Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gelassen sein in Gottes Nähe

Philipper 4,4–7 Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.


Impuls zum Predigttext für den 4. Advent: Philipper 4,4–7.  Von Anne-Kathrin Kruse

Anne-Kathrin Kruse ist Dekanin in Schwäbisch Hall.


Freuen Sie sich auf Weihnachten? So richtig rundherum, dass Ihnen das Herz im Leibe hüpft? Dass Sie förmlich einen halben Meter über dem Boden schweben und am liebsten die ganze Welt umarmen würden? Es scheint, viele haben gerade kaum Zeit zur Freude. Sie fühlen sich überfordert, sind erschöpft. Gereiztheit macht sich breit. „Der Herr ist nahe!“ Ja, eben – und nichts ist vorbereitet! Die hoffnungsfrohe Ankündigung von Paulus will nicht so recht passen in unsere Adventszeit. Uns trennen Welten von ihm und seiner Gemeinde im griechischen Philippi. Er selbst saß im Gefängnis, als er an die Gemeinde schrieb. Und sie alle erwarteten nicht das Weihnachtsfest, sondern weit mehr: das Ende aller Zeiten. Die Frage trieb sie um, ob sie überhaupt noch ein geregeltes Leben führen, heiraten, Kinder kriegen, für das Alter vorsorgen sollten. Gott ist nahe in dem Sinn, dass Gottes Zukunft anbricht – schon jetzt und in Ewigkeit. Eine Hoffnung, die uns fremd ist. Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Advent 2015 – die Freude auf Weihnachten ist gedämpft. Das Elend der Flüchtlinge ist nicht mehr nur im Fernsehen zu sehen. Und es beschämt, dass sie nach Krieg, Armut und Elend nicht nur willkommen bei uns sind. Auch Hass und Feindschaft schlägt ihnen entgegen. Und der Terror, vor dem sie geflohen sind, folgt ihnen bis nach Europa. Als Antwort darauf droht ein Krieg mit unabsehbaren Folgen. Auch Kinder haben Angst vor den Festtagen, wenn es immer wieder Streit in der Familie gibt und gar nichts froh und heil ist. „Der Herr ist nahe!“ Das ist kein Befehl, die Clownsmaske aufzusetzen und damit die Weihnachtsfeiertage mehr schlecht als recht zu überstehen. Es ist ein Trost. Denn wem ist er nahe? „Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerbrochenes Gemüt haben.“ (Psalm 34,19) Wem ist er noch nahe? „Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, die ihn ernstlich anrufen.“ (Psalm 145,18) Es ist eine Lebenshaltung, alles Gott im Gebet hinzuhalten, was mich betrifft, und die, die mir anvertraut sind. Vielleicht kommt daher diese wunderbare Gelassenheit, diese erstaunliche Unabhängigkeit von allen widrigen Umständen. „Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden.“ Wie die Lilien auf dem Felde um das bitten, was wir zum Leben brauchen. Und dankbar sein für das, was da ist. Weil Gott uns nahe ist, brauchen wir keine Angst um uns selbst haben. Weil Gott selbst Leid und Not kennt, können wir uns in allem Leid ihm anvertrauen. Weil Elend und Geschrei einmal ein Ende haben werden, können wir schon jetzt alles tun, um Elend und Geschrei zu beenden. Was für eine verlockende Gelassenheit! Was kann uns noch geschehen, wo doch der Herr ganz nahe ist!? Vielleicht kommt daher diese tiefe Freude, die viel weiter reicht als jede scheinbar noch so perfekte Familienidylle. Denn das Leben ist kein perfekt inszenierter Idealzustand. Es wird schwerelose Augenblicke geben: wo zwei sich finden, wo ein Kind geboren wird, wo eine Arbeit richtig gut gelungen ist. Aber es wird  nicht nur leicht, es bleiben auch schwere Zeiten. Und gerade Weihnachten muss nicht perfekt sein. Wo ein Kind in einem Stall geboren wird und anschließend mit seinen Eltern fliehen muss, ist nichts perfekt. Wir müssen es nicht sein und die anderen auch nicht. Das Geschenk passt nicht – es gibt Schlimmeres. Es gibt keine Gans – Pizza schmeckt auch. Wir können mit uns selbst und anderen Menschen Frieden schließen, denn er ist höher als alle Vernunft. Darum freut euch im Herrn allewege!


Ihr Gebet

 


Gebet

Großer Gott,
Du kommst mir nahe.
Ich warte mit frohem und mit bangem Herzen.
Mach du das Herz frei all denen,
die unter Druck stehen.
Dein Segen ist bei mir.
Lass mich ein Segen für Andere sein.
Ich frage nach Gerechtigkeit.
Regne auch auf mich Ungerechte herab.
Schreite dort ein, rette, schütze du,
wo ich es nicht kann.
Ich sehne mich nach einer Welt voll Licht.
Gib mir Nachsicht und Liebe,
Denn du hast sie für alle hell gemacht.
Ich freue mich, denn du bist nah!
Amen.


Luthers-Familienzeit

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