Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott gibt keinen auf

Lukas 15,6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ­ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

Impuls zum Predigttext für den 3. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 15,1–7.  Von Heinz Gerstlauer

Pfarrer Heinz Gerstlauer ist Vorstands­vorsitzender der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart.

Wer sind wir in den Gleichnissen vom verlorenen Schaf? Vom verlorenen Groschen? Vom verlorenen Sohn?

Wer sind wir in diesen Texten? Der Hirte, der sucht, das Schaf, das sich verlaufen hat? Wir können beides verstehen und nachempfinden. Das halbe Leben suchen wir etwas. Verlorene Dinge, den Hausschlüssel, den Brief, wichtige Papiere, eine Adresse. Die Suche kann anstrengend werden. Sie frisst Zeit. Sie wirbelt den Kalender durcheinander. Wir beziehen Nachbarn und Freunde mit ein, bis jeder und jede weiß: Ich habe den Autoschlüssel verlegt. Welch ein Glück, wenn er zum Vorschein kommt. Alle entspannen sich.

Oder wir suchen Informationen. Google, Yahoo und Genossen helfen uns dabei und verdienen sogar Geld damit. Suchen und Finden. Eine alltägliche Erfahrung, genauso wie das Finden.

Menschen suchen aber auch in einem tieferen Sinn und jagen dem Verlorenen hinterher: Die Partnerschaft ist in die Brüche gegangen, der Job ist weg, Lebenspläne müssen sich ändern oder gesundheitliche Probleme geben Anlass zur Sorge.

In der Diakonie haben wir es täglich mit solchen Verlustmeldungen zu tun. Menschen sind auf der Suche: nach Sinn, neuer Heimat, Geborgenheit, Gesundheit, Geld, Lebensfreude, Lebenshoffnung, Lebensfreunden, Sinn, Liebe. Sie suchen ein Leben, das sich lohnt, interessant ist. Sie suchen ein Leben, das ihnen Freude macht und neue Perspektiven schenkt. Ein Leben, das ihnen zeigt, ich werde wahrgenommen, wertgeschätzt und unterstützt. Ich bin nicht verloren.

Dafür stehen das Schaf und der Groschen, dass wir herausgehoben sind aus der Menge. Das jeder und jede Einzelne von uns wichtig ist. Selbst wenn wir gestrauchelt sind, versagt haben, unser Erbe verprasst haben, dürfen wir uns einer Verlustmeldung sicher sein. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass die Freude groß ist, wenn wir ein Stück weiterkommen oder wenn wir das finden, was wir vermisst haben, das was scheinbar verloren war. „Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an fröhlich zu sein“ (Lukas 15,24).

Kinder spielen gerne Verstecken. Das Suchen muss schwer sein. Das Versteck ganz raffiniert. Darin liegt der Reiz. Es macht nur Sinn, wenn jemand sucht. Zum Schlupfwinkel, einer Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben, kommen jedes Jahr „verlorene Kinder“ oder Weggelaufene. Die 12- bis 21-Jährigen kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Sie haben Ärger mit Eltern, Schule, Einrichtungen und Ämtern, sind ohne Ausbildung oder Job. Ihnen fehlt Halt und Orientierung.

Sozialarbeiter berichten, dass bei einigen nicht mal der polizeiliche Suchdienst eine Vermisstenanzeige hat. Keine Eltern, die sich sorgen. Nicht einmal eine Person aus dem Umfeld des Kindes oder des Jugendlichen hat eine Vermisstenmeldung aufgegeben. Keiner scheint sie zu vermissen. Die Enttäuschung ist bei den Hilfesuchenden dann oft groß. „Man vermisst mich nicht, man sucht mich nicht. Ich bin nichts wert.“

Die gesellschaftliche Verantwortung für ein gelingendes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen stand im Fokus einer Kinderschutzkampagne unter dem Motto „Kein Kind darf verloren gehen.“ Genauso ist es.

Die drei Gleichnisse vom Verlorenen sind so etwas wie ein Versprechen, dass Gott keinen aufgibt. Sondern dass er auf der Suche ist. Nach jedem und jeder von uns. Ganz nach dem Motto „Keiner und keine darf verloren gehen“. Mit diesem Auftrag sind Kirche und Diakonie unterwegs. Der biblische Ausgangspunkt des Engagements war und ist der klare Auftrag Gottes, sich den Schwachen, Schutzbedürftigen, den Kleinen und Kleingehaltenen zuzuwenden. Möglichst viel zu tun, um Menschen in ihrem Suchen wiederaufzurichten und in ihrem Finden zu unterstützen. Wiedergefundenes und verloren Geglaubtes zu würdigen und Erfolge entsprechend zu feiern.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die diesjährige Woche der Diakonie, anregende Gespräche und neue Erkenntnisse.

Ihr Gebet

 

Gebet

Barmherziger Gott,
du suchst alle Menschen,
die sich von dir abgewendet haben.
Du suchst auch uns.
Gib, dass wir deinen Ruf hören und gerettet werden
durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn.
Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 355.
























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