Christliche Themen für jede Altersgruppe

Jesus an der Herzenstür

Jakobus 5,7+8 So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.


Impuls zum Predigttext für den 2. Advent.  Von Ernst-Dietrich Egerer

Ernst-Dietrich Egerer ist Pfarrer in Maulbronn.


Geduld und üben: Um beides steht es nicht sonderlich gut im Land. „Herr, gib mir Geduld – und zwar sofort!“ bringt zugespitzt auf den Punkt, wie schwer uns Geduld inzwischen fällt. Nicht nur die Kleinen quengeln und nerven, weil sie es nicht aushalten wollen oder erwarten können. Ich erwarte eine sofortige Antwort auf meine E-mail oder meine Handy-Nachricht. Ich werde nervös in der Schlange an der Kasse, bei Warteschleifen am Telefon. In mir baut sich Ungeduld auf, wenn der Gesprächspartner nicht endlich auf den Punkt kommt. Wir haben das Warten, den langen Atem verlernt und wundern uns, wenn immer mehr Menschen allen Alters ungeduldig wippen und zappeln.

Auch mit dem Üben sind wir aus der Übung geraten. Erfolge, Ergebnisse, Leistungen fallen nicht vom Himmel und schon gar nicht bequem in den Schoß. So falsch lag das alte Sprichwort nicht, das darum wusste „Übung macht den Meister“. Daran halten sich Sportler und Musiker. Es braucht Beharrlichkeit, Beständigkeit, Versuch um Versuch, um nicht gleich beim ersten Scheitern oder bei aufkeimender Unlust aufzugeben. Wir müssen miteinander neu lernen, mit langem Atem Dinge anzugehen. Die lautstarken Versucher, die nach den schnellen und einfachen Lösungen rufen, dürfen kein Gehör finden. Manche Entwicklungen brauchen Zeit, manche Themen wollen gut beraten und gut überlegt angegangen werden. Wer sich wie die Bauern mit dem Wachsen auskennt, weiß, dass nichts gewonnen ist, wenn man Entwicklungen  ungeduldig beschleunigt und Ergebnisse erzwingen will.

Geduld und Üben: In geistlichen Übungen kommt beides zusammen. Sie sind nicht von vorgestern – im Gegenteil, helfen sie doch, das Leben zu entschleunigen, innezuhalten, zu sich, zur Besinnung, zu Gott zu kommen. Die gleichbleibenden Abläufe und Rituale strukturieren unser – so überdrehtes – Leben. Sie schaffen Ruhepunkte, Zeitoasen, lassen aus den geistlichen Quellen schöpfen. Wer regelmäßig geistlich übt, ist kein zwanghafter Mensch – im Gegenteil: Ich gewinne Freiheit und Tiefe, wenn ich an der Übung festhalte und nicht jeden Morgen neu zu diskutieren beginne, ob es heute passt oder mir gerade danach ist.

Die regelmäßige Übung – ob ich nun meine Stille Zeit halte, über einen Bibelvers nachsinne, auf meinem Kissen sitze oder auf meine Weise bewusst in den neuen Tag steige – lässt Geduld wachsen, die ich nicht machen kann. Sie ist tatsächlich  etwas, das seine Zeit zum Wachsen und Reifen, Aufgehen und Blühen braucht. Wir wollen ja nicht jenem Landmann gleichen, der jeden Tag auf’s Feld lief und die Setzlinge herauszog, um ihr Wachstum zu überprüfen. Er war am Ende der einzige, der sich darüber wunderte, dass nichts Ordentliches dabei herauskam.

Dass der Herr nahe ist, leuchtet so kurz vor Weihnachten ein. Wie viel Ungeduld zeichnet gerade diese Tage vor dem Heiligen Abend aus. Doch ich kann in jeden Tag des Jahres diese Ahnung mitnehmen, dass der Herr nahe ist: Näher als ich dachte und glaubte, schon längst an meiner Herzenstür, vor der ich ihn erst einmal entdecken sollte. Vielleicht könnte meine übende Geduld gerade darin bestehen, mir seiner Nähe bewusst zu bleiben und nicht schon wieder allerlei Krempel und Seelenmüll vor der Tür zu lagern, dass weder ich zur Tür noch der Besucher zu mir herein kommen kann.

Geistliche Übungen sind keine vertane Zeit. Sie bringen Unterbrechungen, Tiefe, Haltepunkte in meinen Tag. Sie bereiten vor, halten wach, stärken die Sehnsuchtskräfte in mir. Dann kann sich jene Weisheitsgeschichte auch für mich bewahrheiten: „Meister, was kann ich tun, dass ich erleuchtet werde?“ „So wenig, wie du etwas dazu tun kannst, dass die Sonne aufgeht.“ „Und warum plagen wir uns dann mit unseren Übungen?“ „Dass wir nicht schlafen, wenn die Sonne aufgeht!“.


Ihr Gebet

 


Gebet
Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom
Himmelszelt als das geliebte Lieben, damit du alle
Welt in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast,
die kein Mund kann aussagen, so fest umfangen hast.

Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes
Heer, bei denen Gram und Schmerze sich häuft je
mehr und mehr; seid unverzagt, ihr habet die Hilfe
vor der Tür; der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.

Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und
Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes
Macht. Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb
und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewusst.

Paul Gerhardt, Wie soll ich dich empfangen (EG 11,5–7)



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THEMA - Die Bergpredigt

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