Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottes Kraft beflügelt

Jesaja 40,30+31 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Quasimodogeniti: Jesaja 40,26–31. 

Regina Stierlen ist Pfarrerin in Wittendorf und Lombach im Kirchenbezirk Freudenstadt.


Müde Menschen wenden sich resigniert von Gott ab. Sie fragen, ob Gott sie verlassen oder gar verstoßen hat und merken nichts davon, wie Gott am Wirken ist in seiner Schöpfung. Aber die Müden erfahren durch behutsame Seelsorge auch: Da nimmt sich einer unsere Müdigkeit zu Herzen. Der, der aus dem Nichts neues Leben schaffen kann. Er weckt selbst in uns sein Leben. Sonst wäre der Perspektivwechsel vergeblich. Gott selbst hat sich eingelassen auf die menschliche Schwachheit, er teilt und verwandelt sie. Selbst wenn sie bleibt, sind wir darin nicht unserer Mattigkeit ausgeliefert, sondern er entfaltet seine Kraft in der Schwachheit.

Das kann zum Leitbild werden: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler!“ August Hermann Francke hat nach dem Dreißigjährigen Krieg, als eine ganze Generation in Lebens- und Glaubensmüdigkeit gefallen war, in Halle an der Saale seine Stiftungen gegründet: Über das Eingangsportal seiner Waisenhäuser und Schulen ließ er diese Inschrift einmeißeln.

Francke führte die Kinder in seiner christlichen Lebensgemeinschaft mit weltweitem ökumenischem Horizont aus der Enge in die Weite, vermittelte neue Lebensperspektiven und übte mit den Schülern das Staunen. Nicht, um „Aufsteiger“ heranzubilden, sondern Menschen, die auf Gott vertrauen.

Das Volk Israel in der babylonischen Gefangenschaft hat erfahren, wie es Gott wieder nach Hause geführt hat. Lange zog sich die Erfüllung der Verheißung hin. Die Menschen hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben. Wer müde ist, dem erscheint es unmöglich, aufzusteigen wie mit Adlersflügeln; die Diskrepanz ist zu groß.

Der Umschwung kommt allein dadurch, dass da einer verspricht: Du wirst nicht aus eigener Kraft wieder auf die Höhe kommen, sondern ich werde dich aufrichten.

Wir kommen von Ostern her: Jesus Christus ist nicht nur müde geworden auf dem Weg ans Kreuz. Er war tot – und siehe: Er lebt und geht uns voran! Durch seinen Geist wohnt seine Lebendigkeit in uns und verbindet uns mit Gott. Unsere Ausweglosigkeiten sind noch da, aber er bezieht uns in seine Auferstehung ein.

Jesu Jünger haben es erfahren an Ostern: Da ist kein nächster Schritt möglich, geschweige denn Aufsteigen und Schweben wie ein Adler mit großer Spannweite, sie haben nicht einmal Spannkraft für die nächstliegende Aufgabe. Aber Gott selbst begegnet und begleitet uns, macht uns fest bei sich, spannt seine Treue für uns aus wie ein Adlergefieder.

Die Emmausjünger, Maria Magdalena und die Fischer am See erlebten in tiefster Depression, wie Jesus Christus in dieser Verzweiflung nahe war. Er hielt mit aus, stärkte sie an Leib, Seele und Geist. Er sandte sie zurück ins Leben, in die Gemeinschaft mit ihm und seiner Gemeinde.

Wir sind berufen auf den Nachfolgeweg durch die österliche Freudenzeit, in der Müdigkeit die Nähe des Auferstandenen zu erfahren. Müdigkeit darf sein. Aber es ist lebenswichtig, Gegenkräfte von Gott aufzunehmen gegen den Eindruck, man sei von Gott verstoßen, sich selbst und der Müdigkeit überlassen.

Ostern ist der Protest gegen den Eindruck „Ich bin aus Gottes Rahmen gefallen, es ist ihm egal!“ In einer entnervenden Wartezeit, wenn alles gegen die Erfüllung der Verheißung spricht, beugt uns die Last dieser Erfahrung, wir werden teilnahmslos. Wenn wir selbst zu schwach sind, den Widerspruch zwischen Verheißung und Erfüllung vor Gott zu bringen, betet die Gemeinde stellvertretend für uns. Und indem sie harrt, kann auch die Müdigkeit zum Ort der Gotteserfahrung werden.

Gott sorgt dafür, dass wir durch Krisen hindurchgetragen werden, uns wandeln, und doch in ihm geborgen bleiben. Wie ein Adler sich mausert, weil Gott ihn so angelegt hat, dass sein Gefieder sich während einer kräftezehrenden Übergangsphase erneuert, ohne dass das Geschöpf selbst etwas dazu beitragen kann, so werden wir „wie die neu geborenen Kinder“ – so heißt auf Deutsch übersetzt der Name des Sonntags „Quasimodogeniti“ – von Gott ins österliche Leben hinein verwandelt. Seine beflügelnde Kraft ist für uns da.

 

Ihr Gebet

Gebet

Lieber Vater im Himmel, unser Schöpfer,
erbarme dich unserer Müdigkeit!
Jesus Christus, auferstandener Herr und Bruder,
begleite unsre Wege.
Heiliger Geist, unser Tröster,
nimm unsre Fragen und Klagen auf.
Du harrst in uns, gespannt und erwartungsvoll,
in dieser österlichen Freudenzeit.
Amen.

Luthers-Familienzeit

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