Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gott und mein Nächster

1. Johannes 4,7–12 Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.

Gott und mein Nächster

Impuls für den 13. Sonntag nach Trinitatis: 1. Johannes 4,7–12(13–16).  Von Richard Mössinger

Der promovierte Theologe Richard Mössinger ist Pfarrer an der Friedens­gemeinde in Heilbronn.

„Ich glaube nur, was ich sehen kann“, wie oft haben wir den Satz schon gehört und sahen dabei die überlegene Miene unseres Gesprächspartners auf uns herabblicken: „Wie kann man nur glauben, was man nicht sieht?“ Korrigiert wird solche Selbstsicherheit durch die spöttische Beobachtung Lothar Zenettis: „Einen ganzen Tag lang im Sommer warteten fünfzig Urlauber eines Busses aus Flensburg am Großglockner, um diesen zu sehen. Sie sahen indessen nur Nebel und Wolken und graues Geröll und ein wenig Schnee. So sehr sie auch schauten mit Augen und Gläsern, es war nichts zu sehen. Jedoch zu zweifeln an diesem Berg, an seinem realen Vorhandensein, sah keiner sich abends genötigt, als sie den Bus bestiegen. Selbst Herr Koch, der sonst nur glaubt, was er sieht (mit eigenen Augen), sonst nichts, hatte fünf Ansichtskarten des Großglockners in Farbe gekauft und schrieb hinten darauf von unvergesslichen Eindrücken. Und selber hatte er gar nichts gesehen, außer Nebel ...“

Was nicht sichtbar ist, erscheint als unglaubwürdig. So hält man sich an das Sichtbare, auch ein dichter Nebel ändert daran nichts. Der unsichtbare Gott ist für viele „Realisten“ nicht glaubwürdig. Sie halten sich an das, was sie sehen können. Für den unsichtbaren Gott haben sie bestenfalls ein herablassendes Lächeln übrig.

Überraschend verweist der erste Johannesbrief die „Realisten“, in der Gottesfrage an das, was man sehen kann. Der Mitmensch steht im Mittelpunkt des christlichen Glaubens. Wo Gott sich den Menschen in Jesus geschwisterlich zeigt, ist das Verhalten zum Nächsten für die Gottesbeziehung entscheidend. Im Anderen treffen wir auf Gott, auch im unbequemen Anderen. Der Mensch, den Gott neben uns stellt, erscheint als Prüfstein des christlichen Glaubens. Der Realismus des Christentums zeigt sich im Nächsten. Deshalb sagt Johannes: „Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht.“

Die Sätze von der Liebe wollen nicht mit einer rosaroten Brille gelesen werden. Sie gehen über Liebesgefühle hinaus und handeln von der Gestaltung unseres Zusammenlebens.

Von Anfang an ist die menschliche Beziehung gestört. Seit Adam und Eva hören wir von menschlichen Spannungen. Seit Kain und Abel wissen wir, dass auch unter Brüdern ein Totschlag möglich ist. Die Bruderliebe  versteht sich nicht von selbst. Das gute Verhältnis zum Nächsten ist eine große Herausforderung. Offene Augen, ein einfühlsames Herz und die Bereitschaft, sich zu überwinden, sind nötig. Davor scheuen wir leicht  zurück und gehen dem Nächsten aus dem Weg. Dieser Weg führt in die Einsamkeit und in die Leere. Wenn die Nächsten fehlen, bin ich verlassen. Das entdeckt die Bequemlichkeit erst spät.

Gott begegnet uns im Nächsten. Er möchte, dass wir nicht verlassen sind und eine erfüllende Aufgabe haben. Von der sagte Meister Eckart einmal: „Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht, und das notwendigste Werk ist immer die Liebe.“

In den sichtbaren Menschen begegnet uns der unsichtbare Gott. Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt. Das Sichtbare ist ein Transparent für Gott. Wer Gott im Nächsten liebt, findet Gemeinschaft und Weite zugleich.

Gebet

Trotz Gestank und Alkohol will ich dein Bild erkennen unlöschbar eingemeißelt im Gesicht dieses Menschen und dich anbeten.

Trotz Schmutz und Dreck will ich deine Hand sehen demütig ausgestreckt in der Gebärde dieses Menschen und sie ergreifen.

Trotz Blut und Eiter will ich dein Kreuz betrachten unübersehbar gegenwärtig in der Gestalt dieses Menschen und mich beugen.

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

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