Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kein Buch mit sieben Siegeln

Offenbarung 5,1–5  Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln.Und ich sah einen starken Engel, der rief mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen? Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun noch es sehen. Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hineinzusehen. Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel.

Impuls zum Predigttext für den 1. Sonntag im Advent: Offenbarung 5,1-5.  Von Kerstin Vogel-Hinrichs 



Kerstin Vogel-Hinrichs ist Dekanin in Stuttgart-
Degerloch.



Das ist ein Buch mit sieben Siegeln, stöhnt er über die Matheaufgaben. Ein Buch mit sieben Siegeln, sagt sie und legt entnervt die Bedienungsanleitung aus der Hand. Ein Buch mit sieben Siegeln steht umgangssprachlich für etwas, das uns komplett unverständlich und unzugänglich ist.

Nicht viele wissen heute noch, dass dieses Buch mit sieben Siegeln aus der Bibel, aus der Offenbarung, stammt.

Ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch also zum Beginn der Adventszeit. Kein Kerzenschimmer, keine Gemütlichkeit, keine Vorweihnachtsstimmung.

Es ist ein Adventstext ganz anderer Art. Als er entstand, war die Welt in großen Wirren und die christlichen Gemeinden in Angst vor Verfolgung und Unterdrückung. Johannes, der Verfasser, war gefangen auf der Insel Patmos. Hier, einsam und hoffnungslos, hatte er eine großartige Vision, die er für die Gemeinden festhielt. Der himmlische Thronsaal öffnet sich ihm, er sieht Gott selbst und in seiner Hand ein Buch mit sieben Siegeln. Johannes glaubte sich am Ziel all seiner Wünsche und Hoffnungen. Endlich wird er alles verstehen, Antworten bekommen zu Glück und Elend, Leben und Tod, Anfang und Ende. Er wird erlöst sein von allen Zweifeln und seiner Angst. Keine Fragen werden mehr offen bleiben.

Er starrt auf das Buch mit sieben Siegeln. Er kann nicht hineinsehen. Es ist niemand da, der dieses Buch öffnen und seine Geheimnisse lüften kann.  Johannes beginnt bitterlich zu weinen, weil er erkennt, dass er die Rätsel nicht lösen kann. Doch dann hört er: Weine nicht. Rettung ist da! Es gibt einen, der das Buch öffnen und lesen kann: Jesus Christus.

Johannes sieht ihn als Lamm. Als Lamm, das sich auf Golgatha auf den tiefsten Schmerz und das größte Leid einließ, das Menschen erleben. Es öffnet Siegel für Siegel und symbolträchtige Bilder und Szenen quellen unablässig aus diesem Buch hervor. Die Vision zeigt, wer der wahre Herrscher dieser Welt ist: keiner mit Gewalt und Brutalität, Machtgehabe und Tyrannentum. Es ist Jesus Christus.

Jesu Herrschaft und Kraft erwächst aus der Liebe, mit der er sich für uns Menschen hingibt, uns vergibt und neue Wege eröffnet. Seine Macht wird am Ende mächtiger sein als alle und alles, was sich jetzt so machtbesessen gebärdet.

Gustav Heinemann hat treffend gesagt: „Eure Herren gehen, aber unser Herr kommt.“

Wenn das Lamm, Jesus, das versiegelte Buch öffnet, dann ist das das Bild dafür, dass Jesus selbst diese Welt und ihre Geschicke in die Hand nimmt. Nichts kann die Seinen mehr aus seiner Hand reißen. In ihm findet die Geschichte der Welt, aber auch unsere Geschichte ihr Ziel und ihre Vollendung.

Wir können unser Leben nicht aus uns heraus deuten. Vieles bleibt für uns ohne Sinn. Vieles verstehen wir nicht. Warum musste ich das erleben? Warum konnte ich nichts ändern?

Das Buch unseres Lebens wird gedeutet und gelesen von Jesus Christus. Er gibt unserem Leben Sinn und Gestalt. Er wird es einst zu Ende schreiben, mit seinen Worten. Nicht ich muss das tun. Und dann werden wir verstehen.

Und damit wird Johannes getröstet.

Eure Herren gehen, aber unser Herr kommt und bleibt.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit.


Gebet
Herr, unser Gott, wir feiern den Beginn
eines neuen Kirchenjahres.
Was wird in diesem Jahr geschehen?
Vieles macht uns Sorgen. Auf viele unserer Fragen
haben wir keine Antwort.
Manchmal ist uns zum Weinen
angesichts all des Leids in der Welt.
Aber auch dieser Advent erzählt
von deinem Kommen. Tröste uns
und mach uns gewiss, dass du das Ziel
dieser Welt und unseres Lebens bist.
Amen.


Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

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