Christliche Themen für jede Altersgruppe

Es kommt allein auf Gott an

Johannes 3,1–8 (in Auszügen) Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Trinitatis: Johannes 3,1–8.  Von Albrecht Nuding

Albrecht Nuding ist Pfarrer in Schönaich im Kirchenbezirk Böblingen.

Im Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus geht es um die Wiedergeburt der Einzelnen. Eine solche Wiedergeburt setzt in unserer Zeit aber auch immer eine Wiedergeburt der Gemeinschaft der Gläubigen, also der Kirche voraus. Die reformatorische Neubesinnung auf Gottes Handeln an uns Menschen vor 500 Jahren war eine solche Wiedergeburt. Von einer Wiedergeburt der Kirche kann dann gesprochen werden, wenn das reine Evangelium neu entdeckt und neu gehört wird. Der Glaube der Einzelnen kommt aus dem Hören auf Gottes Wort. Die Kirche als Ganze ist ein Geschöpf, das sich ebenfalls dem Hören auf Gottes Wort verdankt.

Eine Wiedergeburt braucht die Kirche auch heute wieder. Die Kirche lebt von Menschen, die neu geboren werden durch den Geist, und die Mitglieder brauchen eine Kirche, in der der Geist wirken kann. Standhafte Glaubensgewissheit ist nötig, um in unserer Zeit nicht an den vielen Hiobsbotschaften zu verzweifeln, die uns täglich in den Nachrichten begegnen. Es scheint manchmal, als sei die Welt in Gefahr, aus den Fugen zu geraten. Glaube ist nötig, um getröstet und ohne Angst jenen entgegen zu treten, die Angst haben vor Menschen aus anderen Kulturen und mit einem anderen Glauben in unserem Land und deshalb Stimmung machen gegen Fremde.

Gottvertrauen ist nötig, um in unserer Welt voller Ungerechtigkeit nicht die Hoffnung zu verlieren, dass es doch noch gelingen kann, die vorhandenen Nahrungsmittel und Güter auf der Welt fair zu verteilen. Gottvertrauen, Glaube und Glaubensgewissheit sind Wirkungen des Geistes, die uns dem Reich Gottes nahe bringen.

Weder die Institution Kirche noch einzelne besonders charismatische Personen auf den Kanzeln und in den Gemeinden können eine Wiedergeburt, eine geistliche Erneuerung, machen oder herbeizwingen. Bei einer Neugeburt im Glauben wird ein neuer Mensch geschaffen. Gottes Geist ist für die Einzelnen und für die Kirche genauso unverfügbar wie der Wind, der bläst, wann und wo er will. Aber Gottes Geist ist genauso real wie der Wind, dessen Brausen man hören und spüren kann. Gottes Geist wirkt unter uns.

Wir Menschen können den Heiligen Geist nicht zwingen, dort zu wirken und so zu wirken, wie wir es wollen. Gottes Geist gibt den Glauben und damit Umkehr und Wiedergeburt, wo und wann er will. Aber wir können es dem Geist Gottes schwer machen zu wirken: als Einzelne und als Kirche. Wir können das Evangelium verschweigen oder nur ganz leise und zaghaft predigen. Wir können das Evangelium verfälschen oder in Vergessenheit geraten lassen.

Von den Reformatoren können wir in neuer Weise lernen, dass es allein auf Gott ankommt und nicht auf uns Menschen. Gottes Geist lässt uns erkennen, dass wir durch Christi Verdienst und nicht durch unsere Verdienste einen gnädigen Gott haben, wenn wir das glauben. Durch eigene Vorbereitung, Gedanken und Werke erlangen wir den Heiligen Geist nicht, sondern nur durch das leibhaftige Wort des Evangeliums.

Das Reformationsjubiläum 2017 ist eine gute Chance für alle, die in der Leistungsgesellschaft leben, diese befreiende Botschaft neu zu entdecken, dass wir nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus glauben oder zu ihm kommen können. Wir müssen von uns aus nichts tun. Der Geist allein wirkt an uns durch das Evangelium, wann und wo er will. So wird Wiedergeburt möglich.

Ihr Gebet

 

Gebet

Barmherziger Gott und Vater.
Wir danken dir für die Erkenntnis deiner Gnade
in Jesus Christus
und für die Vielfalt an geistlichen Gaben,
mit denen dieses Land seit der Reformation
beschenkt worden ist.
Wir bitten dich:
Brich deinem Evangelium Bahn
und lass dein Heil offenbar werden bis an die Enden der Erde.

Amen.

Evangelisches Gemeindeblatt

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