Christliche Themen für jede Altersgruppe

Fest der Zeitenwende

Titus 3,4–7 Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, damit wir durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unserer Hoffnung.


Impuls zum Predigttext für das Christfest: Titus 3,4–7.  Von Frank Otfried July

Landesbischof Frank Otfried July predigt beim Gottesdienst in der Stiftskirche in Stuttgart
am Christfest, 25. Dezember, 10 Uhr.
Foto: Gottfried Stoppel/EMH


Kennen Sie „Hart, aber fair“? Eine Talkshow, in der manchmal heftig diskutiert wird. Da fordert der Moderator am Schluss der Gesprächsrunde die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, das Wichtigste in einem Satz zusammenzufassen. Das fällt dann manchem gar nicht so leicht, nachdem er oder sie sich vorher abgemüht hatten, das Für und Wider in allen Höhen und Tiefen, Vor- und Nachteilen zu besprechen.

Kann man Weihnachten in einen einzigen Satz fassen? Titus wagt es: „Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes, machte er uns selig…“ Natürlich folgen in den weiteren Versen wichtige Begründungen, warum er mit dieser Aussage so einsteigen kann. Aber der Anfang steht: Gott selbst erscheint in seiner Freundlichkeit und Menschenliebe in Jesus Christus, um uns selig zu machen; Weihnachten geschieht um Unseretwillen, um der Menschen willen, für dich und mich! Und Menschenliebe und Freundlichkeit Gottes ist nicht etwas, „was er auch noch hat“, sondern gehört zu seinem innersten Wesen, das sich am Weihnachtsfest in seinem Sohn nach außen kehrt.

Und diese Menschenliebe und Freundlichkeit Gottes kommt in eine Welt, die „un-selig“ ist. Auch heute noch: Terror, Krieg, Verfolgung, Flucht, Missachtung der Würde und der Menschenrechte, Schädigung der Umwelt, Vertrauensbruch… Die Liste menschlicher „Unseligkeiten“ und Desaster ließe sich fortschreiben.

Aber das Weihnachtsfest ist kein Beschwörungsfest der „Unseligkeiten“, sondern das leuchtende und glänzende Fest der Seligkeit. Der Horizont der „Unseligkeiten“ ist aufgerissen, weil es Gottes Menschenliebe und Freundlichkeit gibt, die uns „selig“ macht. Gott schenkt uns Hoffnung und Zukunft und so etwas wie eine christlich erneuerte Tatkraft. Denn diejenigen, die allein auf Gottes Barmherzigkeit trauen, die allein sich der Erneuerung im Heiligen Geist anvertrauen, können Hoffnungsträger der Seligkeit werden.

Das Weihnachtsfest ist so gesehen wahrhaftig ein Fest der Lebens- und der Zeitenwende. Die Rechnung unserer Jahre nach dem Geburtsfest Christi ergibt einen tiefen Sinn. Seit diesem Erscheinen der Freundlichkeit und Menschenliebe Christi, die in der Verheißung Israels geschehen ist, gehen „selige“ Menschen in der „Unseligkeit“ vieler Gottesfernen dieser Welt ihren Weg. Setzen Zeichen der Liebe und Freundlichkeit, antworten den Hass- und Todesliedern dieser Welt mit dem Lob- und Lebenslied auf Gottes Heiland.

Solch „selige“ Menschen wehren dem Rassismus, sie nehmen sich der Flüchtlinge an und sehen die an den sozialen Rand Gedrängten. Sie fragen aber auch nach den Einsamen, Trostbedürftigen und Orientierungslosen, die äußerlich in guten Verhältnissen leben. Und sie freuen sich mit den Fröhlichen, beten für das Gemeinwesen und sprechen freimütig in der Öffentlichkeit von Gottes Menschenfreundlichkeit.

Am Christfest kommt viel Bewegung in unser Leben, äußerlich und innerlich. Und wir freuen uns auch über die langen Weihnachtserzählungen, die Krippenspiele, die Weihnachtsoratorien und schönen wiederkehrenden Gebräuche. Sie tun uns oft wohl und erinnern an die Menschenliebe Gottes.

Aber für uns geht der Christtag nicht in einem Brauchtumsfest auf, bei dem die Figuren danach wieder bis zum nächsten Jahr eingepackt werden – und das war‘s dann.

Da ist es gut, dass wir – wie der Moderator es in seiner Talkshow fordert – einen Satz haben, der das Wesentliche der Weihnachtsbotschaft auf den Punkt bringt. Diesen können wir Tag für Tag übers Jahr aussprechen, auch wenn wir nicht Christfest feiern: „Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes, machte er uns selig…“


Ihr Gebet

 


Gebet

Herr, unser Gott,
wir danken dir für deine Freundlichkeit
und Menschenliebe. An Weihnachten
erleben wir das in besonderer Weise.
In deinem Sohn Jesus Christus bist du
uns nah und stärkst und tröstest uns
und schenkst uns Mut und Kraft,
deine Menschenliebe aller Welt zu verkündigen.
Amen.

Luthers-Familienzeit

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