Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottes Gegenwart spüren

Apostelgeschichte 17,22–28 (in Auszügen) Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen. Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: „Dem unbekannten Gott“. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Fürwahr, er ist nicht fern von einem jeden unter uns.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Jubilate: Apostelgeschichte 17,22–28.

Matthias Treiber ist Pfarrer an der Matthäus­gemeinde in Heilbronn-Sontheim.

Es gibt vermutlich nur eine Fernsehserie im deutschen TV, in der eine Familie im Mittelpunkt steht, die einfach so zusammen mit ihren drei Kindern sonntags in die Kirche geht. Es sind die „Simpsons“, eine amerikanische Zeichentrickserie mit gelben Figuren.

Bei deutschen Fernsehproduktionen vermisse ich diese Selbstverständlichkeit von Religion schmerzhaft. Wenn, dann besuchen dort höchstens patente Nonnen und urige Bergdoktoren die Kirche, oder es tun sich Abgründe von Bigotterie bei Kirchgängern auf. Aber ansonsten bleibt Gott in der Öffentlichkeit unbekannt. Man bestreitet zwar nicht, dass es ihn gibt; man betet im Stillen zu ihm; aber alles in allem ist es nur eine Minderheit in Deutschland, die offen und selbstverständlich religiös lebt.

Was würde Paulus dazu sagen? Wenn er durch die Städte geht, in den Citykirchen die Gebetswände betrachtet und sieht, wie vor den Vesperkirchen Menschen auf Einlass warten?

Ich denke, er könnte das Gleiche sagen wie damals auf dem Areopag-Felsen mitten in Athen. Er könnte sagen: „Ich bin durch die Stadt gegangen, habe die Kirchen gesehen und mit Menschen gesprochen, die dort Gott suchen, in der Stille, in der Musik, in den Worten des Glaubens. Unsicher sind sie, denn wer redet hier auf der Straße schon von Gott? Ich weiß nicht, ob es ihn gibt, sagen viele.“

Und Paulus würde anheben: „Ich sage euch, was ihr unwissend verehrt. Ihr verehrt Gott, der Himmel und Erde gemacht hat. Seid nicht so ängstlich, euch zu diesem Glauben zu bekennen! Keiner erwartet von euch theologische Erklärungen. Niemand bestreitet euren Zweifel. Und seid nicht so kleingläubig, Gott in der Kirche einzusperren. Er ist in Jesus zu euch gekommen. Christus lebt im Alltag. Er ist mit uns auf dem Weg zur Arbeit und bei der Klassenarbeit in der Schule, er hält uns die Hand beim Arztbesuch und lässt mit uns die Sektkorken knallen, wenn wir Geburtstag haben. Gott ist einfach überall da. Und er ist jedem nahe.“

Und im „Tatort“ kommt die Kommissarin dann gerade vom sonntäglichen Gottesdienstbesuch mit ihrem Mann und den Kindern nach Hause, als sie der Anruf vom Gerichtsmediziner erreicht.… Das ist jetzt eine Ironie, denn so alltäglich wird Religion in deutschen Fernsehfilmen wohl nie werden. Aber wünschen würde ich mir schon, dass Glaube auch dort zu der normalen Grundbefindlichkeit der Figuren gehört.

Glaube ist nicht etwas, das nur bestimmte Menschen, im Fernsehen meist Priester und Nonnen, „richtig“ haben und die anderen nur so ein bisschen. Glauben kann jeder. Es ist der „Geschmack für das Unendliche“, wie es der Theologe Friedrich Schleiermacher genannt hat. Als das „Ergriffensein von dem, was uns unbedingt angeht“, hat es Paul Tillich bezeichnet.

Paulus ermuntert seine Zuhörer und uns, den eigenen Glauben nicht gering zu achten. Glaube muss nicht vollkommen sein und alles wissen. Anfangs ist er vielleicht nur eine Suche, ein Gefühl, dass es hinter allem einen Sinn geben muss und einen, der für uns hinter diesem Sinn steckt: Gott.

Manchmal wird der Zweifel überwiegen. Aber manchmal spüren wir, dass es Gott gibt. Dass wir gehalten sind, wenn wir im Leben unsicher werden. Dass wir erfüllt sind, wenn Liebe uns begegnet. Dass wir gerettet worden sind, damals aus jener Gefahr. Dass wir gewollt sind und gewünscht und geschaffen. Und dann sehen wir in Jesus, wie Gott gegenwärtig sein kann.

Zunächst aber hören wir von Paulus nur, dass Gott sich finden lässt, auf den Straßen und in unseren Gefühlen, in der Kirche und in der Liebe – und manchmal vielleicht sogar in Fernsehsendungen.¦


 

Ihr Gebet

Gebet

Gott ist gegenwärtig.
Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitte.
Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge.
Wer ihn kennt, wer ihn nennt,
schlag die Augen nieder;
kommt, ergebt euch wieder.
Amen.

Gerhard Tersteegen. Evangelisches Gesangbuch, Nummer 165,1.

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