Christliche Themen für jede Altersgruppe

Liebe wider die Vernunft

1. Korinther 1,18.21–24 Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist‘s eine Gotteskraft. Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben. Denn die Juden fordern Zeichen, und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.


Impuls zum Predigttext für den 5. Sonntag nach Trinitatis: 1. Korinther 1,18–25.  Von Thomas Moser




Thomas Moser ist Pfarrer an der Stadtkirche in Vaihingen/Enz.


Bis ins vierte Jahrhundert hinein war das Kreuz kein Zeichen, mit dem man für das Christentum hätte werben können: Hatte nicht der grausame Tod am Kreuz Jesu Leben und Wirken ernsthaft in Frage gestellt? Jesus konnte nicht der Messias sein. Er hatte das Volk nicht von der römischen Fremdherrschaft befreit. Seine Heilungen waren bestenfalls Stückwerk. Das Gottesreich war nicht eingetroffen.

Der Tod am Kreuz galt gläubigen Juden überdies als Zeichen für die Verfluchung eines Menschen durch Gott.

Jesus als Messias auszugeben, war mehr als nur ärgerlich. Es war Gotteslästerung. Hätte Gott mit Jesus irgendetwas gemein, Gott selbst wäre am Kreuz gescheitert. Der allmächtige Gott, getötet durch die römischen Feinde, das war nicht akzeptabel. Jesus, ein gekreuzigter Verbrecher, sollte der Gottessohn sein! Für die Menschen damals wirklich barer Unsinn.

Paulus bleibt gelassen. Er nimmt diese Meinung auf. Er bestätigt sie sogar: Ja, das ist Torheit! Ich glaube, dass er daran gut tut. Denn die Botschaft vom Kreuz ist auch heute anstößig.

Ist Gott wirklich dort zu finden – ans Kreuz geschlagen als entrechteter, verhöhnter Mensch?

„Bist du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuz.“ Die Forderung der Zuschauer bei der Kreuzigung ist nachvollziehbar: Gott bliebe noch eine letzte Möglichkeit, seine Allmacht zu bestätigen. Er hat sich zwar der verkehrten Welt ausgesetzt, hat sich verhöhnen und beschädigen lassen. Aber jetzt wäre noch Zeit: Jesus könnte den Spieß umdrehen. Er könnte die besiegen, die ihn ans Kreuz geschlagen haben, und die verspotten, die ihn verlästern. So könnte die Welt wieder in die richtige Ordnung kommen.

Aber Gott lässt diese letzte Chance aus, alles „richtig“ zu stellen. Mit dem Tod am Kreuz hat Gott den „vernünftigen“ Weg verlassen. Wieso verweigert sich Gott derart unserer Vernunft? Die Antwort darauf ist so verblüffend, wie sie für uns Menschen beschämend ist: Gott verweigert sich uns, weil wir uns verweigert haben.

Mit dem Verstand können wir uns leicht vieles klar machen. Etwa, dass  Gott der Schöpfer ist. Dass er es ist, auf den wir vertrauen können, von dem uns alle Hilfe zukommt. Aber wenn es konkret wird, verlassen sich viele Menschen auf andere Stützen im Leben als auf Gott: Leistung, Erfolg, Besitz, Schönheit, Jugend oder Macht machen vordergründig zu wertvollen Menschen. Wenn diese positiven Dinge wegfallen, finden wir vielleicht eine Art Trost im Alkohol. Oder wir verkriechen uns solange, bis uns alles nichts mehr angeht.

Wenn Gott zu uns kommt, dann ist das keine Sache des Verstandes. Gottes Tod am Kreuz ist kein Versehen gewesen, kein Unglück, das glücklicherweise nach drei Tagen mit der Auferstehung korrigiert wurde. Sondern es war gerade in seinem offensichtlichen Widersinn der einzige Weg Gottes zu uns Menschen, den wir nicht verderben konnten.

In diesem Sinne, sagt Paulus, ist dieser „Unsinn“ tiefere Weisheit Gottes. Eine ganz neue, verändernde Weisheit, die sich dort als Gotteskraft erweist, wo sie immer wieder ruft: Kirche muss Kirche unter dem Kreuz sein, sonst ist sie nicht Kirche. Und die ihre Kraft in unserem Leben entfaltet: Wir werden Schwächen nicht zuerst bei anderen feststellen. Stattdessen werden wir unsere eigene Schwäche zugeben. Wir können solidarisch handeln, um gemeinsam Schwächen zu überwinden.

Und wir werden Leiden nicht als gottgewollt hinstellen. Es wird manchmal behauptet, dass wahres Christsein nur in der Leidensnachfolge des Gekreuzigten existiere. Aber Gott hat nicht gelitten, damit wir auch leiden. Sondern er hat gelitten, damit wir aufhören, uns gegenseitig Leid zuzufügen.

Das Kreuz Christi wird zu einer Kraft Gottes, weil wir darin Gottes Liebe erkennen. Diese Liebe ist mächtiger als alle Macht der Welt. Ja, sie ist sogar mächtiger als Gottes eigene Allmacht.¦

 


Ihr Gebet

Gebet

Gott, du hast deinen Sohn auf die Erde gesandt,
damit wir in unserem Christsein nicht ständig nach
oben gucken. Öffne uns durch Jesus Christus die
Augen für das, was wirklich wichtig ist. Amen.

Klaus von Mering

Luthers-Familienzeit

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