Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottes ehrliches Versprechen

Römer 6,3–5: Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.


Impuls zum Predigttext für den 6. Sonntag nach Trinitatis: Römer 6,3–11.  Von Sandra Baier




Sandra Baier ist Pfarrerin in Nellingen/Alb im Kirchenbezirk Blaubeuren.


Ich erinnere mich an ein Taufgespräch, das ich einmal mit einem Sechsjährigen geführt habe. Seine Mutter hatte mir erzählt, dass er selbst den Wunsch geäußert hatte, sich taufen zu lassen. Ich war beeindruckt davon, wie sehr sich die Familie mit dem Kind bereits auf die Taufe vorbereitet hatte. „Kannst du mir denn sagen, was bei der Taufe passiert?“, habe ich das Kind gefragt. Doch statt mir etwas vom Wasser zu erzählen, wie ich das vielleicht erwartet hätte, sagte der Junge: „Wenn man getauft ist, gehört man zu Jesus.“

So deutlich können Erwachsene oft nicht formulieren, was bei der Taufe passiert. Dieser Junge wollte gerne zu Jesus gehören, zu dem Jesus, den er in der Kinderkirche kennen gelernt hatte.

Ein paar Tage später bekam ich einen Anruf von seiner Mutter. Sie wusste nicht, was sie nun tun sollte, denn ihr Sohn wollte sich auf einmal nicht mehr taufen lassen. Da war ich auch überrascht. Es stellte sich heraus, dass sie mit dem Kind einen Spaziergang gemacht hatte, der an Kreuzwegstationen vorbeiführte. Das Kind blieb an den Bildern stehen und verfolgte gespannt den Leidensweg Jesu bis zur Kreuzigung. Das hatte sein Bild verändert. Wenn man so etwas Schlimmes erleben würde, wenn man zu Jesus gehört, dann wollte er sich lieber nicht mehr taufen lassen.

Plötzlich war das Thema da. Das Kind hatte begriffen, dass es nicht nur leicht ist, Christ zu sein. Selbst Jesus wurde das Leid nicht erspart. Die Taufe würde es nicht vor allem Schweren im Leben beschützen. Was auch Eltern sich immer wieder neu bewusstmachen müssen, hat dieses Kind selbst erkannt.

Die Taufe ist kein umfassender Schutz vor allem Leid, aber sie enthält ein tiefes und ehrliches Versprechen. Sie verspricht, dass Gott immer bei uns ist und alle Situationen mit uns aushält bis ans Ende der Zeit. Damit erhält die Taufe ihren Sinn gerade auch in dem Leiden Jesu. Denn nur, weil er tatsächlich Mensch wurde, gelebt und gelitten hat wie wir und selbst den Tod auf sich genommen hat, kann er uns tatsächlich so nahe sein. Weil er durch seine Auferstehung den Tod besiegt hat, beginnt auch für uns ein neues Leben mit ihm und die Taufe nimmt uns mit hinein in dieses neue Leben bei Gott.

Wer schon einmal erlebt hat, wie ein Mensch bei seiner Taufe tatsächlich untergetaucht wurde – wie es zur Zeit Jesu üblich war und heute zum Beispiel in der Ostkirche noch praktiziert wird –, der hat vermutlich gespürt, was damit gemeint ist: „Wir sind in den Tod und die Auferstehung Jesu getauft.“ Der ganze Mensch wird dabei unter Wasser gedrückt. Symbolisch gesehen stirbt der alte Mensch in diesem Moment. Alles, was er mit sich trägt, alle Schuld und Last, wird von dem bewegten Wasser begraben. Für einen kurzen Moment ist er weg. Dann plötzlich schnellt er wieder hervor. Der neue, getaufte Mensch kommt zum Vorschein, befreit und lebendig. „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17)

Ich glaube, dass wir dieses neue Leben, das wir in der Taufe geschenkt bekommen, auch schon jetzt, mitten in unserem Leben, erfahren können. Vielleicht in der Hoffnung, die uns auch durch schwere Zeiten träg, vielleicht in der Freiheit, unser von Gott geschenktes Leben zu gestalten, vielleicht in der Gemeinschaft mit anderen Christen, die uns immer wieder zeigt, dass wir nicht alleine auf un-serem Weg sind.

Der Junge, von dem ich eingangs erzählt habe, hat sich übrigens doch noch taufen lassen, denn die Geschichte Jesu war ja einfach noch nicht zu Ende erzählt. Für ihn gab es ein Happy End, denn Jesus ist sogar stärker als der Tod. Zu diesem Jesus wollte er dann doch gerne gehören.

 


Ihr Gebet

Gebet

Lieber himmlischer Vater,
du hast uns durch die Taufe
neu geboren zu Kindern des Lichts.
Erhalte uns im Glanz deiner Wahrheit
und verdränge alles Dunkel.
Das bitten wir durch Jesus Christus,
deinen lieben Sohn, unseren Herrn.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 361.



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