Christliche Themen für jede Altersgruppe

In Gottes Wege einwilligen

Hebräer 5,7–9  Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Judica: Hebräer 5,7–9.  Von Friederike Wagner

Friederike Wagner ist geschäftsführende Pfarrerin der Gesamt­kirchengemeinde Michelfeld-Gnadental-
Neunkirchen.


Jesus, der Hohepriester. Das ist nicht das erste Bild, das uns einfällt, wenn wir an Jesus Christus denken. Viel eher: Jesus, der gute Hirte, der Gekreuzigte, der Auferstandene. Jesus, der die Kinder segnet.

Hohepriester – das klingt streng. Unnahbar. Und doch ist es dieses Bild, das im Hintergrund dieser drei Verse im Hebräerbrief steht. Jesus – der Hohepriester. Wenn wir im 2. Mose 28 von der Kleidung des Hohepriesters lesen, fällt aber auch auf, dass in dieser Kleidung nicht nur die Heiligkeit und Erhabenheit des Hohepriesters zum Ausdruck kommt. Wir lesen an drei Stellen auch, dass die Kleidung dazu dient, dass der Hohepriester das Volk auf den Schultern und auf dem Herzen vor Gott trägt, wenn er Dienst tut im Heiligtum. In die Steine auf seinen Schultern sind die Namen der Kinder Israel eingeritzt und in der Brusttasche des Priestergewandes sind ebenfalls ihre Namen und zwei Lose, damit er die Entscheidungen für Gottes Kinder auf seinem Herzen trage. So kommt mir das Bild von Jesus als dem Hohepriester näher. Jesus, der uns auf den Schultern und auf dem Herzen vor Gott trägt. Der, der uns aus der Gottesferne in die Nähe Gottes bringt. Der, der unser Fürsprecher ist und für uns eintritt.

Wenn ich daran denke, dass Jesus uns vor Gott trägt, muss ich aber auch daran denken, wie ich unsere Kinder gelegentlich lange tragen musste, als sie klein waren, und wie ich davon gelegentlich Kreuzschmerzen bekommen habe. Und ich weiß: Auch Jesus hat „Kreuzschmerzen“ bekommen dadurch, dass er uns vor Gott getragen hat.

Von Jesus, unserem Hohepriester, heißt es, dass er mit lautem Schreien und mit Tränen vor Gott Bitten und Flehen dargebracht hat. Dabei denken wir an den Weg Jesu, an sein Gebet im Garten Gethsemane und an seinen Gehorsam in den Worten „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“.

Der Verlust des eigenen Willens, der Entscheidungsmöglichkeiten, die Abhängigkeit, der Verlust der Selbstständigkeit und das Angewiesensein auf Hilfe ist eine Erfahrung, die zum Bitteren des menschlichen Lebens gehört. Wir erleben das in Schicksalsschlägen und oft genug auch im Altwerden. Es ist kein leichter Weg, am Leiden Gehorsam zu lernen. Das Einwilligen in das, was nicht unser Wille ist. Oft ist es für uns mit einem Zweifel am Sinn des Christentums verbunden. Unser Glaube scheint widerlegt zu sein durch die Wirklichkeit. Es fehlt die Erfahrung, dass Gott für uns ist. Diese menschliche Erfahrung teilt Jesus. Nur mündet sie bei ihm nicht in das Aufbegehren gegen Gott, sondern in den Gehorsam. Er beugt sich unter Gottes Willen. Mit lautem Schreien und mit Tränen. Er willigt ein in den Weg, der ihm aufgetragen ist. Es führt kein Weg an den Schmerzen vorbei.

Sicher können wir nicht nur auf dem Weg des Leidens den Gehorsam gegenüber Gott lernen. Und doch ist das Einwilligen in die Wege Gottes mit uns immer ein Loslassen von eigenen Ideen, von Träumen und Wünschen, von Bequemlichkeiten und unseren Lebensplänen.

Diesem Gehorsam, dem Einwilligen in Gottes Wege für uns, gilt die Verheißung des ewigen Heils. Es ist nicht die Verheißung von Erfolg, Ansehen, Glück oder der Verwirklichung eigener Lebensvorstellungen, wie immer sie aussehen mögen. Es ist ein Hineinwachsen in einen Frieden, der höher ist als unsere Vernunft, dessen Begründer Jesus Christus durch seinen Gehorsam geworden ist.


Ihr Gebet

 
Gebet

Herr Jesus, wir bringen Opfer
für unsere Kinder und unsere Eltern.
Für die Firma, die Gemeinde oder den Erfolg.
Wir bringen Opfer für das, was uns am Herzen liegt.
Auch du hast ein Opfer gebracht.
Dich selbst.
Für das, was dir am meisten am Herzen liegt.
Für uns.
Danke.
Amen

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