstet Jesus zunächst und richtet auf. Wo Johannes die große Wende herbeizwingen will, da spricht Jesus davon, dass wir mit ihm schon mittendrin sind. Wenn in diesen Adventstagen in vielen unserer Kirchengemeinden Flüchtlinge unterstützt werden, da wird etwas spürbar von der Güte Gottes, die in Jesus sichtbar geworden ist.

Das Neue, das Reich Gottes, ist in Jesus schon angebrochen. So brauchen wir auf keinen anderen zu warten. Aber noch warten wir darauf, dass die Welt völlig erlöst wird. Die Adventszeit stimmt uns auf das Warten ein. Es gibt viel zu erwarten. Warten wir’s ab.

 

Ihr Gebet

Gebet

Herr Jesus Christus!
Wir warten auf dein Kommen,
wie wir auf den Frieden warten in dieser Zeit
der äußeren und inneren Friedlosigkeit.
Wir warten auf dein Kommen,
wie wir nach Gerechtigkeit hungern
und an der Ungerechtigkeit
zwischen den Völkern und Klassen leiden.
Gib denen die Hoffnung wieder,
die sie verloren haben.
Gib denen die Liebe neu,
die nur noch kalt miteinander umgehen.
Öffne unsere Augen,
damit wir einen Vorschein deiner Freude
in unserem Leben zu sehen bekommen.

Amen.


Jürgen Moltmann. In: Unsere Zeit in Gottes Händen – Evangelische Gebete.

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THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

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