Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hoffnungszeichen

1. Petrus 2,21+24 Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen. Er, der unsere Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der ­Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Miserikordias Domini 1. Petrus 2,21–25.  Von Annette Noller

Die promovierte Pfarrerin Annette
Noller ist Professorin an der Evangelischen Hochschule
Ludwigsburg.


Kennen Sie das Gefühl, von einer schweren Last befreit zu sein? Wenn das Gepäck, das man mit sich trägt, kräftezehrend ist? Wenn Schultern und Arme – oder das Gemüt – schmerzen? Und dann, wenn jemand hilft zu tragen, wenn die Last abgenommen ist, spürt man sie: die freien Arme, den aufrechten Gang und die Erleichterung.

Auch Lasten der Seele können abgenommen werden: durch ein versöhnliches Gespräch, durch ein gutes Wort nach einem Streit, durch ein „ja“ in einer verfahrenen Situation. Vergebung und Versöhnung sind Balsam für die Seele.

Von dieser vergebenden Liebe handelt der 1. Petrusbrief, er handelt von der Liebe Christi, die die Sünde „am eigenen Leib“ ans Kreuz hinaufträgt. Am Kreuz wird das Trennende, wird der Schmerz der Sünde, wird die Wunde der Gottferne geheilt. In Kreuz und Auferstehung kommt Gottes Heilshandeln zum Ziel. An Ostern haben wir es auch dieses Jahr wieder gefeiert, das Fest der Versöhnung und der abgenommenen Lasten der Seele. In der Auferstehung Christi ist das Trennende, der Tod überwunden. Das Tor zur Herrlichkeit und Gottesnähe ist geöffnet (1. Petrus 1,3-5).

Die von Gott geschenkte Versöhnung entlastet die Seele und inspiriert die Glaubenden. Im Petrusbrief wird Jesus Christus, der geduldig die Sünden „ans Kreuz hinaufträgt“, als Vorbild vor Augen gestellt. Der ganze Brief handelt von der Geduld der christlichen Liebe, davon, dass Christen Situationen der Verfolgung und Anfechtung, Situationen, die nicht veränderbar sind, geduldig ertragen sollen – und dass in dieser Geduld die Stärke des Glaubens liegt. Es ist nicht einfach, diese Theologie des demütigen Erleidens zu verstehen. Sie widerspricht unserem Wunsch nach Glück und Selbstbestimmung.
Die Worte des 1. Petrusbriefes erinnern mich an die Arbeit eines syrischen Pfarrers, von der ich in diesen Wochen in einem Vortrag hörte. Trotz Krieg und Bedrohung des eigenen Lebens ist er bei seiner Gemeinde geblieben. Er sorgt für den Schulunterricht der Kinder. Er sorgt sich um die Gesundheitsversorgung, um die Älteren, um die, die nicht fliehen können: ein Vorbild des Glaubens und der Treue zu seiner Gemeinde.

Nicht nur in den Kriegsgebieten, auch bei uns ist Geduld von Nöten. In der europäischen Flüchtlingshilfe gibt es keine einfachen Lösungen, wie so oft in Konflikten. Geduldig ausharren zu können, ohne eine Situation kurzfristig ändern zu können, einen Konflikt nicht zu eskalieren, sondern auf tragfähige Lösungen langfristig zu vertrauen, ist ein Zeichen christlicher Hoffnung und Christusnachfolge. Viele Christen erleben diese Nachfolge heute in großem Vertrauen auf Gott – auch in Leidenssituationen, in den Fußstapfen des Vorbildes von Jesus.

Und zugleich regt sich in den Worten des Petrusbriefes ein Widerspruch gegen das Leid. Nicht nur das Erdulden, sondern auch das Engagement gegen Unrecht ist Ausdruck des Glaubens. „… damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben.“ Dieser Vers enthält keine Fragezeichen, er steht da als Aussagesatz – ohne Einschränkungen. Christliche Hoffnung lebt für eine Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt.

Viele Christen engagieren sich in diesen Tagen in Familien und Freundeskreisen, in kirchlichen und diakonischen Initiativen, in Gemeinden, in unserer Gesellschaft und weltweit, im Gespräch der Religionen. In der Nachfolge Christi tragen sie gemeinsam Lasten. Sie leben Gerechtigkeit. Die Hoffnungszeichen des Glaubens sind vielfältig.


Ihr Gebet

 
Gebet

Jesus Christus,
Grund unserer Hoffnung, gib uns den Mut, immer
wieder aufzubrechen. Schenke uns die Zuversicht,
dass wir in deiner Nachfolge Wege der Versöhnung
und des Friedens finden. Gib uns die Gewissheit,
dass dort, wo unsere Wege miteinander enden,
dein Weg mit uns weitergeht.
Amen











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