Christliche Themen für jede Altersgruppe

Fester Grund und weites Herz

Epheser 3,14–21  Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle. Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Exaudi:  Epheser 3,14–21.  Von Albrecht Conrad

Albrecht Conrad ist Pfarrer an der Michaelskirche in Stuttgart-Degerloch



Es scheint, als gebe es im Christentum zwei kaum zu vereinbarende Haltungen: Die eine Haltung legt großen Wert auf eine enge persönliche Christusbeziehung jedes Gläubigen. Darüber droht manchmal die Großzügigkeit und das weite Herz gegenüber anderen Frömmigkeitsformen verloren zu gehen. Die andere Haltung betont die Liebe, die doch alle Menschen und Glaubensweisen umschließe und sich nach außen richte. Menschen mit dieser Haltung halten sich bisweilen eher zurück, wenn es darum geht, die zentrale Bedeutung der Christusbeziehung weiterzusagen.

Der Autor des Epheserbriefes weiß, wie schwer beide Haltungen es miteinander haben. Er behelligt die Gemeinde in Ephesus daher nicht mit Belehrungen und Bewertungen. Er wählt die Form des Gebetes. Damit macht er klar: Wir alle – gleich welche Haltung wir haben – wir alle beugen die Knie vor dem Gott, „der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt“. Auch wenn wir verschieden sind und verschiedene Haltungen haben – die Anbetung Gottes, die Grundhaltung des Gebetes vereinen uns. Gott ist allemal größer als wir, darum beugen wir gemeinsam die Knie vor ihm und beten.

Im Gebet selbst führt der Apostel dann die verschiedenen Haltungen zusammen und vereint sie. Sie schließen sich also nicht aus. Sie bedingen einander sogar.

Ja, ohne die persönliche Beziehung zu Jesus Christus geht im Glauben nichts. Auf die Glaubenskraft jedes und jeder Einzelnen kommt es an, auf den inwendigen Menschen, der sich gestärkt weiß durch den Heiligen Geist. Wie eng er sich diese Beziehung vorstellt, zeigt der Epheserbrief, indem er das Bild vom Herzen wählt: Soll niemand drin wohnen, als Jesus allein. Eine engere Beziehung ist nicht vorstellbar. Ganz nah ist mir Jesus Christus, er wohnt im meinem Herzen. Seine Nähe stärkt mich. Seine Nähe schafft meinem Leben einen festen Grund.

Auf diesem festen Grund kann dann auch die Liebe wachsen. Dass Jesus Christus im Herzen wohnt, heißt nämlich nicht, dass dort kein Platz mehr ist. Wenn Jesus in meinem Herzen wohnt, dann wird es dort nicht eng. Ganz im Gegenteil: Jesus Christus bringt bei seinem Einzug eine geistige Weite mit, die vorher nicht vorstellbar war. Die enge, persönliche Beziehung zu Jesus Christus schafft ein weites Herz, weil Jesus Christus „mit der ganzen Gottesfülle“ darin einzieht.

Erst durch die Nähe Jesu begreifen wir wirklich, welch Breite und Länge und Höhe und Tiefe die Liebe Christi hat. Diese Liebe übersteigt alles, sie ist größer als unsere Erkenntnis, sie übertrifft unsere beschränkte Sicht der Dinge, unsere Urteile, unsere Haltungen.

Wie sollten wir da nicht ein weites Herz haben? Wie sollten wir da nicht großzügig sein können? Wie sollten wir da nicht die Liebe Christi weitergeben, aus der wir selbst leben? Wie sollten wir da nicht gemeinsam glauben und leben können mit den Gotteskindern, die eine andere Glaubens- und Lebenshaltung haben?

Vor allem sollten wir gemeinsam beten zu dem Gott, „dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

 


Ihr Gebet

 

 

 

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