Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott braucht mich

Lukas 1,39–45 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes! Und wie geschieht mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.

Impuls zum Predigttext für den 4. Advent: Lukas 1,39 – 55.  Von Lucie Panzer


Wie kriegt ein Mensch Selbstvertrauen? Das Evangelium für den 4. Advent erzählt von einer Frau, die Selbstvertrauen gewonnen hat, weil sie auf Gott vertraut.

Entsteht Selbstvertrauen, wenn man eine Sache gut gemacht hat und dafür Anerkennung findet? Manchmal vielleicht schon. Aber leider meistens nicht für lange: Jetzt gilt es schließlich, zu beweisen, dass man es nicht nur einmal, dass man es immer so gut machen kann. Und: Wenn das Selbstvertrauen aus dem Geleisteten käme – was wäre dann mit denen, die einfach nicht so viel leisten können? Oder kommt Selbstvertrauen aus der Stellung, in die man hineingeboren wird oder die man sich erarbeitet? Mag sein, dass es hilft, wenn man das im Rücken hat. Aber was ist dann mit denen, die kein prominentes Elternhaus haben oder selbst prominent geworden sind?

Wie kriegt ein Mensch Selbstvertrauen? Das Evangelium für den 4. Advent erinnert an eine ganz besondere Frau, die eigentlich doch nur ein einfaches Mädchen vom Lande war. Ein Mädchen, dem man wahrscheinlich beigebracht hatte, sich im Hintergrund zu halten. Ein Mädchen, das wusste: Wenn man so weit unten ist wie ich, dann lohnt es sich gar nicht, den Mund aufzumachen. Es würde doch niemand auf mich hören. Ein Mädchen, dass eigentlich keinen Grund hatte, sich irgendetwas zuzutrauen: Maria, die die Mutter von Jesus werden sollte.

Dieses Mädchen fängt eines Tages an, anders über sich zu denken (Lukas 1,47+48): „Ich freue mich über Gott, der mir hilft. Denn er ist seiner Magd, die so niedrig ist, freundlich begegnet. Glücklich werden mich preisen die Menschen und Völker zu allen Zeiten. Gott hat Großes an mir getan!“ Mit Worten eines Liedes redete Maria von sich selber. Gott hat Großes an mir getan. Auf einmal ist dieses einfache Mädchen vom Lande voller Selbstvertrauen. Das hängt mit dem Kind zusammen, das sie bekommen wird. Ein Engel, heißt es, ein Bote von Gott, hat ihr geholfen, das zu verstehen.

Aber mir scheint: Dabei ist jetzt erst einmal etwas ganz anderes wichtig für Maria. Sie begreift: Gott braucht mich. Gerade mich. Er macht mich zu seiner Partnerin. Durch mich will er etwas bewirken. Maria begreift: Für Gott bin ich nicht zu wenig. Für ihn bin ich auch nicht nur eine Frau. Er hat eine Aufgabe für mich. Etwas, das nur ich machen kann.

Und diese Erfahrung öffnet ihr die Augen. Sie erinnert sich und nimmt auf, was die Psalmbeter schon Jahrhunderte vorher ausgedrückt haben. „Gott stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen“ (Lukas 1,52+53). Daran können einem ja Zweifel kommen, wenn man sich in der Welt umsieht. Und gerade diese unbedeutende Frau vom Lande hatte bisher sicher eher das Gegenteil erlebt: Die Reichen und die Mächtigen kommen voran. Die setzen sich durch.
Aber jetzt hat sie am eigenen Leib erfahren: Es geht anders. Es kann anders sein. Gott ist anders. Er will, dass es anders wird, auch hier bei uns. Deshalb will er bei uns armen Leuten zur Welt kommen. Nicht in den Palästen der Mächtigen. Nicht in den Villen der Reichen. Nicht in den Tempeln der Religionsbeamten. Die Armen sollen begreifen: Gott ist bei uns. Er wird uns beistehen. Er will, dass die Welt sich ändert.

Bis heute gibt das den Armen und den Leidenden Selbstbewusstsein. Dass die Kirchen in den armen Ländern wachsen und immer mehr Menschen dort auf die Botschaft von Gott vertrauen, der bei den Armen zur Welt gekommen ist – das zeigt, dass diese Botschaft noch immer wirkt. Noch immer richtet sie Menschen auf. Noch immer gibt sie Menschen neues Selbstbewusstsein.

So wie Maria. Gott braucht mich. Gott braucht mich, damit die Liebe mehr werden kann unter den Menschen: Aus diesem Glauben kommt Selbstvertrauen. Solches Selbstvertrauen verändert die Menschen – und verändert die Welt.   

 

Ihr Gebet

Gebet

Wir warten auf dich, Herr.
Lass uns dein Licht sehen,
das unseren Weg hell macht.
Lass uns die Menschen sehen,
die im Dunkeln leben.
Schenke uns den Funken Licht,
den wir für uns und andere brauchen,
damit unsere Welt heller und wärmer wird.

Amen.

Aus: Gottesdienstbuch für die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Erster Teil, Stuttgart 2004, S. 226.

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