Christliche Themen für jede Altersgruppe

Grenzenlose Freiheit

Apostelgeschichte 10,21–26 (in Auszügen) Petrus sprach zu den Männern: Warum seid ihr hier? Sie aber sprachen: Der Hauptmann Kornelius, ein frommer und gottesfürchtiger Mann mit gutem Ruf bei dem ganzen Volk der Juden, hat Befehl empfangen von einem heiligen Engel, dass er dich sollte holen lassen in sein Haus und hören, was du zu sagen hast. Am nächsten Tag machte er sich auf und zog mit ihnen nach Cäsarea. Kornelius hatte seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen. Und als Petrus hereinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel ihm zu Füßen und betete ihn an. Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch.

Impuls für den 3. Sonntag nach Epiphanias: Apostelgeschichte 10,21–35.  Von Martin Weigl

Martin Weigl ist Pfarrer in Erdmannhausen im Kirchenbezirk Marbach am Neckar.


Vielleicht haben Sie den Satz „Ich bin auch nur ein Mensch“ vor sich hingemurmelt, nachdem die guten und ernstgemeinten Vorsätze fürs Neue Jahr nach ein paar Wochen wieder über Bord geworfen wurden. „Ich bin auch nur ein Mensch“, da schwingt so einiges mit: Ich höre da einen Teil Enttäuschung, ich habe mir dies oder jenes doch so fest vorgenommen, aber ich konnte es nicht umsetzen.

Aber ich höre noch anderes, nämlich Resignation: Für das, was jetzt dran wäre, bräuchte ich schier übermenschliche Kräfte, um die Krankheit zu besiegen, um die Familie zusammenzuhalten. Aber das kann man fast nicht schaffen, denn: „Ich bin auch nur ein Mensch.“

Jedenfalls zeigt der Satz, dass etwas aus den Fugen geraten ist. Petrus verwendet diesen Satz auch, aber bei ihm klingt er ganz anders, als wir ihn meist benutzen. Er nimmt diesen Satz ganz wörtlich, als eine Feststellung: Ich bin auch nur ein Mensch.

Durch die Engelserscheinung gerät beim Hauptmann Kornelius etwas aus den Fugen. Da beginnen sich die Fundamente zu verschieben, vielleicht aus Freude und Rührung, dass Petrus, dieser angesehene Mann, zu ihm zu Besuch kommt, vielleicht aber auch, weil er es in seiner Vergangenheit so gelernt hat, Menschen als Götter anzubeten.

Der Satz des Petrus bringt das Verhältnis von Mensch und Gott wieder ins rechte Lot. Petrus zeigt dem Kornelius, wen er anbeten soll. Es ist diese Grundlage des Lebens, die manchmal so leicht verrutscht, dass wir nicht Gott sind, sondern Menschen. So einfach diese Erkenntnis ist, so schwierig ist es auch, sie sich immer wieder vor Augen zu führen. Ich bin nicht mein eigener Gott oder der für andere, weil ich Geld habe oder das Sagen oder beides. Ich habe mein Leben nicht gänzlich in der Hand, ich bin nur ein Mensch.

Das ist nicht erst zu unserer Zeit so. Martin Luther schrieb: „Von Natur aus kann der Mensch nicht wollen, dass Gott Gott ist. Vielmehr wollte er, er sei Gott und Gott sei nicht Gott.“

Ich glaube, diese Feststellung des Petrus, dass er auch nur ein Mensch ist, macht ihn offen und frei, das Wunderbare zu entdecken, was sich ihm in Vers 34 und 35 erschließt: „Nun erfahre ich die Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.“

Durch den Blick auf Gott wird Petrus frei von der eigenen Egozentrik, wird er frei, Neues zu sehen: Gott misst nicht mit unseren Maßstäben. Gott schaut nicht danach, wie die Person gekleidet ist, schaut nicht darauf, was für Leistung jemand noch erbringen kann. Wer Gott so sieht, erkennt Gott als den Schöpfer und Erhalter. Da ist kein Platz mehr für Begrenzungen, da wird es grenzenlos. Petrus zeigt uns, dass bei Gott die Freiheit von Dingen, die uns gefangennehmen, grenzenlos ist.

Petrus lässt Kornelius an einer erstaunlichen (Glaubens-)Entwicklung teilhaben: Zunächst verweist er von sich selbst weg auf Gott – ich bin auch nur ein Mensch – und erkennt dann im Blick auf Gott, dass die von Menschen gesetzten Grenzen und Begrenzungen kein Hinderungsgrund sind, um zu Gott zu gehören. Vielmehr steht über allem: Gott fürchten und recht tun. Gott fürchten, ist das denn etwas anderes als die simple und doch so schwere Aussage: Ich bin auch nur ein Mensch – und Gott bin ich nicht und muss es auch nicht sein? Oder anders ausgedrückt, ich muss nicht alles sein und werden, ich darf sein und werden, was ich bin – ein von Gott geliebter Mensch. Ich muss nicht alles tragen, denn Gott trägt mich. In diesem Sinne lassen Sie uns Mensch sein.

Gebet

Zu dir, Gott, kommen wir.
Vor dir brauchen wir uns nicht verstecken.
Bei dir können wir sein, wie wir sind:
mutig, zuversichtlich, traurig, ängstlich.
Lass uns jeden Tag aufs Neue spüren,
dass wir von dir geliebt werden.

Amen.

Luthers-Familienzeit

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