Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottes Liebe ist verlässlich

Jesaja 49,13–16 Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden. Zion aber sprach: Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen. Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet; deine Mauern sind immerdar vor mir.


Impuls zum Predigttext für den 1. Sonntag nach dem Christfest: Jesaja 49,13–16.  Von Gerlinde Hühn

Gerlinde Hühn ist Dekanin des Kirchenbezirks Geislingen.

„Jauchzet ihr Himmel, frohlocket ihr Engel in Chören, / singet dem Herren, dem Heiland der Menschen zu Ehren! / Sehet doch da: / Gott will so freundlich und nah / zu den Verlornen sich kehren.“ Dieses schöne Weihnachtslied (Evangelisches Gesangbuch, Nummer 41) von Gerhard Tersteegen klingt an, wenn wir den Predigttext aus dem zweiten Jesaja-Buch lesen. Er ist eigentlich kein Weihnachtstext, und doch klingt er weihnachtlich in unseren Ohren. Und ganz weihnachtlich geht es weiter: „Gott hat sein Volk getröst‘, er hat sein Israel erlöst.“ Und der eindrucksvolle Bass aus dem Weihnachtsoratorium klingt im Inneren mit.

Die ersten Verse knüpfen an den Hauptton des Prophetenbuches an: „Tröstet, tröstet mein Volk“ (Jesaja 40). Leitmotiv ist das Erbarmen Gottes über sein Volk im Exil. Aber Zion zeigt sich hier himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, so wie es mancher Geliebten geht, und zweifelt an der Treue Gottes.

Wie eine verlassene Ehefrau („Der Herr hat mich verlassen“, Vers 14) klagt das Volk. Klage ist vom Lob gar nicht so weit entfernt, wie es scheinen mag. Immer wieder ist die Gewissheit des Glaubens angefochten.

Ist das Volk schuld am Exil oder ist es nicht vielmehr umgekehrt: „Der Herr hat meiner vergessen!“ Es sind Szenen einer „Ehe“, die sich hier dramatisch abspielen.

Wie dauerhaft und wie verlässlich ist Gottes „Wohlgefallen“ an uns? Das können auch wir nach Weihnachten fragen. Sehen wir etwas davon, oder nimmt nicht das Leid auf der Welt überhand?

Doch es tritt Unerwartetes ein: Der Herr bekennt sich zu seiner „Frau“. Der Prophet lässt Gott zu Wort kommen.

Gott spricht von sich in mütterlichen Sprachbildern. Es ist nahezu unwahrscheinlich, dass eine Mutter ihr eigenes Kind vergisst. Und doch kommt es leider vor. Es weckt immer wieder Entsetzen, wenn in der Zeitung etwa zu lesen ist: Säugling verhungerte, Mutter kümmerte sich tagelang nicht um ihn.

Gottes Liebe ist treuer, inniger, verlässlicher als Mutterliebe. Du, mein Volk, bist mir so nahe wie die Linien in meiner Hand. „In meine Hände habe ich dich gezeichnet“, so sich wie ein Mann den Namen seiner Freundin auf den Arm tätowieren lässt, um sich und die Welt immer wieder daran zu erinnern: Wir gehören zusammen.

Es ist auffällig, wie weiblich hier von Gott geredet wird. Der Gott Israels braucht keine weiblich-gottähnliche Figur neben sich. Nicht einmal eine Krippenspiel-Maria. Er vereinigt in sich selbst weiblich-mütterliche Züge.

Jack Miles hat in seinem Buch „Gott – Eine Biographie“ (1996) eine Veränderung in Gott selbst erkannt. Aus dem Gott des Bundes wird der Gott des liebenden Erbarmens. Beim Bund steht die vertragliche Verbindlichkeit für beide Seiten im Vordergrund, hier die Liebe und das Erbarmen.

Dieser Jesaja wehrt sich dagegen, sein Gottesbild ausschließlich von Herr-scherbildern abzuleiten oder es gar mit einem paternalistischen Vaterbild zu verbinden.

Die Mutter und die Hand – das sind zwei Bilder, die kirchlich und kunstgeschichtlich nicht verbraucht sind. Es ist auffällig, wie viele Lieder es im Gesangbuch gibt, die sich auf diesen Text beziehen; so auch die folgende Strophe: „Kann und mag auch verlassen / eine Mutter je ihr Kind / und also gar verstoßen, / dass es kein Gnad mehr find‘t? / Und ob sich’s möcht begeben, / dass sie so gar abfiel: / Gott schwört bei seinem Leben, er dich nicht lassen will“ (Evangelisches Gesangbuch, Nummer 243,3).

Immer wieder neu müssen wir Menschen im Zweifel neu Gewissheit bekommen, wenn wir fragen: „Hast du mit Namen mich in deine Hand, / in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben? / Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land? / Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?“ (Evangelisches Gesangbuch, Nummer 382,2).

Auf diese Zweifel kann mit dem Propheten Jesaja nur geantwortet werden: Ja, und abermals Ja. Und wir können uns in Jesu vom Kreuz gezeichneten Händen bergen. ¦



Gebet
Barmherziger Gott,
mitten in unsere Lichterwelt
Lässt du dein Licht scheinen.
Mitten in unsere Zweifel
sprichst du dein Trost-Wort.
Du bist Mensch geworden.
Hilf uns zur Besinnung,
hilf uns zum Glauben.

Amen.

Evangelisches Gemeindeblatt

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