Christliche Themen für jede Altersgruppe

Impuls zum Predigttext für den 10. Sonntag nach Trinitatis

Johannes 2,15+16 Und Jesus machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern und schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um und sprach zu denen, die die Tauben verkauften: „Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus!“ 
Kaufhaus oder Bethaus?

Impuls zum Predigttext für den 10. Sonntag nach Trinitatis: Johannes 2, 13-22.  Von Harry Waßmann

Das ist irgendwie krass und unsensibel. Pilger kommen nach Jerusalem zum Tempel. Schafe und Rinder, Tauben und Geldwechsler, das gehörte doch zum Gottesdienst und zum Opfer im Tempel dazu. Was soll diese Empörung  und dieses Randalieren? Hat Jesus kein Verständnis, null Toleranz? Was ist in den sanftmütigen Zimmermannssohn aus Nazareth gefahren? Es sei sein Eifer, sagen seine Jünger, mit einem Wort aus dem 69. Psalm. Ist Jesus etwa ein Eiferer, ein Zelot? 

Das nicht. Wenn Jesus die Taubenhändler auffordert „Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus!“, dann ist das eine Zeitansage für die Zukunft. So wie ganz am Ende des Buches Sacharja geschrieben steht: „Und es wird keinen Händler mehr geben im Hause des Herrn Zebaoth an jenem Tage“ (Sacharja 14,21). Darum geht es dem Juden Jesus. Er tritt ein für das Haus des Herrn. Für den Tempel. Mit der Prophetie des Sacharja im Rücken. Seite an Seite mit Glaubensgenossen, mit den Weisen Israels. Hier im Tempel ist Gott gegenwärtig. Hier ist seine „Schechina“, seine Wohnung. Hier geht es um eine wirkliche Gottesbegegnung. Die braucht keinen Ort, der durch Handel und Wandel wächst und wächst. Kein Bauwerk, dessen Einkünfte und Erträge in eine Schatzkammer fließen und mitunter auch politisch-militärischen Zwecken zugeführt werden.

Zu Jesu Zeiten war der Tempel in Jerusalem schon 46 Jahre im Bau. Zumindest nach dem Evangelisten Johannes. Erst nach 83 Jahren war er vollendet. Schon sieben Jahre später, nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahre 70, lag er in Schutt und Asche. Darauf blickt Johannes zurück. Mit dieser Schock-Erfahrung geht er um: Juden wie Christen hatten ihr zentrales Heiligtum verloren. Wie geht es weiter?

Das Judentum konzentrierte sich fortan auf die Thora, auf Lernen und Lehren und Beten. Christen entdeckten durch den auferweckten Jesus die Heiligen Schriften Israels als Quelle des Trostes, als Wegweiser für ein Leben in Frieden und Freiheit. In Christus sind sie mit dem Vater, dem Gott Israels, verbunden.

Deshalb gibt es keinen Grund für Hochmut, als wären Christen einen Schritt weiter. Und schon gar nicht: Als wäre das, was Jesus handgreiflich und mit klaren Worten kritisiert hat, längst vergangen und nie und nimmer ein Problem der Kirchen. „Die Liebe bläht sich nicht auf“, schreibt Paulus einmal nach Korinth (1. Korinther 13,4). Schauen wir besser in den Spiegel! Und sehen: Kathedralen und Dome brachten es auf viel längere Bauzeiten als der Tempel in Jerusalem. Von den Aufwendungen dafür ganz zu schweigen. Aus Bethäusern wurden Schutz- und Trutzburgen, auch Schatzkammern. Der junge Mönch Martin Luther sah so etwas Anfang des 16. Jahrhunderts in Rom und konnte es nicht fassen: Prunk und Selbstfeier und ein Religionsbetrieb, dessen Geschäft mit der Angst gut florierte.

Religiöse Megabauten sind auch weiter umkämpfte Orte. Sie haben immer wieder eine nicht unerhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Geld und Arbeit werden dafür aufgewendet, damit der Religionsbetrieb läuft. Solche Orte werden oft zu Symbolen für eine politisch-religiöse Identität, in ganz unterschiedlichen, mitunter sehr bedrohlichen Mischungsverhältnissen. Sie können immer wieder zu „Räuberhöhlen“ werden. Jesus tritt dagegen für ein „Bethaus der Völker“ ein (Markus 11,17/ Jesaja 56,7). So ein Bethaus kann Mauern haben und ein Dach. Muss es aber nicht. Es kann schlicht ein Ort der Versammlung sein. Heute hier, morgen dort. Genau genommen ist „ein Bethaus“ dort, wo mir Gott begegnet: in seinem Wort, in seinem Geist, in seinen Zeugen. Zuhause im Gebet, im Reden des Herzens mit Gott.

Gebet

Gott,
Du „wohnst in einem Lichte, 
dem keiner nahen kann“.
Und bist uns doch so nah
in deinem Wort und Geist.
Juden wie Christen.
Wir suchen dich.
Wir rufen dich an.
Du bist unser Trost und Heil.
Unser Ankergrund.
Unsere Orientierung.
Heute und alle Tage.
Amen.

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