Christliche Themen für jede Altersgruppe

Keine Kindereien

Markus 10,13–16 Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

Impuls zum Predigttext für den 6. Sonntag nach Trinitatis: Markus 10,13–16.  Von Anna Stückle



Anna Stückle ist Pfarrerin in Stuttgart-Möhringen.

Sind Kinder im Vergleich zu Erwachsenen minderwertig? Dazu gibt es verschiedene Aspekte: Paulus betont den Aspekt des Unfertigen, auch des unfertigen und unreifen Glaubens, wenn er über die Kindheit spricht. Er legt Wert darauf, dass er das Kindliche abgelegt hat (1. Korinther 13,11). Ziel für Christen soll es sein, feste Nahrung im Glauben zu sich zu nehmen, im Gegensatz zur Milch, die für Glaubensanfänger ist (1. Korinther 3,2). Kinder sind nicht gleichermaßen ernst zu nehmen wie Erwachsene, so sehen es auch die Jünger Jesu, wenn sie in diesem Predigttext die Kinder wegschicken. Zu rar ist die Zeit, die sie mit ihrem Meister verbringen, und zu kostbar, um sich mit Kindereien abzugeben.

Ganz anders sieht das Jesus. Kinder haben eine Eigenschaft, die den Erwachsenen verloren gegangen ist. Sie haben sich nicht schon verdient gemacht. Sie kommen mit leeren Händen. Und darum geht es im Reich Gottes. Es geht darum zu sagen: Hier bin ich, Herr, ohne eigene Verdienste. Ich kann dir, Gott, nichts bieten. Es ist allein dein Wille zu mir, das, was in der christlichen Theologie Gnade genannt wird.
Die Jünger hatten die Lektion noch nicht verstanden, als Jesus ihnen kurz vor der Kindersegnung ein Kind in die Mitte stellte als Vorbild. Hatten sie sich doch gestritten, wer unter ihnen der Größte, das heißt der Verdienteste sei. Dieses Kind hat sich nichts verdient. Es bekommt das Reich Gottes als Geschenk. Und genau darum geht es.

Worum es nicht geht, ist die immer wieder behauptete Unschuld, Unbeschwertheit und Naivität des Kindes. Diese Vorstellung rührt von einer Romantisierung der Kindheit. Viele wünschen sich in die Kindheit zurück, vielleicht, weil sie die Anforderungen und Verantwortungen, in denen sie als Erwachsene stehen, als belastend erleben. Die Kindheit wird zum Ort der Sehnsucht.

In dieser Situation liegt das Bild des unbeschwerten Kindes nahe, wie es uns Peter Pan suggeriert, und wie Herbert Grönemeyer es uns singt: „Gebt den Kindern das Kommando! Sie berechnen nicht, was sie tun.“ Doch dass Kinder naiv wären, ist eine Legende. Kinder machen sich sehr wohl ihre Gedanken und auch Sorgen, gerade weil sie die Welt noch nicht verstehen.

Wie viele Kinder gibt es, die in ihrem Zuhause emotionale Kälte, Streit und Gewalt erleben. Wie viele Kinder fühlen sich permanent überfordert und leiden dadurch an Ohnmachtsgefühlen und Ängsten. Kinder sind von ihren Schutzbefohlenen abhängig und ihnen ausgeliefert. Sie benötigen ein besonderes Maß an Schutz.

Ob Jesus diese besondere Schutzbedürftigkeit des Kindes im Auge hatte? Direkt vor der Kindersegnung spricht er mit den Pharisäern über die Ehe als von Gott gegründeter Einheit und erläutert seinen Jüngern die Problematik einer Ehescheidung. Im Anschluss wendet er sich den Kindern zu. Wenn eine Beziehung in die Brüche geht, dann sind die Leidtragenden nicht nur die beteiligten Erwachsenen. Das ist auch und gerade für Kinder schlimm. Jesus sieht die Not.

Es ist gut zu wissen, dass Gott mehr mitbringt als unsere leiblichen Eltern. Gott ist stärker. Er will uns das geben, was uns unsere Eltern in ihrer menschlichen Begrenzung gerade nicht geben können. Er ist der Allmächtige, der heilige Gott. Er ist der Gott, der uns effektiver tröstet, als eine Mutter es kann (Jesaja 66,13), und den wir mit kindlichem Vertrauen und kindlichem Respekt Abba, Vater nennen dürfen.

Gebet
Lieber Vater im Himmel, wir danken dir, dass wir
deine Kinder heißen dürfen. Wir bitten dich, gib
uns das rechte Herz für dein Reich und rücke in
uns zurecht, was in Unordnung ist.
Hilf uns dazu, dass wir angemessen mit unseren
Kindern umgehen, dass wir sie lieben und achten.
Hilf uns, gute Vorbilder zu sein. Amen.

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