Christliche Themen für jede Altersgruppe

In der Welt Gott dienen

Römer 12,1–3  Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt zu halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat.


Impuls zum Predigttext für den 1. Sonntag nach Epiphanias: Römer 12,1–3.  Von Søren Schwesig

Søren Schwesig ist Stadtdekan in Stuttgart.
Foto: Monika Johna


Das neue Jahr ist nicht mehr ganz neu. Im Grunde war es das von Anfang an nicht. Denn die Fragen und Probleme des vergangenen Jahres sind nicht einfach mit den Silvesterraketen weggeflogen.

Vor Jahren las ich von einer Frau im Rollstuhl. Sie ermutigt als Therapeutin andere Menschen, ihr Leben anzunehmen. Nach ihrem Eindruck hätten Diskriminierungen, Pöbeleien und Hassausbrüche gegen Randgruppen zugenommen. Gefragt nach Gegenbeispielen, nach Beispielen von Mitmenschlichkeit berichtete sie von ihrem Friseur. Der warf einmal eine Stammkundin aus seinem Salon, als die sich weigerte, sich neben die behinderte Frau zu setzen. „Solche Solidarität gibt es wohl nur noch bei den Menschen, die selber am Rand der Gesellschaft leben. Mein Friseur ist nämlich schwul.“ Die Welt wird kälter und viele bekommen das zu spüren.

Die Christtage sind vorbei, aber die Weihnachtsbotschaft klingt noch nach. `Es ward ein Kind geboren, ein Licht kam in die Nacht.´ Gott wollte die Welt nicht sich selbst überlassen. Darum schickte er Jesus von Nazareth zu uns Menschen. Und das Leben, das Jesus lebte, zeigt uns, wie Gott es mit der Welt meint. Alles kam auf den Prüfstand: die gewohnten Denkmuster, die eingefahrenen Spielregeln – alles. Und vieles wurde auf den Kopf gestellt. Die Schwachen, Kranken, die Verlierer und die Benachteiligten galten plötzlich etwas. Jesus holte sie in die Gemeinschaft zurück.

Darauf bezieht sich Paulus, wenn er von der Barmherzigkeit Gottes redet: So meint Gott es mit der Welt. Unserer Welt, die eine Erneuerung braucht. Wir Christen sollen diese Erneuerung auf den Weg bringen. Wir sollen handeln. Das ist der Gottesdienst, der von uns verlangt wird.

Bei „Gottesdienst“  denken wir an einen sakralen Raum und an heilige Zeiten. Aber der Gottesdienst, von dem Paulus redet, erschöpft sich nicht in mehr oder weniger regelmäßigem Kirchgang. Der Gottesdienst, zu dem Paulus aufruft, heißt, als Christ Verantwortung zu übernehmen für den Raum außerhalb der Kirche, für die Alltagswelt. Der Gottesdienst in der Kirche soll weitergehen in dem Gottesdienst, den wir tun in der Welt, wenn wir im Menschen, der uns begegnet, unseren Bruder erkennen und unsere Schwester.

Wie sieht dieser Gottesdienst konkret aus? Paulus sagt dazu: Stellt euch nicht dieser Welt gleich. Ich verstehe das so: Die Welt, vor der Paulus warnt, ist das, was alle sagen, was alle denken, was alle tun. Welt ist der Raum, in dem einer schneller und besser sein muss als der andere, wo der Mensch allein nach seiner Leistung bemessen wird. Welt – das ist die Sorge, zu kurz zu kommen. Die Angst, übersehen zu werden. Die Angst, die darin gipfelt, dass ich nur noch mich und das Eigene sehe, aber nicht mehr den Menschen neben mir.

Diese Welt der Sorge und der Ängste, der Rücksichtslosigkeit, ja des Todes hat Jesus überwunden. Er hat gezeigt, dass diese Welt keine Macht über uns haben muss. Dass wir dieser Welt nicht hoffnungslos ausgeliefert, sondern frei sind. Darum stellt euch nicht der Welt gleich. Passt euch nicht an. Prüft euer Gewissen vor Gott, fragt nach dem, was Gottes Wille ist – und dann handelt.

Der Glaube an Gott macht uns frei von dieser Welt. Denn unser Glaube gibt den Blick frei für unsere Mitmenschen. Indem wir ihnen und der Menschlichkeit die Treue halten, begehen wir den Gottesdienst, den Gott von uns erwartet.

Wir sind als Christen der Welt diesen Gottesdienst schuldig. Wir sind es Gott und uns schuldig, dass wir den Sonntag und den Alltag miteinander verknüpfen. Den Menschen und der Menschlichkeit die Treue halten – so muss unser Gottesdienst sein. Denn in einem solchen Gottesdienst berühren sich Himmel und Erde.


Ihr Gebet

 


Gebet

Herr Jesus Christus,
du hast am eigenen Leben erfahren,
wie bedroht menschliches Leben ist.
Darum bewege uns, Herr,
dass wir nicht achselzuckend der Welt
gegenüberstehen,
sondern dort, wo du uns brauchst,
unsere Aufgabe erfüllen.
Bewege uns, Herr.
Amen.



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