Christliche Themen für jede Altersgruppe

In Jesu Nähe Trost finden

Johannes 14,1–4: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn‘s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, dahin wisst ihr den Weg.


Impuls zum Predigttext für den Neujahrstag: Johannes 14,1–6.  Von Rainer Köpf

Das erste, worüber wir uns an diesem Text zum Neuen Jahr freuen dürfen, ist, dass Jesus hier mit seinen Jüngern spricht. Menschen, die Haus und Hof verlassen haben, um ihm nachzufolgen, erfahren seine tröstende Nähe. Sie hatten Großes mit ihm erlebt. Doch nun kommt die Wende. Jesus offenbart ihnen, dass sein Kreuzestod bevorstehe und er sie bald verlassen werde. Doch in dieser Situation des Abschieds lässt Jesus seine Jünger nicht wortlos zurück.
Es gibt Ereignisse im Leben, die uns sprachlos machen. Unglück und Trauer können bewirken, dass es uns den Atem raubt oder die Stimme verschlägt. Harte Abschiede können uns versteinern. Der Neujahrstext zeigt uns, dass Jesus seine Leute nicht ohne ein Wort zurücklässt. Er durchbricht das schockierte Schweigen mit seiner Zuwendung. Wir wissen nicht, was im Jahr 2017 alles auf uns zukommen wird an Schönem und Schwerem. Aber eines dürfen wir ganz sicher wissen: Der Herr redet zu uns. In jeder Sekunde, in der wir beten. Tag für Tag, wenn wir die Bibel lesen. Sonntag für Sonntag, wenn wir uns als seine Gemeinde vor ihm versammeln. Darauf dürfen wir uns auch im neuen Jahr verlassen: Er redet zu uns.
Und das zweite: Jesus nimmt unsere Angst ernst. Da wird nichts beschönigt oder glatt geredet. Er weiß: Wenn jemand fortgeht, den wir liebhaben, dann fürchten wir uns vor Leere und Einsamkeit. Welcher liebende Mensch kennt das nicht: Der Partner kommt nicht zur verabredeten Zeit nach Hause. Man bekommt Beklemmungen. Wie wird es wohl sein, wenn der andere nie mehr heimkommt, wenn man alleine leben muss?
In meiner Jugend wurde mir mal gesagt: „Wer wirklich Christ ist, braucht nicht zu weinen, wenn jemand gestorben ist. Er weiß, dass der Tote im Himmel ist. Da braucht es doch keine Tränen mehr.“ Jesus sieht das anders. Er überfordert uns nicht. Er sagt: „In der Welt habt ihr Angst.“ Er nimmt unsere Traurigkeit ernst, weil er sie selber kennt. In der Nacht der Gefangennahme hat er in Todesangst im Garten Gethsemane gezittert und gerufen: „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod.“
Weil er Mensch geworden ist, weiß er um unser Bangen und deckt es nicht frömmlerisch zu. Er nimmt unsere Angst ernst und er nimmt uns in unserer Angst an. „Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Der Glaube ist der Schlüssel gegen die Angst. Ein Glaube, der kein „Sich-selber-gut-zureden“, sondern ein „Sich-verlassen auf-Christus“ ist. Ich glaube zu ihm hin, der nicht ins Nichts hinein verschwunden ist, sondern in die Herrlichkeit vorausgegangen, „uns die Stätte zu bereiten“.
Das Reformationsjubiläum darf uns daran erinnern: Martin Luther hat durch das Wort, das Gott zu ihm im Evangelium geredet hat, immer wieder aus seiner Angst herausgefunden. Besonders schlimm waren für ihn die Jahre 1526 bis 1528. Er litt unter seinem Steinleiden, hatte Kreislaufprobleme und erlitt einen Herzanfall. Dann kam die Pest nach Wittenberg. Luther hielt dort aus, obwohl ihn der Kurfürst aufforderte, sich nach Jena zu retten. Der Reformator sah seine Pflicht darin, „als Seelsorger in Sterbensnöten zu stehen und zu bleiben“. Er geht zu den Pestkranken und reicht ihnen das Abendmahl. Auch im Schwarzen Kloster bricht die Pest aus. Einige Mägde sterben. Luther fürchtet um seine schwangere Käthe. Harte Zeiten. In einem Brief schreibt der Erschöpfte, dass er „Christus bittet, dass er nicht irre an ihm wird.“ Dann am Ende des Jahres: So schnell die Pest gekommen ist, so schnell ist sie auch wieder vorüber. Luther und seine Familie sind noch am Leben. Am Neujahrstag 1528 schreibt er: „Ich bin dem Leibe nach gesund, der Seele nach so weit, als Christus hilft. Dieser hängt mit mir und ich mit ihm an einem dünnen Faden zusammen; Satan hängt sich an mich mit mächtigen Stricken, um mich in die Tiefe zu ziehen, aber der schwache Christus überwindet noch immer durch neue Gebete oder streitet wenigstens tapfer.“ Der schwache Christus ist stärker als unsere Angst. Er segne uns im neuen Jahr.

Gebet

Der du allein der Ewge heißt und Anfang,
Ziel und Mitte weißt im Fluge unsrer Zeiten:
bleib du uns gnädig zugewandt und
führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten.
Amen.

Jochen Klepper (Evangelisches Gesangbuch 64.6)

 

 

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

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