Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott begegnen

Jesaja 6,1–13 In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch.  Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den Herrn Zebaoth, gesehen mit meinen Augen. Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei. Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!


Impuls zum Predigttext für den Sonntag Trinitatis: Jesaja 6,1–13.  Von Friedrich Langsam

Friedrich Langsam ist promovierter Theologe und Dekan in Ravensburg.




Es gibt Erfahrungen, die man ein Leben lang nicht mehr vergisst. Sie berühren, begleiten und prägen einen. Für Jesaja ist es eine besondere Gottesbegegnung, die sein Leben bewegt und bestimmt. Er schaut Gott auf seinem Thron. Wenn wir Gott sehen würden, wären dann alle Rätsel unseres Lebens gelöst, alles Finstre gelichtet und alle Zweifel beseitigt? Doch darum geht es bei Jesaja nicht. Darum geht es auch bei uns heute nicht. An Gott zu glauben, löst nicht alle Fragen und Probleme. Der Ewige und Erhabene wird nicht beschrieben. Nur der raumfüllende Saum seines Gewandes verweist auf seine Gegenwart. Im Zentrum steht, was mit dem Propheten in der Begegnung mit dem lebendigen Gott geschieht.

Er kann nicht auf Abstand gehen oder gar unbeteiligter Zuschauer bleiben. Er wird hineingezogen, überwältigt, ganz in Beschlag genommen: „Wehe mir, ich vergehe!“ Den Heiligen sehen – gerade im Unterschied zu ihm, mich selbst erkennen: ein Mensch „unreiner Lippen“. Solches Bekenntnis ergibt sich nicht aus dem Vergleich mit anderen Menschen. Auch sie sind unrein. Wer ich bin, erkenne ich im Letzten nur, wenn ich mich im Lichte dessen sehe, der mich ins Dasein geliebt hat, dem ich mich verdanke und dem ich verantwortlich bin. Wie aber könnte ich vor ihm, dem Heiligen, bestehen mit meinen unreinen Lippen, meinem unreinen Herzen?

Wer diesem Erschrecken vor dem Heiligen nicht ausweicht, erfährt, wie Gott an ihm weiterwirkt, erlebt, dass er es nicht bei solcher Erschütterung belässt: Er reinigt die unreinen Lippen und gibt dem Propheten durch die feurige Kohle Anteil an seiner Heiligkeit. Damit schafft und schenkt er heilvolle Beziehung und befähigt zum Dienst. Wie könnte der Berufene vom Heiligen reden mit sündigem Mund? Jesaja bezeugt Gott als den, der sich erbarmt, der vergibt und dazu beruft, ihn zu bezeugen. Auf dieser Linie denken wir als Christen daran, wie Gott in Jesus Mensch wird, sich über uns erbarmt, uns rettet und uns beauftragt, „die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk“ (Barmen 6).

Und schließlich: Der Thronende bleibt nicht stumm. Der dreimal Heilige spricht Jesaja direkt an, so dass der Prophet antwortet: „Hier bin ich, sende mich!“ Das göttliche Wort ermöglicht die menschliche Antwort.

Unvorstellbares und Unerhörtes schaut und hört Jesaja. Und wir? Jesus bezeugt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater.“ In ihm gibt sich uns Gott zu erkennen, in ihm kommt er uns nah. In ihm spricht er uns in unserem Erschrecken an: „Dir sind deine Sünden vergeben.“ Uns sucht er als solche, die von seinem Erbarmen und seiner Sehnsucht bewegt, das Evangelium mit anderen teilen. Das erschließt uns allein der seit Pfingsten wehende und erleuchtende göttliche Geist. Darum bitten wir ihn: „Du wertes Licht gib uns deinen Schein, lehr uns Jesus Christ kennen allein“ (EG 124,2). Was für ein Geheimnis: Der Ewige und Heilige gibt sich uns in Jesus und öffnet unser Herz und unseren Mund für ihn. Wir können voller Ehrfurcht und Freude einstimmen in dieses himmlische Lob: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.“¦


Gebet
Gnade vom Vater, der den Verlorenen
in die Arme schließt.
Gnade vom Sohn, der den Verbrecher
ins Paradies mitnimmt.
Barmherzigkeit von dem, dem das Herz weh tut,
solange wir die Alten bleiben.
Barmherzigkeit von dem, der mich im Herzen trägt und in mir wohnt.
Friede von dem, der den Gideon nicht tötet,
dass er ihm einen Altar baue.
Friede vom Versöhner, der sich töten ließ für uns,
als wir noch Feinde waren.
Heiliger Geist, du machst Auswärtige
zu Einheimischen und lässt uns werden, was du gibst.


Rudolf Bohren, aus: Beten mit Paulus und Calvin, V & R, 2008


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