Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott hilft uns und fordert uns

Römer 8,29+30  Denn die Gott ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Exaudi: Römer 8,26–30.  

Bernd Lieben­dörfer ist Dekan des Kirchen­bezirks Böblingen.

Paulus hebt ganz klar hervor, dass Gott vorherbestimmt und diejenigen berufen hat, die mit Christus verherrlicht werden sollen. Viele Menschen gehen davon aus, dass alles nach Gottes Plan geschieht. Dazu passt der Gedanke, dass Gott alles vorherbestimmt hat.

Doch dieser Gedanke ist auch sehr schwierig. Wenn alles vorherbestimmt ist, dann läuft das Weltgeschehen ab wie eine mechanische Uhr. Das alleine kann nicht richtig sein.

Trotzdem verweist der Gedanke der Vorherbestimmung auf einen wichtigen Aspekt. Es ist eine tiefe Erfahrung, die Menschen zu allen Zeiten immer wieder machen, dass wir nicht von alleine den richtigen Weg durchs Leben und den Weg zu Gott finden können.

Paulus selbst hat dies in extremer Weise erlebt, als Christus ihm vor Damaskus begegnet ist und sein Leben völlig verändert hat. Für das Leben des Paulus und für seinen ganzen Glauben war dies das entscheidende Ereignis. Das kam von Christus her. Was wir bei Paulus sehr gut erkennen können, gilt aber im Grunde für das Leben und den Glaubensweg jedes und jeder Einzelnen. Gott ist es zuerst, der uns anrührt, anspricht oder ein Zeichen gibt. Das gilt immer, wenn Glaube entsteht. Gott gibt den ersten Impuls. So heißt es im 1. Johannesbrief 4,19 auch: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“ Gottes Wirken ist die Grundlage für alles.

Doch das ist nur eine Seite der Wahrheit. Wenn es nur die Vorherbestimmung gäbe, dann käme es auf unsere Entscheidung und auf unser Verhalten gar nicht an. Wir hätten streng genommen auch gar keine Verantwortung. Alles läge dann an Gott. Dieser Gedanke könnte eine hervorragende Entschuldigung für alles Mögliche werden. Wir wären dann fein raus.

So einseitig sieht es aber die Bibel nicht. Sonst würde Jesus nicht im ersten Kapitel des Markusevangeliums schon zur Umkehr aufrufen und sagen: „Tut Buße und glaubt an das Evangelium.“ Wenn Jesus das fordert, kann nicht alles vorherbestimmt sein. Es muss eine Wahlmöglichkeit auf Seiten des Menschen geben.

Das gilt genauso, wenn er in Kapitel 8 desselben Evangeliums sagt: „Wer mir nachfolgen will…“ Auch hier wird eine Wahlmöglichkeit vorausgesetzt. Und nur wenn es solch eine Wahlmöglichkeit gibt, machen die Gebote überhaupt einen Sinn.

Doch gerade wenn wir den Worten Jesu gehorchen wollen, taucht die Frage wieder auf, wie wir das überhaupt schaffen können. Liegt das nur an uns? Müssen wir nur wollen oder woher bekommen wir die Kraft? Mit diesen Fragen kommen wir wieder auf die andere Seite und damit zurück zu Paulus und zum Predigttext. Paulus schreibt dort auch, dass der Geist unserer Schwachheit aufhilft (Vers 26). Das ist wieder der Hinweis, dass es auf Gottes Wirken ankommt. Er selbst muss uns auf den Weg bringen, uns begleiten und uns auf dem ganzen Weg stärken. Dabei hilft freilich die tiefste Erfahrung des Paulus, dass uns der Heilige Geist selbst beim Beten hilft.

In der Summe müssen wir sicherlich beide Seiten zusammensehen. Gott selbst ist am Werk und das ist auch notwendig so. Er selbst verhilft uns auf den Weg des Glaubens und damit auf den Weg des Heils und zur ewigen Seligkeit. Aber wir sind auch gefordert, etwa in dem Sinne, dass wir Gott suchen und bemüht sind, sein Evangelium zu verstehen, und tun, was wir davon verstanden haben. Bei all dem wird es auch darauf ankommen, dass wir Gott immer wieder um seine Unterstützung bitten. Und damit sind wir genau beim Namen des Sonntag Exaudi. Dieser Ruf ist die Bitte „Herr, erhöre uns“. Was von uns gefragt ist, ist die Haltung des Mannes aus Markus 9, der Jesus bittet: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“¦

 

Ihr Gebet

Gebet

Ach bleib mit deiner Gnade
bei uns, Herr Jesu Christ,
dass uns hinfort nicht schade
des bösen Feindes List.

Ach bleib mit deiner Treue
bei uns, mein Herr und Gott;
Beständigkeit verleihe,
hilf uns aus aller Not.

Josua Stegmann. In: Evangelisches Gesangbuch, Nummer 347,1+6.

Evangelisches Gemeindeblatt

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