Christliche Themen für jede Altersgruppe

Immer eine neue Chance

Epheser 2,4 –10 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

 

Impuls für den 11. Sonntag nach Trinitatis: Epheser 2,(1–3)4–10.  Von Charlotte Sander


Charlotte Sander ist Pfarrerin
in Stuttgart-Mühlhausen.

„Dem Tüchtigen gehört das Glück“, „Jedermann ist seines Glückes Schmied“, „Wer wagt, gewinnt“… Sie kennen sicherlich solche Sprüche. Unsere moderne Leistungsgesellschaft ist auf diesen Sprüchen mitaufgebaut. „Man muss nur wollen…“ gehört auch dazu. Die eigenen Lebensumstände, seien sie beruflicher oder gesundheitlicher Art, können nicht mehr mit Begriffen wie Schicksal oder Zufall erklärt werden. Nein, Selbstverantwortung ist das große Stichwort. „Du hast dein Leben in der Hand“, optimiere dich selbst und alles wird dir glücken, von der Partnerwahl bis zum Einkommen, von der Gesundheit bis zum sorgenfreien Altern. Das gilt für etliche auch in religiöser Hinsicht. Je intensiver ich bete, je ekstatischer ich Halleluja rufe, je fleißiger ich die Bibel lese, desto näher komme ich Gott. Das kann so weit gehen, dass manche charismatischen Gruppen den Grad des Glaubens an der Gesundheit meinen ablesen zu können.  Wer trotz Betens krank bleibt, der glaubt nicht tief genug, so behaupten es manche. Jeder ist eben seines Glückes Schmied. Aber nein, ruft da die biblische Botschaft dazwischen, Gottes Liebe und Zuwendung ist nicht zu erarbeiten. Das ist unmöglich. Auch den Glauben könnt ihr nicht erwirken, Gott schenkt ihn euch.

Durch die ganze Bibel zieht sich diese Botschaft: Gott hat euch zuerst geliebt. Am Anfang steht die Zuwendung Gottes, schon in der Erschaffung des Menschen. Am Anfang steht seine Zusage: Ich bin dein Gott. Ich wende mich dir zu. Antworte mir. Wie kann nun die Antwort der Menschen aussehen? In der hebräischen Bibel ist es klar beschrieben: indem die Menschen sich an Gottes Gebote halten. Eben nicht, um zu Gott zu gelangen, sondern weil das die Antwort auf Gottes Liebe ist.  Das gelang (und gelingt) nicht immer, eher selten. Von Gottes Seite aus wird immer von einem „Trotzdem“, einem „Obwohl“ berichtet. Er hört die Klagen des Volkes Israel, obwohl es ihn enttäuscht hat. Im Neuen Testament wird es noch deutlicher: Durch Jesus Christus sind alle Menschen hineingenommen in den Bund mit Gott. Die Taufe macht das ganz sinnfällig. Das alte Leben wird abgewaschen, stirbt, neues Leben entsteht, wie Paulus schreibt: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“

So, wie Christus von den Toten auferstanden ist, so werden die Christen eines Tages mit ihm auferstehen. Jetzt aber schon im hier und jetzt ist ihnen eine neue Chance eröffnet. Sie können ein neues Leben anfangen, im Angesicht des Alten. Und dazu bedarf es keiner Vorleistung durch den Menschen. Gott gibt seine Zuwendung, seine Gnade ganz ohne Vorbedingungen. So wie es Jesus im Gleichnis vom wiedergefundenen Sohn beschreibt. Der Vater breitet die Arme aus, ohne nachzurechnen und Bedingungen zu stellen. Es gibt also kein besser, tiefer, höher, weiter im Glauben. Es gibt in Glaubensdingen kein Ranking. Gott vertraut uns, Gott glaubt uns, das ist seine Gnade. Wenn wir das annehmen, dann verändert sich unser Leben. Vielleicht nur in kleinen Schritten, aber doch sichtbar. „Denn wir sind geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken…“ Wir können uns dem Nächsten zuwenden, wir können unverzagt an einer gerechteren, freieren, gesünderen und vor allem liebevolleren Welt arbeiten, denn Gott liebt uns.

Gebet

Ich suche dich, Gott,
am Morgen eines jeden neuen Tages.
Ich suche dich
mit dem Licht der heller werdenden Sonne,
bis der Mittag kommt.
So will ich lernen, dich zu finden
in denen, die neben mir sind,
die im Licht oder im Schatten stehen.
Dir sei Ehre in Ewigkeit.


Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.