Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott ruft zur Umkehr auf

Jeremia 8,4–7 Sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme? Warum will denn dies Volk zu Jerusalem irregehen für und für? Sie halten so fest am falschen Gottesdienst, dass sie nicht umkehren wollen. Ich sehe und höre, dass sie nicht die Wahrheit reden. Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid wäre und der spräche: Was hab ich doch getan! Sie laufen alle ihren Lauf wie ein Hengst, der in der Schlacht dahinstürmt. Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen.

Impuls zum Predigttext für den Vorletzten Sonntag des Kirchenjahres: Jeremia 8,4-7.

Albrecht Knoch ist Codekan im Kirchenbezirk Balingen und Pfarrer in Sigmaringen. Er gehört der deutsch-französischen Fachgruppe der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen an. (Foto: Barbara Waldvogel)

Wenn die Mauersegler wieder um den Kirchturm fliegen, weiß ich, dass der Sommer da ist. Wenn die Störche im Formationsflug über Israel nach Afrika hinweg ziehen, wissen dort alle, die Welt ist in ihrer Ordnung.

Unberechenbar werden Leben und Welt, wenn Krieg und Gewalt die Oberhand gewinnen. Nur in eine Richtung rasen Kampfhengste oder auch Menschen, die sich den Gesetzen von Macht und Sieg unterordnen.
Gottes Gebot des Friedens ist anders. Sein Einspruch ruft zur Umkehr auf. Dass die Menschen Gott dienen und nicht allein ihren eigenen sich verselbständigenden Interessen; dass es möglich wird, Fehler zu erkennen, zu benennen und neue Wege zum Miteinander zu suchen. Gottes Einspruch will uns umkehren machen, will auch dem mit mir durchgehenden Gaul in den Lauf fallen, damit ich bereit werde, inne- und anzuhalten, bevor ich weitreichende Entscheidungen und endgültige Urteile fälle.

Im nächsten Jahr werden wir an den Beginn des Ersten Weltkriegs erinnert und an seine Folgen für das ganze 20. Jahrhundert. Die Ereignisse von Juli 1914 sind ein Beispiel dafür, wie die Mechanismen von Drohung und Gegendrohung die Akteure aus ihrer Sicht zur Kriegserklärung zwangen.

Am Volkstrauertag werden wir aber auch an die in Afghanistan getöteten Soldaten denken. Sie wurden vom deutschen Parlament beauftragt, dort Verhältnisse zu erreichen, die Frieden ermöglichen und sind dann auch Teil von Kriegshandlungen geworden. So wichtig eine bewaffnete Friedensmission sein kann, so wenig können wir sicher sein, dass mit Waffen dauerhaft Frieden geschaffen werden kann. Wir sollten in unsere „Volks-Trauer“ alle Toten der anderen Seiten einbeziehen, besonders die zivilen Opfer.

Christus hat Gottes Zwischenruf zum Frieden selbst gelebt und dafür sein Leben eingesetzt, es „für seine Freunde gegeben“, zu denen er uns über alle menschlichen Grenzen hinweg machen will (Johannes 14,12–14). Sein Weg bringt das Gebot Gottes zum Ziel, das von Vergebung und Frieden, von Liebe für Feinde und Freunde spricht.

Wie Gottes Einspruch wirksam werden kann, hat 1923 hat der französische Offizier Etienne Bach während der Besetzung des Ruhrgebiets erfahren, als er mit seinem deutschen Gegenspieler am Karfreitag das Abendmahl empfing. Diese Erfahrung grenzüberschreitender Gemeinschaft hat Bach auf neue Wege geführt, ohne Waffen und ohne Uniform quer durch Europa, um Menschen für den Frieden zu gewinnen.

Heute tun Pfarrerinnen und Pfarrer unserer Kirche Dienst in der Region Montbéliard in Frankreich. Seit 20 Jahren wird vom Kirchenbezirk Balingen aus eine Partnerschaft mit der orthodoxen und der evangelischen Kirche in Ostpolen gelebt; und vor Kurzem hat die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen erstmals die Geschichte deutscher und französischer Christen in einem Buch herausgebracht. Wer die Vergangenheit mit den Augen des anderen betrachten lernt, kann das Gemeinsame entdecken.

Der Flug der Zugvögel erinnert uns an Gottes gute Gebote und an seinen Zwischenruf zum Frieden, der je und je die alten Mechanismen durchbricht und unerwartete Wege öffnet. Gottes Geist öffnet uns den Blick für das Vergangene und weitet ihn zugleich in seine Zukunft.


Gebet
Heiliger Geist,
gib uns, dass wir dorthin Frieden bringen
wo das Gegeneinander herrscht
und gib uns, dass damit durch unser Leben
ein Widerschein der Barmherzigkeit Gottes
erkennbar werde.
Ja, schenke uns, dass wir lieben
und es durch unser Leben ausdrücken.

Amen.

Frère Roger. In: Prier dans le silence du cœur. Cent prières. Taizé 2005, S. 11.

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