Christliche Themen für jede Altersgruppe

Erntesegen

2. Korinther 9,6–15 Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er sich´s im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Einfalt, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!

Impuls zum Predigttext für das Erntedankfest: 2. Korinther 9,6-15. Von Jörg Dinger


Der promovierte Theologe Jörg Dinger ist Pfarrer in Öhringen und war bis September Landesbauernpfarrer.



Paulus sagt „Säen“ und meint „Spenden“. Das ist typisch. Häufig ist von Saat und Ernte nicht im wörtlichen, sondern im übertragenen Sinne die Rede. Sprichwörtlich sind die Saat der Gewalt und in den Gleichnissen Jesu der Sämann, die selbst wachsende Saat, das Unkraut unter dem Weizen. Die Saat steht für das, was wir reden und tun. Die Ernte für das, was am Ende dabei herauskommt – bis hin zum „Jüngsten Gericht“.

Paulus sagt „Säen“ und meint „Spenden“. Die Christen in Korinth sollen zusammenlegen für die Brüder und Schwestern in der Jerusalemer Ur-Gemeinde. Die Ernte ist Dankbarkeit – den Spendern, letztlich aber Gott gegenüber – und die Stärkung der Gemeinschaft der Christen über die Kontinente hinweg.

Paulus sagt „Säen“ und meint „Spenden“. Am Erntedankfest geht es aber zuerst um das Säen und Ernten im wörtlichen Sinne. Wie ist dieses Jahr die Ernte ausgefallen? Für Getreide, Obst und Gemüse. Auf den Äckern, die von den Bäuerinnen und Bauern bewirtschaftet werden. In den Gärten, in denen wir für den eigenen Bedarf Tomaten, Zwiebeln und anderes angebaut haben. Wofür wollen wir Gott danken? Wo mischt sich in den Dank Beklommenheit? Weil der viele Regen die Getreideernte hat schmal ausfallen lassen. Weil schlechte Preise den landwirtschaftlichen Betrieb schwer belasten.

Paulus wirbt um Solidarität zwischen den Christen in Europa und denen im Land der Bibel. Auch heute ist es wichtig, die Gemeinschaft der Christen über die Erdteile hinweg zu stärken – beispielsweise, dass wir die Not der bedrohten Gemeinden im Nahen Osten wahrnehmen. Zum Erntedankfest möchte ich uns dazu eine andere Verbundenheit ans Herz legen: zwischen dem großen Rest der Bevölkerung und den wenigen, die noch im wörtlichen Sinne säen und ernten und davon leben, den Bäuerinnen und Bauern.

Das Erntedankfest im Herbst ist wie im Frühsommer der Erntebittgottesdienst eine gute Gelegenheit, diese Verbindung zu pflegen, die Gemeinschaft zu stärken. Dass wir einander wahrnehmen, als Menschen, als Christen. Dass wir die Sorgen und die Bitten, den Dank und die Freude der Bäuerinnen und Bauern in diesem Gottesdienst zu den unseren machen. Denn ohne Landwirte, die ackern und arbeiten für unser tägliches Brot, für Obst und Gemüse, Eier und Fleisch, Milch und Honig sähe unser aller Speisezettel mager aus, obwohl viele Lebensmittel importiert werden.

Paulus nennt zwei Begriffe, die in diesem Zusammenhang wichtig sind: „Segen“ und „Danksagung“. Der Segen, der auf der gelebten Gemeinschaft liegt: „Keiner kann allein Segen sich bewahren.“ (EG 170,2) Der Segen Gottes, auf den wir alle angewiesen sind – Gebende und Empfangende, Bauern und Nicht-Landwirte. Denn ohne seinen Segen wird aus der besten Saat – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – keine gute Ernte.

Daraus folgt zweitens der Dank an Gott für seinen Segen. Für den Erntesegen, auch wenn der nicht überall so ausgefallen ist wie erhofft. Für das tägliche Brot, für den Reichtum an Lebensmitteln, für das gute und schöne Land, in dem wir leben.

„Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!“ So beschließt Paulus den Briefabschnitt. Da geht es um Saat und Ernte, um den Segen, der auf dem Geben ruht. Zugleich wird der Horizont geweitet. Unaussprechlich, unbegreiflich ist Gott und was er für uns tut. In Jesus kommt er selbst zu uns, erlöst uns von der Macht des Bösen, schenkt uns eine Hoffnung für Zeit und Ewigkeit.

Die „Danksagung an Gott“ zum Erntedankfest ist beides zugleich: bezogen auf Gottes ewige Treue zu uns Menschen und seiner ganzen Schöpfung – und auf die Erntewirklichkeit dieses Jahres.

Gebet

Gott des Lebens,
teile aus die Fülle – aus deiner Hand kommt alles
Leben, teile aus die Fülle – durch deine Güte
erhältst du unser Leben, teile aus die Fülle –
dein guter Geist öffnet uns die Hände.
Dir sei Ehre und Preis in Ewigkeit.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 387.










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