Christliche Themen für jede Altersgruppe

Für alle ist genug da

Johannes 6,3+5+7-13 Jesus aber ging auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder ein wenig bekomme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas:  Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele? Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer. Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, soviel sie wollten. Als sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.

Impuls zum Predigttext für den 7. Sonntag nach Trinitatis: Johannes 6,1–15. 
Von Hans-Ulrich Bosch

Hans-Ullrich Bosch ist Pfarrer in Gussenstadt im Kirchenbezirk Heidenheim.

Nach dem Weinwunder von Kana erzählt der Evangelist Johannes in Kapitel 6 das zweite Überflusswunder. Mit fünf Broten und zwei Fischen machte Jesus die vielen Menschen satt, die seine Nähe suchten. Jesus kannte die Bedürfnisse der Menschen. Er kannte ihren Hunger nach Leben und er wusste um ihren Hunger nach Brot. Er nahm sich ihrer Nöte und Probleme an und sorgte für den Lebensunterhalt der Menschen.

In der Erzählung erscheint Jesus als guter Gastgeber, der zu einem Fest des Glaubens einlädt. Er beschenkte seine Gäste auf wunderbare Weise mit einer Fülle, die alles Menschenmögliche übersteigt und nur von Gott kommen kann. Ein Ausdruck dafür ist der Hinweis, dass alle bekamen, so viel sie wollten, und dann noch zwölf Körbe mit Resten übrig blieben! „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist“ (Psalm 34,9) – für die Menschen, die mit Jesus zusammen waren, wurde dies erfahrbar.

Aber wie ist das heutzutage? Gibt Gott auch heute noch vom Reichtum seiner Gaben? Das Leben in unserer hoch technisierten Welt verleitet dazu, bei dem hängen zu bleiben, was wissenschaftlich denkbar und technisch machbar ist. Wer aber genau hinhört, erfährt immer wieder von Frauen und Männern, die einen Unfall auf wunderbare Weise unversehrt überstehen. Oder jemand wird nach einer lebensbedrohlichen Krankheit auf ein Mal wieder gesund.

Sind dies Zufälle? Oder ist Gott am Werk, der einem Menschen seine Fülle zuteil werden lässt? Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Jesus die im Neuen Testament erzählten Wunder tat. Damit ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass es zwischen Himmel und Erde mehr gibt als die Naturwissenschaften und die Schulmedizin.

Die Texte der Bibel erzählen jedenfalls davon, dass Jesus die Grenzen und Abgründe überwand, unter denen seine Mitmenschen litten. Durch die Kraft Gottes schenkte er ihnen ganz neue Lebensperspektiven. Naturgesetze und menschliche Gesetzmäßigkeiten hinderten ihn nicht daran.

Die Güte Gottes ist groß. Ist es auch unser Glaube an ihn? „Gott, weil er groß ist, gibt am liebsten große Gaben, ach, dass wir Armen nur so kleine Herzen haben“ (Evangelisches Gesangbuch, Nummer 411). Dieses Lied aus dem Gesangbuch mahnt, über die Rolle nachzudenken, die Gott in unseren Gemeinden oder im politischen Bereich spielen darf. Die Zukunft unserer Kirche wird sich nicht an der Höhe der zur Verfügung stehenden Finanzen entscheiden.

Die Speisungsgeschichte lehrt, nicht von den Kirchensteuereinnahmen, sondern von den Träumen und Visionen her zu denken, die Gott schenkt. Menschen sollen sich auf den Weg machen, Ideen für die Zukunft reifen lassen und sie gemeinsam umsetzen. Denn Gott wird das Seine dazutun. Gleiches gilt für die Politik. Im Juni konnte sich die EU nicht auf eine Quote zur Verteilung von Flüchtlingen einigen. Die Anschläge auf Asylunterkünfte häufen sich. Doch Regierungen und Bürger sollen sich von der Not der Flüchtlinge berühren lassen, frei von Besitzstandswahrungsängsten Hilfe anbieten und darauf vertrauen, dass Gott das Seine dazutun wird. Natürlich sind unsere Ressourcen begrenzt.

Aber Gott lässt uns erfahren, dass genug für alle da ist. Seine Möglichkeiten übersteigen unsere Wirklichkeit. Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.

Ihr Gebet

 

Gebet

Wunderbarer Gott,
du schenkst uns alles, was wir zum Leben brauchen,
du schenkst uns Christus, deinen Sohn.
Er ist das Brot des Lebens.
Mache unser Herz weit,
dass wir annehmen,
wie reich deine Güte für alle Menschen ist.

Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 363.

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