Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott richtet Elia wieder auf

1. Könige 19,1–8 (in Auszügen) Und Ahab sagte Isebel, wie Elia alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast! Da fürchtete er sich und lief um sein Leben. Er ging in die Wüste und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter. Und er schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Okuli : 1. Könige 19,1–8.

Christoph Rau ist Pfarrer an der Martinskirche in Kornwestheim.

Der große, starke, unerschrockene Elia sitzt ganz klein unter einem Ginsterstrauch. Er, der tags zuvor auf dem Karmel groß aufgetrumpft und die Größe Jahwes augenfällig demonstriert hatte, sehnt sich nur noch nach einem, nach dem Tod. Er kann, er will nicht mehr. Er ist ausgepowert, enttäuscht. Ein totaler Zusammenbruch.

Man fragt sich, warum das so kommen musste. War es die Enttäuschung, dass er durch das Gottesurteil am Karmel zwar König Ahab überzeugen konnte, aber nicht dessen Ehefrau Isebel, die nach diesem Ereignis und dem Verlust von 450 ihrer Baalspriestern erst recht voller Hass und Vergeltungsdrang ist? War es die Enttäuschung, dass nicht einmal solch eine Machtdemonstration das Volk eindeutig auf die Seite Jahwes brachte und er sich trotz allem nicht sicher sein konnte, dass das Volk ihn beschützt? Oder war es das schlechte Gewissen, übers Ziel hinausgeschossen zu sein? Es genügte ihm nicht, dass Gott seine Macht eindrücklich demonstriert und den Holzstoß auf dem Altar entzündet hatte. Er wollte gleich ganz aufräumen mit der Abgötterei. 450 Baalspriester, so heißt es, „führte er hinab an den Bach Kison und tötete sie daselbst“.

„Ich bin auch nicht besser als meine Väter“ – mit solch resignativen Gedanken schläft Elia ein, um nie wieder aufzuwachen. Das lässt tief blicken. Besser sein als die anderen. Das ist zunächst ein lobenswerter Anspruch. Das motiviert Menschen, die Fehler ihrer Eltern nicht zu wiederholen und nicht so jähzornig zu sein wie der Vater. Das inspiriert Ingenieure, spritsparende Autos zu konstruieren. Das fordert Gemeinden heraus, Menschen am Rande nicht zu vergessen und Minderheiten nicht zu diskriminieren.

Besser zu sein als die anderen, das kann aber auch zu einem Anspruch werden, der einen überfordert oder zu Mitteln greifen lässt, die nicht in Ordnung sind. Menschen können so zu Eiferern, Fanatikern werden, die das Maß verlieren und nur noch wild um sich schlagen. Sie wollen alles aus dem Weg räumen, was ihrer Vorstellung von besser widerspricht. Bei Elia war es der Wunsch, endgültig und radikal Schluss zu machen mit dem Abfall vom einen Gott Israels und das Volk eindeutig und endgültig auf diesen Gott zu verpflichten.

Mit solch einem Anspruch kann man nur scheitern. Dass es mit Elia nicht zu Ende ist, liegt an Gott. Er gibt den Lebensmüden nicht auf. Er geht ihm in die Wüste nach und spricht ihn an, stärkt ihn, richtet ihn auf, macht ihn fähig, den weiten Weg zum Sinai zu gehen, 40 Tage und Nächte lang.

Dort zeigt er sich Elia von einer ganz anderen Seite. Nicht als der drohende, niederschmetternde Gott eines Orkans oder eines Erdbebens. Er erscheint ihm in einem sanften Säuseln. Elia lernt: Gott will keinen fanatischen Eifer von mir. Er presst mir keine religiösen Höchstleistungen ab. Er will keine Endlösungen in Sachen Glaube und Religion. Ich muss nicht besser sein als die anderen, um weiterhin Gottes Diener zu sein. Es genügt, wenn ich meine guten, aber begrenzten Fähigkeiten lebe. Das Vollbringen liegt aber nicht an mir. Das ist Sache Gottes.

So wird aus dem Eiferer und Fanatiker Elia ein Mann, der sich und sein Volk nicht überfordern muss, einer, der gelassen warten kann, bis Gott ihn wieder gebrauchen möchte für seine Sache. Elia macht mir Mut, meinen Glauben zu leben und zu bezeugen, ohne dabei besserwisserisch oder gar fanatisch zu werden.

 

Ihr Gebet

Gebet

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Amen.

Nach: Evangelisches Gesangbuch, Nummer 416.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Reminiszere von Rainer Köpf.

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