Christliche Themen für jede Altersgruppe

Impuls: Von Gott geliebt

1. Johannes 4,16b–21: Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner, Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht? Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Von Gott geliebt

Impuls zum Predigttext für den 1. Sonntag nach Trinitatis: 1. Johannes 4,16b–21.  Von Anna Stückle


Im ersten Johannesbrief finden sich diese Verse über die Liebe, die ihrer schönen Thematik wegen gerne bei den Kasualien, besonders bei Hochzeiten und Taufen gewählt werden, vor allem der wohl bekannteste Vers 16b.

Im Zusammenhang wird deutlich, dass es hier um eine sehr hohe Forderung geht, nämlich: Die Liebe soll vollkommen sein. Und es geht um ein Kriterium, an dem die Liebe gemessen wird, nämlich die Abwesenheit von Furcht, und zwar nicht Furcht allgemein, sondern die konkrete Furcht vor der Strafe in Gottes Gericht, letztendlich also die Angst vor Gott – nicht zu verwechseln mit Gottesfurcht.

Wenn ein Kind geboren wird, hat es Urvertrauen. Es hat Vertrauen in seine Eltern, dass sie es gut mit ihm meinen. Und es lernt immer mehr, auch sich selbst zu trauen, zu vertrauen. Frisch gebackene Eltern möchten ihrem Kind viel Liebe weitergeben, weil sie glauben, dass eine liebevolle Erziehung das Selbstbewusstsein des Kindes stärkt. Und so ist es auch. Wer in der Kindheit viel Zuneigung, viel Ermutigung und Bestärkung erfährt, geht hoffnungsvoll und zuversichtlich ins Leben. Wer sich von Grund auf geliebt weiß, hat weniger Angst. Das bedeutet nicht, dass sich in einer Familie alles um den Willen des Kindes dreht, dass sozusagen alle nach der Pfeife des Kindes tanzen, ganz im Gegenteil. Dazu gehört aber, dass ein Kind seine Eltern als verlässlich erfährt, dass es merkt, es kann seinen Eltern vertrauen. Dazu gehört auch, dass die Eltern sich um das Kind kümmern, sich für die echten Belange des Kindes interessieren und dies das Kind spüren lassen.

Immer wieder höre ich als Pfarrerin, wie gestörte Eltern-Kind-Beziehungen sich auf das Gottesverhältnis negativ auswirken. Da sagt mir eine junge Frau: „Wissen Sie, ich hatte einen sehr unzuverlässigen Vater. Ich komme aus einem Haus, in dem ständig gestritten wurde. Ich habe kein Vertrauen mehr zu Männern – und auch nicht zu Gott.“ Da erzählt mir ein Mann im entsprechenden Alter: „Mein Vater war Offizier im Krieg. Als er zurück kam, war er nicht der gleiche. Ich habe ihn als distanziert und richtend kennengelernt. Da war auf einmal dieser fremde Mann, mein Vater, der meiner Mutter Erziehungsratschläge gab, und zu dem wir Kinder nur durften, wenn wir ordentlich gestriegelt und gebügelt waren. Vor ihm mussten wir uns immer benehmen.“

Es muss nicht so sein, aber es geschieht allzu oft, dass sich ein solches Verhältnis zum Vater oder auch zur Mutter auf das Gottesbild auswirkt. Darum fragt dieser 1. Sonntag nach Trinitatis: Weiß ich mich von Gott geliebt? Die Prüffrage lautet: Bin ich in der Lage, diese Liebe weiterzugeben? Dabei geht es nicht nur um meine engsten Freunde und um meine Familie. Sondern: Bin ich in der Lage, meinem Mitchristen vorurteilsfrei zu begegnen? Unterstelle ich ihm Gutes? Mache ich mich frei vom Gerede der Leute und lerne meinen Bruder persönlich kennen?

Oft gönnen Menschen, die sich selbst nicht zu kurz gekommen fühlen, sondern die sich geliebt wissen, anderen in besonderem Maße ihr Glück. Liebe ist Wundermittel: Je mehr man davon verschenkt, desto mehr bekommt man selbst davon.

So natürlich dies klingen mag, so schwierig und auch so relevant war dieses Thema bereits unter den ersten Christen. Der Brief nennt zwar keinen Verfasser, doch in der Alten Kirche war klar: Er stammt vom Apostel Johannes. Der Brief geht nicht, wie etwa der Römer- oder der Epheserbrief, an eine bestimmte Gemeinde, sondern an die gesamte Kirche. Das heißt, dieses Thema geht jeden an, der Christ ist. So war das damals – und ich glaube, so ist es noch heute.

Gebet

Herr, mein Gott, lieber Vater, du hast mich geliebt, ehe ich lieben konnte. Du hast mich geliebt, ehe ich geboren war. Für diese vorausgreifende Liebe danke ich dir. Gib mir ein Herz, das diese Liebe begreift. Lass mich deine Liebe glauben und weitergeben.

Amen.

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 47/2017

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