Christliche Themen für jede Altersgruppe

Jesus will eine wachsame Kirche

Markus 13,33–37 Seht euch vor, wachet! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. Wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er solle wachen: so wacht nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen, damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet!

Impuls zum Predigttext für den Ewigkeitssonntag: Markus 13,31–37. Von Matthias Vosseler

Matthias Vosseler ist Pfarrer an der Stiftskirche in Stuttgart.

Am letzten Sonntag im Kirchenjahr drängt es von vorne und von hinten. Um die Stuttgarter Stiftskirche herum warten die Händler und Marktbeschicker gerade noch das Amen des Gottesdienstes ab, dann beginnen die Aufbauarbeiten für den diesjährigen Weihnachtsmarkt. Drei Tagen später ist Eröffnung, und die Zeit drängt.

Überall sind die Zeichen schon auf Weihnachten gestellt, das im kommerziellen Rahmen immer weiter nach vorne greift. An diesem Sonntag drängt es von vorne.

An diesem Tag drängt es aber auch von hinten. Viele, die in die Gottesdienste kommen, haben in diesem Jahr den schmerzhaften Verlust eines nahen Verwandten oder Bekannten erlebt. In der Liturgie findet das seinen Ausdruck, in dem die Namen der Verstorbenen verlesen werden und zum Gedenken eine Kerze entzündet wird. Schon manches Mal haben mir Angehörige erzählt, dass zu Beginn des Gottesdienstes noch einmal kurz die irreale Hoffnung aufkommt, dass ihr Verstorbener vielleicht doch nicht auf der Liste steht, die verlesen wird. Und wenn dann der Name verlesen wird und die Kerze brennt, ist das ein Zeichen: Ja, es ist wirklich so.

Beim Predigttext für diesen Sonntag kommt noch eine weitere Dimension hinzu: Drängt es heute nicht auch noch von oben? Ist denn der dreifache Ruf Jesu: „Wachet“ ein Trostwort für Menschen, die einen Angehörigen verloren haben? Sind nicht manche Nächte wach genug, mehr als einem ist lieb?

Bei vielen Menschen in diesem Gottesdienst heißt es: Sie wachen und weinen über den Verlust, den sie erlitten haben, sie wachen und denken über die Dinge nach, die jetzt nicht mehr möglich sind und wenn sie wachen, hadern sie mit dem Gott, der einem das Liebste weggenommen hat. Der deutliche Ruf Christi „Wachet“ drängt an diesem Sonntag auch von oben.

Diesen Sog der Bedrängnisse dürfen wir nicht leichtfertig beiseite wischen. Ein allgemeiner Aufruf: „Wache und sei bereit“, wäre hier kein Trost des Evangeliums und würde die Herzen trauernder Menschen nicht erreichen.

Das biblische Gleichnis erzählt vom Hausherrn, der weggeht. Seine Knechte bekommen die Aufgabe und zugleich die Vollmacht, in der Zeit bis zur Rückkehr des Hausherrn auf die Dinge zu achten und sie zu gestalten. Und so wie der Türhüter wachsam ist, weil er weiß, sein Herr kommt zurück, aber nicht weiß, wann, so soll es bei allen Menschen sein.

„Wachet und betet“, so bittet Jesus kurze Zeit später seine Jünger im Garten Gethsemane. Das ist für mich eine gute Hilfe in manch schlafloser Nacht.

Jesus hat hier bei seiner letzten Rede vor seiner Passion die Gemeinde vor Augen, die wach sein soll für die Verkündigung des Evangeliums in alle Welt. Er will eine wachsame Kirche, die wach ist für die Not der Welt, und nicht das Elend der Flüchtlinge verschläft. Und er will trauernden Menschen neue Aufmerksamkeit und Teilnahme am Geschehen dieser Welt schenken. Wach machen kann in diesem Fall auch heißen: Schlaf schenken.

An manchen Friedhofstoren ist am Türgriff ein Alpha und ein Omega angebracht – der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Bei jedem Betreten und Verlassen des Friedhofs dürfen wir darauf vertrauen, dass Jesus uns einmal am Ende die Türe öffnet in seine ewige Gemeinschaft: Er, der Erste vor aller Schöpfung, wird auch einmal der Letzte sein, das letzte Wort haben in einer Welt, die vom Tod bestimmt ist. Er kommt uns Menschen als der Lebendige entgegen, gerade den Trauernden dieses Sonntags. Er wird aber nicht erst am Ende aller Tage da sein und handeln, sondern schon heute, in unserem Leben. Dafür lohnt es sich, wach und wachsam zu sein und auf die Worte zu hören, die er uns sagen will.

Gebet
Herr, Jesus Christus,
du bist das A und das O,
der Erste und der Letzte,
du bist in diese Welt gekommen
und du wirst wiederkommen.
So bitten wir dich um Trost
für alle Trauernden,
um die Ruhe der Nacht und
die Wachheit für dein Wort und das,
was du uns sagen möchtest.
Amen.

Luthers-Familienzeit

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