Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ergriffen vom Erbarmen Gottes

Lukas 10,25–37 Da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte Jesus und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.  Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir‘s bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!


Impuls zum Predigttext für den 13. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 10,25–37.  Von Martin Winter


Martin Winter ist Pfarrer in Metzingen im Kirchenbezirk
Bad Urach/Münsingen. (Foto: Erich Sommer)


Bestimmt würde dieser Text auf einer „Top-Ten-Liste“ nicht fehlen: Unter den zehn bekanntesten und beliebtesten Bibelstellen hätte die Beispielerzählung vom Barmherzigen Samariter beste Chancen, einen der vorderen Plätze zu belegen. Und das hat seinen Grund. Klar und einleuchtend ist diese Erzählung Jesu. Man ist gebannt, und man ist im Bild.

Sie ist ein Paradebeispiel in mehrfacher Hinsicht.

Ein Paradebeispiel tätiger Nächstenliebe. Auf meinem Weg treffe ich auf bedürftige Menschen: Geschunden und geschlagen, unter die Räuber, unter die Räder gekommen. Zu schwach sind sie, um sich selbst helfen zu können. Ein Samariter – ein Ausländer, einer, auf den man in Glaubensdingen und überhaupt herabschaut – führt mir vor Augen, was ich in meinem Herzen schon weiß. Und er macht mir vor, wie ich handeln soll: Unterbrich deinen Weg, steig aus deinem Alltagstrab aus und tu das Nächstliegende an deinem Nächsten: Hilf ihm!

Die Erzählung vom Barmherzigen Samariter ist ein Paradebeispiel, wie man handeln soll!

Und sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie frommes Reden und frommes Tun auseinanderfallen können. Da begegnen einem in der Erzählung zwei, die Gott in Gedanken und Worten die Ehre geben. Doch jetzt ist ihr Glaube auf andere Weise gefragt: in praktischer Hilfe. Warum tun sie es nicht? Warum tue ich es nicht? Vielleicht ist die Hand ja schon ausgestreckt, doch dann melden sich Bedenken: In was könnte ich da hineinkommen? Meine Planungen müssten wohl über den Haufen geworfen werden. Und die Hand zuckt verstohlen wieder zurück. Der Weg wird fortgesetzt mit gesenktem Blick.

Die Erzählung vom Barmherzigen Samariter ist ein Paradebeispiel, wie man nicht handeln soll!

So weit, so klar! Aber Jesus will noch etwas anderes klar machen. Das wird deutlich in der Art, wie er auf den Schriftgelehrten eingeht und ihm antwortet: „Wer, meinst du, ist dem, der unter die Räuber gefallen ist, der Nächste gewesen?“

Jesus wechselt die Perspektive. Und er nimmt seine Hörer – uns – mit auf die andere Seite. Stell dir vor, du liegst am Boden. Du bist am Ende deiner Kraft. Wer ist dein Nächster? Natürlich der, der nicht lange fragt, sondern hilft. Natürlich der, der nicht lange überlegt, sondern sich mir zuwendet. Natürlich der, der liebt.

Der Perspektivwechsel hilft, zu begreifen: Liebe und Erbarmen sind nichts, was ich anderen nach einem wohl überlegten Muster zuteil werden lasse. Sie ergreifen mich in der Begegnung. – So wie ich ergriffen und umgriffen bin vom Erbarmen und der Liebe Gottes!


Ihr Gebet

 

Gebet

Du liebender Gott,
du siehst das Elend der Menschen
und hast deinen Sohn zu uns geschickt,
dass er uns in Liebe diene.
Lass uns nach seinem Vorbild gütig
und barmherzig werden,
dass wir nicht vorübergehen an denen,
die uns brauchen.
Erhöre uns um Jesu Christi willen.
Amen

Aus: Ev. Gottesdienstbuch, Seite 375

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