Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottes lebendiges Wort

Hebräer 4,12+13 Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Sexagesimä: Hebräer 4,12+13.  Von Christoph Rösel

Der promovierte Theologe Christoph Rösel ist
Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft.


„Das ging mir durch Mark und Bein!“ So beschreiben wir, wenn uns etwas erschüttert oder richtig erschrocken hat. Diese bekannte Redewendung geht auf Luthers Übersetzung von Hebräer 4,12 zurück. Dort ist es das Wort Gottes, das so unaufhaltsam und tief durchdringt. Insgesamt werden in diesem Vers fünf Eigenschaften des göttlichen Wortes genannt. Es ist lebendig – kräftig – scharf – durchdringend – urteilsfähig (Luther nennt es einen  „Richter“). Die Anzahl dieser Eigenschaften und die Dichte der Formulierung zeigen, dass hier etwas Grundsätzliches über Gottes Wort gesagt wird. In der Lutherbibel ist diese Stelle deshalb auch als Kernstelle im Druckbild hervorgehoben.

Die Auswahl der Eigenschaften lässt aber auch erkennen, dass ein bestimmter Gesichtspunkt eingeschärft werden soll. Die vorausgehenden Verse (ab 3,7) schlagen einen mahnenden Ton an. Dem wird durch das abschließende Gedicht in 4,12+13 noch einmal besonderer Nachdruck verliehen. Keiner kann sich der Wirkung und dem Urteil des göttlichen Wortes entziehen. Vor Gott sind wir wie ein aufgeschlagenes Buch. Seine Augen sehen noch in die letzten Nischen und die tiefsten Abgründe unseres Herzens.

Es ist gut, wenn uns diese Einsicht durch Mark und Bein geht. Das ist eine heilsame Erschütterung. Sie nimmt uns die Illusion, als könnten wir vor Gott etwas verbergen und an ihm vorbei unser eigenes Ding drehen. Eine solche Erschütterung befreit uns zugleich von dem Druck, vor Gott etwas darstellen zu müssen. Und obwohl die beiden Verse aus Hebräer 4 vor allem die vorausgehende Mahnung verstärken sollen, lässt das Gedicht auch diese befreiende Wirkung anklingen. Denn als allererstes ist das Wort „lebendig“. Im griechischen Original ist das sogar das erste Wort des Verses. Es wird damit durch die Wortstellung noch besonders hervorgehoben.

In Verbindung mit dem lebendigen, lebensschaffenden Wort entfaltet auch das durchdringende Urteil eine reinigende Kraft. Dieses Urteil will uns von falschen Gedanken und Wegen erlösen. Es will uns zurecht bringen, nicht einfach nur aburteilen. Schon im Alten Testament wenden sich Beterinnen und Beter deshalb an Gott als den Richter, der Herz und Nieren prüft (Psalm 7,9+10). Gerade als der Richter bringt er ihnen die Rettung.

In Hebräer 4 wiederum ist ein Blick auf die unmittelbar folgenden Verse aufschlussreich. Sie beschreiben Jesus als den Hohenpriester, der selbst gelitten hat und deshalb auch unsere Schwachheit nachempfinden kann: „Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben“ (Hebräer 4,16). Auch durch diesen Zusammenhang zeigt sich, dass dem Schreiber die lebensschaffende Kraft des Wortes wichtig ist.

Entscheidend für Hebräer 4,12+13 ist schließlich auch, in welcher Situation mich diese Verse treffen. Höre ich sie als jemand, der sich Gottes Wort zu Herzen nehmen will? Dann bestärken sie mich darin, es ernst zu nehmen und in meinem Leben zur Wirkung kommen zu lassen.

Oder bin ich eher unentschlossen und weiß noch nicht so genau, was ich mit diesem Wort anfangen soll? Dann warnen mich diese Verse davor, seine Tiefenwirkung zu unterschätzen. Und sie laden mich zugleich dazu ein, seine lebensschaffende und befreiende Kraft zu erfahren.

Und wenn ich selbst im persönlichen Gespräch, in Verkündigung oder Seelsorge anderen etwas von diesem Wort weitergebe, dann unterstreicht der Hebräertext die Verheißung aus Jesaja 55: Gottes Wort wird seine Wirkung entfalten. Es kommt nicht leer zurück (Jesaja 55,11).¦


Ihr Gebet

 
Gebet

Herr, unser Gott, wir danken dir für dein lebendiges
und Leben schaffendes Wort. Lass uns erfahren,
dass es auch an uns und in unserem Leben wirkt.
Stärke an diesem Tag und in dieser Woche in uns die
Zuversicht, dass dein Wort nicht leer zurückkommt.

Amen




















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