Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott macht uns Türen auf

Apostelgeschichte 16,14–15 Eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, so dass sie darauf Acht hatte, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber mit ihrem Hause getauft war, bat sie uns und sprach: Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie nötigte uns.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Sexagesimä: Apostelgeschichte 16,9–15.  Von Andreas Streich

Pfarrer Andreas StreichAndreas Streich ist Pfarrer in Plattenhardt im Kirchenbezirk Bernhausen.

Lange haben Paulus und Silas gesucht und gefragt, wo Gott sie als Missionare haben will. Gott hat ihnen Türen verschlossen, durch die sie eigentlich gerne gehen wollten. Schließlich bekamen sie Klarheit in einer nächtlichen Vision: „Komm herüber und hilf uns“ war die Botschaft, die sie aus Mazedonien, jenseits des Meeres vernahmen. Eine offene Tür für die Mission in Europa. Dort sollen sie nun das Evangelium von Jesus Christus verkündigen.

Erste Orientierung in Philippi, dieser riesigen Hafenstadt: Wo sollen wir das Evangelium verkündigen: Wie wär’s mit einer Bibelwoche in der Synagoge? Jüdische Männer für Jesus gewinnen – das wär’ doch was! Doch wieder erleben sie eine verschlossene Tür. Drunten am Fluss, dort wo ein paar Frauen sitzen, eine Handvoll Leute, dort ist ihr Platz. Doch da wirkt Gott. Da hat Gott eine Tür geöffnet.

Die Missionsarbeit auf unserem Kontinent fing nicht mit einem großen Paukenschlag an, sondern in einer kleinen Bibelstunde am Fluss. Dahinter steckt eine tiefe geistliche Erkenntnis: Bei unserem Gott kommt es nicht auf die großen Zahlen an – sondern auf jeden Einzelnen. Und das gilt auch für unsere Arbeit in den Gemeinden. Gott fängt klein an und macht Großes daraus. Auch aus unserem kleinen Leben.

Die Erzählung macht uns mit der Purpurhändlerin Lydia bekannt. Auffallend ist, was von ihr berichtet wird.Nicht: „Die war ergriffen von der Rhetorik des Paulus.“ Nicht: „Die war begeistert von der Ausstrahlung dieser Männer.“ Nicht: „Die war interessiert an dem Neuen, das sie mitbrachten.“ Sondern: „Der tat der Herr das Herz auf!“ So geschieht Evangelisation. So kommt ein Mensch zum Glauben. Indem der Herr einem Menschen das Herz aufschließt. Das kann kein Prediger machen – das kann kein Zuhörer machen. Das muss der Herr selber machen. Martin Luther erklärte die Sache mit dem Zum-Glauben-Kommen so: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durchs Evangelium berufen.“

Das Herz – das ist in der Bibel das Personzentrum: dort, wo der Wille und das Gewissen zuhause sind, dort wo wir unsere Entschlüsse fassen und Entscheidungen fallen. Kurz: der Kern unserer Person. Da hinein geht die Tür auf. Da hinein will Jesus – dort will er wohnen. Von dort will er in unserem Leben seine gute Herrschaft aufbauen.

Wo durch Gottes Wort und Wirken bei einem Menschen das Herz aufgeht, da wird tief greifende Veränderung möglich. Gustav Werner sagte: „Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert.“ Wo Gott das Herz öffnet, da will die Tat folgen.

Dem offenen Herzen folgt bei Lydia ein offenes Haus. Eigentlich war sie ja vielbeschäftigt als in der Modebranche tätige erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie kannte die römische Vorliebe für Purpurstoffe, die sie in einem breit gefächerten Sortiment anbot. Der Terminkalender war randvoll. Aber jetzt geht bei ihr nicht nur das Herz, sondern auch ihre Tür weit auf. Jetzt sind es Paulus und seine Mitarbeiter, die sie ins Haus holt. Das ist Gastfreundschaft.

Dieses offene Haus wird zu einer festen Einrichtung in Philippi. Aus dieser spontanen Gastfreundschaft wurde bei Lydia eine bleibende geistliche Verantwortung: Aus diesem kleinen Anfang wurde eine Hausgemeinde in Philippi. Regelmäßig kamen die Christen bei ihr zusammen. Und für Lydia hieß das: Ich will voller Liebe für die sorgen, die Gott uns schenkt.

Gott kann und will auch in unserem Alltag, in den vielen Selbstverständlichkeiten Türen aufmachen. Gastfreundschaft spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wo er uns das Herz öffnet, da kann es gelingen – da wird auch unser Alltag etwas ausstrahlen von Gottes offenen Türen für andere.


Gebet

Herr, unser Gott,
wecke uns auf durch dein Wort:
damit wir dein heilendes Wirken spüren
und die Gaben deiner Liebe mit wachen
Sinnen empfangen.
Durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt
und Leben schafft in Ewigkeit.

Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 289.

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