Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott macht sich auf den Weg

Offenbarung 3,1–6 Dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot. Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott. So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße! Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb und du wirst nicht wissen zu welcher Stunde. Aber du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind‘s wert. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Impuls zum Predigttext für den 3. Advent: Offenbarung 3,1-6.  Von Eberhard Feucht

Eberhard Feucht ist Dekan im Kirchenbezirk Herrenberg.

Die Mails, die im Frust oder in der Wut auf die Tastatur des Computers gehackt werden, sind zu einer Untugend geworden! Nur noch auf „Senden“ drücken und die Mail ist beim Empfänger. Und das Unglück nimmt seinen Lauf. Eine Brand-Mail, die geschrieben wurde, holt keiner mehr zurück. Und hat schon manche verbrannte Erde hinterlassen.

Der Brief aus der Offenbarung liest sich auf den ersten Blick wie ein „Brandbrief“. Fänden wir ihn unter der Weihnachtspost: Vermutlich wäre das Weihnachtsfest vermiest. Das ist starker Tobak. Eine ganze Gemeinde ist Empfängerin dieser Zeilen. Genauer die kleinasiatische Gemeinde in Sardes, die durch den sagenumwobenen König Krösus bekannt wurde. Sein Reichtum ist längst Geschichte geworden. Aber auch der Reichtum des gemeindlichen Lebens scheint dahin. Deshalb erhält sie einen speziellen Brief, der auf die sardesische Gemeindesituation hinweist: „Ich kenne deine Werke. Du hast den Namen, dass du lebst, aber du bist tot.“ Das sitzt!

Wie muss sich eine Gemeinde fühlen, die nun neben dem äußeren Druck, den der römische Staat auf die junge Christenheit ausübt, auch noch mit interner Gemeindekritik konfrontiert wird? „Euer Engagement ist bekannt. Euch fällt immer was Neues ein. Vorbildlich sind eure Aktionen.“ Aktiv – und trotzdem tot?

Oder hat der Briefschreiber eine Selbstgerechtigkeit vor Augen, die nur um das eigene geistliche Weiterkommen bemüht ist? Aus dem ehrlichen Bemühen ein aufrichtiges Leben in der Nachfolge einzuschlagen, ist vielleicht eine geistliche Hochnäsigkeit geworden. Das eigene geistliche Leben wird wie ein Maßband an andere angelegt. Fromm – und trotzdem tot?

So, als rüttle einer eine Schlafende: „Wach auf – Nimm wahr, was bei dir geschieht!“, klingen die Worte. Wach sein heißt: Den Mut zu haben, die Situation wirklich anzusehen. Die Wahrheit kann schmerzen, aber viel schmerzhafter wird es, wenn vor der Wirklichkeit die Augen verschlossen werden.

„Werde wach und stärke das andere, das sterben will“. In unserer Nachbarschaft scheint sich etwas zu ereignen, was uns aus dem Blick geraten ist. Wach auf, öffne die Augen und schau genau hin. Da stirbt etwas ab, und keiner merkt es. Sind es die Menschen, die einen geistlichen Hunger verspüren? Suchende, die mit dem christlichen Glauben bei weitem nicht abgeschlossen haben, aber oft Christen erleben, denen es die Sprache verschlagen hat? Oder sind es die Mutter oder der Vater, die als Alleinerziehende Unterstützung brauchen, weil das familiäre Netz vor Ort nicht gespannt werden kann? Sind es die Fremden, die in unserem Land und auch in unseren Gemeinden, eine Heimat suchen?

Der Inhalt des Schreibens an die Gemeinde in Sardes ist nicht leicht verdaulich. Aber letztendlich ist kein „Brandbrief“ daraus geworden, weil die Gemeinde nicht allein gelassen wird. „Du hast etwas empfangen“, schreibt Johannes. Dies hören wir in der Zeit des Advents. Was für ein Trost, dass Gott selbst sich in seinem Sohn auf den Weg macht und damit jeden Einzelnen von uns mit Lebensmut stärken will: „Er kommt, er kommt mit Willen, / ist voller Lieb und Lust, / all Angst und Not zu stillen, / die ihm an euch bewusst“ (Evangelisches Gesangbuch 11,7).

Gebet
Ewiger Gott,
Öffne unsere Ohren für dein Wort,
damit dies kostbare Gut
in uns neu Wurzeln schlägt
und wächst.

Öffne unsere Augen für die Wunder der Welt,
damit dein Glanz
auch uns berührt.

Öffne unser Herz für deine Liebe,
damit wir in dir bleiben
und du in uns.

Amen.

Aus: Gerhard Engelsberger, Gebet für den Gottesdienst, S. 157.

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017