Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lebenswege

Philipper 3,12–14 Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich‘s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Geschwister, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich‘s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Lebenswege: Impuls zum Predigttext für den 9. Sonntag nach Trinitatis: Philipper 3,7–14.

Jochen Maier ist Pfarrer an der Martins­kirche West in Kirchheim/Teck.

Paulus gibt Auskunft darüber, was ihn als Christen ausmacht! Er war dazu herausgefordert worden durch Prediger, die in der Gemeinde in Philippi fromm und eingebildet aufgetreten waren und ihre gesetzestreue Befolgung der jüdischen Thora zum Maßstab für alle gemacht hatten. Paulus war ja vor seiner Begegnung mit Jesus Christus selber so ein pharisäischer Frommer gewesen, der die Christen als irreführende Sekte eingeschätzt hatte und verfolgt hatte. Indem er aber „von Jesus Christus ergriffen“ wurde, hatte er entdeckt, dass seine ganze Selbstsicherheit, die sich auf seine fromme Rechtschaffenheit und seinen religiösen Eifer gegründet hatte, nichts bedeutet. Das war der große Umschwung in seinem Leben. Er hatte entdeckt: Nicht, was er von sich selbst zu erwarten hatte, sondern was er von Jesus Christus zu erwarten hatte, macht sein Leben in Zeit und Ewigkeit aus.

Die Erwartung macht den Unterschied! Was erwartet Paulus als Christ? Weil er zu Jesus Christus gehört, hat sein Leben ein „vorgestecktes Ziel“. Es ist durch Jesus Christus, durch sein Sterben und Auferstehen gesetzt. Er wird ankommen dürfen bei Gott. Aber diese große Verheißung gilt nicht, weil sich Paulus so anstrengt, sondern weil Jesus Christus ihn gerufen hat. Christus hat ihn ergriffen. Er hält an Paulus fest. Er zieht ihn. Und Christus ist noch nicht mit ihm fertig und deswegen ist auch Paulus noch nicht fertig. Deswegen kann er – der große erste Missionar und Vordenker des christlichen Glaubens – diesen erstaunlich demütigen Satz sagen: „Nicht, dass ich‘s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich‘s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.“ Die große Verheißung, einmal ganz bei Gott anzukommen, ist offensichtlich auch für einen wie Paulus nicht immer einfach klar und gegenwärtig. Die Verheißung muss immer neu, immer mehr, immer wieder im Glauben ergriffen werden! Glauben ist für uns als Christen ein Unterwegssein. Fortwährend sind wir im Glauben dabei, die große Verheißung, die uns durch Jesus Christus gegeben ist, tiefer zu begreifen und vertrauensvoller zu ergreifen: Du wirst ganz ankommen bei Gott! Und dieses Unterwegssein in der Erwartung des Glaubens entfaltet sich durch ein Leben hindurch in immer wieder neuem Suchen und Finden und Entdecken und Zweifeln und Neu-Entdecken. Auch als Christ ist der Weg, den ich in meinem Leben gehen werde, offen. Ich weiß nicht, was er noch Schweres oder Erstaunliches oder Gutes oder Verwandelndes bringen wird. Aber ich verlasse mich darauf, dass dieser ganze Weg von seinem Ziel her bestimmt ist: Jesus Christus hat mich ergriffen und zieht mich zum Vater.

Ich glaube, dass Christus durch den Heiligen Geist so handelt, dass er uns immer wieder neue Möglichkeiten in den Weg legt, in denen er uns zieht und lockt und manchmal auch treibt, mehr als bisher seiner Liebe, seiner Gerechtigkeit, seiner Barmherzigkeit zu entsprechen.

Und dazu hat jeder von uns seinen eigenen inneren Weg zu gehen, bei dessen Gestaltung wir keine willenlosen Marionetten sind, sondern wir von Gott gewürdigt sind, diesen Weg mitzugestalten. Der Weg steht noch nicht fest. Deswegen dürfen wir eigenständig und verantwortlich handeln und zugleich im Gebet bitten, dass Gott Dinge für uns gut fügt. Denn über allen noch offenen Wegen in unserem Leben bleibt das sein Wille: dass wir endgültig bei ihm ankommen werden, um Jesu Christi willen!

Diese Erwartung macht den Unterschied! Sie macht uns als Christen aus.

Gebet

Herr Jesus Christus, lass uns erwartungsvoller leben, damit wir jeden neuen Tag als Berufung in deinen Dienst und als Angebot deiner Gnade begreifen.

Gib uns die beständige Erwartung, dass du immer wieder neu gesegneten Raum eröffnen kannst in unserem Leben, und dass du neue heilsame Horizonte eröffnen kannst für die Menschen und ihre Wege in dieser verwirrten Zeit. Amen

Luthers-Familienzeit

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THEMA - Die Bergpredigt

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