Christliche Themen für jede Altersgruppe

Leben ermöglichen

Lukas 5,4–10 Und als Jesus aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen;  aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische, und ihre Netze begannen zu reißen. Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.

Impuls zum Predigttext für den 5. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 5,1–11.  Von Thomas Oesterle

Thomas Oesterle ist Pfarrer in Schorndorf.

Am Meer oder an einem großen See kann man auch als Landratte mit den Fischern in der Nacht hinausfahren und sie bei ihrem Handwerk beobachten. Dabei stellt man elementar fest: Die Aufgabe des Fischers ist es, Fische zu fangen. Deshalb weiß der Fischer auch, wie das praktisch geht. Wie jeder Handwerker hat er seinen Broterwerb gelernt. Er weiß, dass man im Trüben fischen muss, um Erfolg zu haben. Deshalb ist die Nacht die beste Zeit, um Fische zu fangen. Am Tage sehen die scheuen Fische das Boot, sind vorsichtig und gehen nicht ins Netz. Es wird auch bei Fischern so sein, dass man ihnen am besten nicht dreinredet, wenn man von ihrer Arbeit keine Ahnung hat.

Doch unsere Geschichte erzählt etwas anderes. Jesus der Zimmermann, eine Landratte ohne große Ahnung, redet dem Fischer ins Geschäft. Am hellen Tage soll Simon nochmals zum Fischen hinausfahren, auch noch dahin, wo der See tief ist, wo Fische abtauchen können! Simon hat Recht, sich zu wehren: „Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.“ Er ist müde und enttäuscht und dieser Prediger, der „von Tuten und Blasen keine Ahnung hat“, verlangt etwas von ihm, was dem erfahrenen Fischer zuwider ist.

Und dann kommt eine Wendung, die erstaunlich ist: „Auf dein Wort hin will ich die Netze nochmals auswerfen.“ Was hat Simon wohl dazu gebracht, seine Handwerkervernunft zurückzustellen? Was an der Predigt Jesu hat ihn berührt? Hier lässt der Text ein Geheimnis übrig.

Letztlich fangen sie tatsächlich Fische, viele Fische, sodass ihr Boot beinahe überquillt. Die Fischer, die an ihrer Aufgabe verzweifelt waren, sie finden zu ihrem eigentlichen Beruf zurück an diesem Mittag, zu ihrer ursprünglichen Aufgabe, die schlicht lautet: Ein Fischer muss Fische fangen.

Für Jesus ist aber dieser große Fischfang nur ein Mittel, um Simon eine neue Aufgabe vor Augen zu führen. Der Fischfang ist ein Symbol, das durch Jesu Worte erst gedeutet wird. Erst langsam versteht man es recht. „Von nun an wirst du Menschen fangen.“ Doch was bedeutet das, ein „Menschenfischer“ zu werden? Was tut der Fischer denn eigentlich? Er entreißt die Fische ihrer natürlichen Lebensumwelt, tötet sie, er verkauft sie an uns, damit wir sie essen. Also im Grunde ein sehr unpassendes Bild für einen Auftrag, den Christus gibt.

Leider ist das Bild vom „Menschenfischer“ zum klassischen Begriff für die Arbeit der Missionare geworden. So genannte Wilde wurden aus ihrer Lebenswelt gerissen, nicht selten getötet. Berichte über die ersten Begegnungen des spanischen Eroberers Pizarro mit dem Inkakönig Athahualpa zeigen, wie das „Menschenfischen“ in der Missionsgeschichte entarten konnte.

So hat Jesus aber den Auftrag, den er uns allen gab, nie verstanden. Der griechische Urtext macht deutlich, was Jesus eigentlich wollte. Genau übersetzt heißt es da: „Simon, von nun an wirst du Menschen wiederbeleben!“ Es geht bei diesem Auftrag nicht darum, dass Jemand „gefangen genommen“ wird, es geht darum, Leben zu ermöglichen. Das ist der eigentliche Sinn, mit dem Jesus Menschen in die Mission sendet: Er will, dass das Leben mit seinem ganzen Reichtum und all seiner Schönheit, unter den von Gott entfremdeten Menschen wieder möglich wird. Er will, dass Mission Befreiung zur Freude am Evangelium ist.

„Simon du wirst Menschen wiederbeleben“ – hier ist der rechte Sinn jeder Mission ausgesprochen. Nicht die schlichte Gleichung: „Früher hast du Fische gefangen – jetzt fange Menschen“ ist die richtige Interpretation dieser Erzählung, nein, Simon bekommt eine neue Aufgabe. Jetzt, da Simon selbst durch Christus ein zum Leben befreiter Mensch ist, soll er andere Menschen zum Leben befreien. Simon hat sein Leben, seinen Sinn, seine Zukunft von Jesus neu geschenkt bekommen. Das ist weit mehr, als ein Boot voller Fische.

Simon wird befreit zu einer Eigentlichkeit, die nicht gottvergessen ist, sondern aus der Nähe Gottes heraus leben kann. Und diese wiedergewonnene Eigentlichkeit soll anstecken, soll weiterwirken und andere Menschen „wiederbeleben“. Das ist der Auftrag von uns allen geworden.

Ihr Gebet

 

Gebet

Du, unser Gott,
in deiner Nähe öffnest du uns
einen neuen weiten Raum
und zeigst uns das Leben in all seiner
Fülle und seinem Reichtum.
Deine belebende Kraft lass uns
an andere weitergeben.
Amen.





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