Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottes Geist wohnt in uns

Römer 8,10+11 Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen. Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Impuls zum Predigttext für Pfingsten: Römer 8,1–11.  

Frank Otfried July ist Landes­bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Gott lässt seinen Geist in uns wohnen. So wird das „Geistfest“ Pfingsten zu einer durchaus persönlichen Angelegenheit.

Wir sagen ja gerne: Pfingsten ist das Geburtstagsfest der Kirche – und sehen es dadurch als ein Fest einer Gemeinschaft an. Aber schon im Religionsunterricht durfte ich Bilder malen, bei denen über jedem einzelnen Kopf der versammelten Gemeinde eine Feuerzunge schwebte. Jeder einzelne Mensch hatte mit dem Geistfest zu tun. Und hat es bis heute.

Ostern geht im Geiste Gottes weiter. Das Wunder der Auferweckung bleibt keine exotische Einzelveranstaltung, um die sich die erste Gemeinde sammelt. Der Geist Gottes kommt in die Welt und ist in der Welt und bleibt in der Welt. Er kommt zu dir und mir und bereitet uns auf das „Fest ohne Ende“ vor.

Gott lässt seinen Geist in uns wohnen. Er möchte, dass wir „geistvolle“ Menschen sind oder werden. Das hören wir gerne. Denn wer möchte schon „geistlos“ sein. Nichts trifft mehr, als wenn bei einer Diskussion gesagt wird: Das ist aber ein geistloses Argument. Schnell wird klar: Da fehlt das Entscheidende, das Treibende, das Gestaltende! Bei Paulus geht es aber nicht um einen Bildungskanon „geistreicher“ Argumente. Es geht um den treibenden, die Wirklichkeit der Welt verändernden Geist Gottes, dem wir Einkehr geben sollen.

Das „Geistfest“ bleibt nicht in sich und für sich. So wie wir viele sind, so will Gott seinen Geist in der Vielfalt dieser Welt geschehen und zugleich Einheit bauen lassen.

Gott ehrt uns, indem er Wohnung bei uns nimmt. Bei uns! Den oftmals Zerbrochenen und Verzagten, den Gleichgültigen und Missgelaunten, den Besserwissern und Ausgrenzern, den Bewahrern und Erneuerungsfreundlichen. Er nimmt Wohnung bei uns und lässt die vielen „Fluchtargumente“ unserer Tage nicht gelten.

Gott lässt seinen Geist in uns wohnen. Wie wir uns auch drehen oder wenden. Den Christen, uns, gilt die Zumutung der Geistesgegenwart. Uns gilt die Zumutung, Pfingsten „geisterfüllt“ zu feiern und das neue Verstehen einzuüben. So sehen wir plötzlich mit offenem Herzen, klarem Blick und Verstand die Situation der Menschen, die auf der Flucht sind.

Wir sehen die Bilder des Todes und der Unterdrückung in Nigeria, im Sudan, in Zentralafrika, in Syrien, Nordkorea und vielen weiteren Ländern.

Der Geist Gottes schenkt an Pfingsten bis zum heutigen Tag Sehens- und Verständigungshilfe. Gott ist sein eigener Dolmetscher. Er spricht mit uns die Sätze des Lebens und des Todes durch und lässt unter uns Zeichen der Auferstehung und des neuen Lebens aufblühen.

Ohne Pfingsten geht gar nichts. Gott lässt seinen Geist in uns wohnen.

Glaube, Leben, Denken, Tun, Hoffen, Beten gehören zusammen. Wir bleiben nicht stehen und gehen weiter, Schritt für Schritt, verschämt und manchmal nicht mutig genug, oft viele Umwege ersinnend, weil der Geist zu anspruchsvoll erscheint.

Aber dann spricht er uns an. Wieder und wieder. Entziehungsversuche haben wenig Sinn, denn wenn er uns entzogen ist, was bleibt dann noch eigentlich?

So kann eine Kirche, so kann jeder und jede, immer wieder nur um die Gegenwart des Geistes bitten. Er ist der Lebensspender, der Anfänger, der Vollender. Er schenkt uns den scharfen Blick und zugleich die Wirklichkeit der Auferstehung. Er mutet zu und gibt Mut. Pfingsten ist deshalb nicht ein „liebliches Fest“ (Johann Wolfgang von Goethe), sondern eine Geistschule des Glaubens.

Deshalb feiern wir Pfingsten. So wie wir es verstehen. Weil Gott es versteht. Für uns und mit uns. Er, der Lebensspender.

 

Ihr Gebet

Gebet

Du Heilger Geist, bereite
ein Pfingstfest nah und fern;
mit deiner Kraft begleite
das Zeugnis von dem Herrn.
O öffne du die Herzen
der Welt und uns den Mund,
dass wir in Freud und Schmerzen
das Heil ihr machen kund.
Amen.

Philipp Spitta. In: Evangelisches Gesangbuch, Nummer 136,7

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