Christliche Themen für jede Altersgruppe

Menschen brauchen Erlösung

Jakobus 1,12–15 Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand. Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Invokavit: Jakobus 1,12–18. 

Bärbel Barthelmeß ist Pfarrerin in Giengen an der Brenz.

Immer schneller drehen sich die bunten Walzen vor den Augen. Grelle LEDs blitzen auf, stereotyper Computersound begleitet das Spiel im Hintergrund. Moritz nimmt das alles gar nicht mehr wahr. Er lässt sich in seiner Konzentration auf die drei rotierenden Zahlenkolonnen nicht stören.

Routiniert versucht er, sein Glück zu steuern. Blitzschnell drückt er eine Taste. In den Ohren hört er schon die Belohnung versprechende Fanfare, sieht eine Lichtsäule über der Slot-Maschine den Sieg anzeigen, fühlt, wie sein Gewinn durch die Maschine nach unten in den Ausgabeschacht rauscht. Drei! – Nein, doch nur zwei gleiche Zahlen. Nichts gewesen.

Trotz aller Konzentration kann man mit Moritz reden, so nebenbei. Er sei nicht so oft da, aber regelmäßig. Ein netter Zeitvertreib, er habe ja alles im Griff. Könne jederzeit aufhören. Und vielleicht knacke er ja mal den Jackpot und dann …

In der Tat sind Spielautomaten faszinierend und ziehen über kurz oder lang in ihren Bann. Nicht nur im Spielerparadies Las Vegas oder in traditionsreichen Spielcasinos, vermehrt auch in der Spielhalle in der Bahnhofsstraße der nächsten Stadt. Experten schätzen, dass mindestens 400.000 Menschen aus allen Altersschichten und Berufsgruppen ihrem Bann erlegen sind. Die Mischung aus Geldgier, Selbstüberschätzung und Suche nach Erfolg und Anerkennung hat sie in die Sucht und ihre Familien in den Ruin getrieben.

Die Tendenz ist steigend. Wer will denn schon zugeben, dass er im Duell mit einem „Einarmigen Bandit“, wie die Slot-Machines auch genannt werden, verloren hat. Keiner mag Verlierer.

Für Jakobus ist es klar, dass der Mensch kein Verlierertyp, sondern stark ist. Er kann Verantwortung für sein Leben und sein Heil selbst übernehmen. Die Versuchung, das heißt der Reiz zum Bösen, kommt nicht von Gott, gehört aber doch zu dieser Welt dazu. Ihr Sinn liegt darin, dass der Mensch sich wie ein Cowboy alter Tage im Duell mit ihnen beweist. Er kann gewinnen. Er kann der Versuchung standhalten. Er kann, wenn er sich bewährt hat, ein noch größeres Spiel gewinnen: Das Spiel um das ewige Leben. Soweit das optimistische Menschenbild des Apostels, dessen Schrift Martin Luther deshalb gerne aus dem Kanon der biblischen Schriften verbannt hätte.

Doch längst nicht alle Menschen sind Sieger. Vielleicht sogar die wenigsten. Für mich sind Glücksspielautomaten deshalb auch Gleichnis für die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen. Wer kann mich von ihrem Bann befreien? Wer greift in den Lauf der Walzen ein und dreht sie so, dass ich einen Sieg zu verbuchen habe?

Da gab es einen, der sich als Lösegeld in das unbarmherzige Spiel der Welt hineinbegab. Einer,  der nicht gekommen ist, dass man ihm diene, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele (Markus 10,45). Einer, der sich querstellte. Einer, der das Spiel bis zum bitteren Ende durchspielte, den Mechanismus von Gewinnen und Verlieren außer Kraft setzte und die Walzen auf Sieg stellte. Einer für viele.

Auch Moritz weiß, dass er ein Leben hart am Rande des Abgrunds führt. Immer öfter kommen ihm Zweifel, ob er sein Leben auf der Siegerstraße verläuft. Manchmal hat er schon daran gedacht, dass er eigentlich auf professionelle Hilfe angewiesen ist, die ihm den Weg zurück in ein normales Leben zeigt. 

Ihr Gebet

Gebet

Unerforschlicher Gott,
manchmal machst du es uns schwer,
die Wahrheit zu finden.
Gib uns die Klarheit zu erkennen, was recht ist,
und den Mut abzulehnen, was falsch ist.
Lass nicht zu,
dass wir Entscheidungen aus dem Wege gehen,
sondern bring uns auf den Weg zu deinem Ziel.
Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 295

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Estomihi von Martin Hauff.

Unsere Buchempfehlung zu diesem Artikel

Peter Haigis
Wenn der Himmel den Tag grüßt     € 12,95
Worte für einen segensreichen Tag

Wenn der Himmel den Tag grüßt - dann wird ein Bogen sichtbar, der Gott und Mensch verbindet. Oder den Sonntag mit dem Alltag. Den Morgen mit dem Abend. In diesem Buch sind Rundfunkandachten gesammelt, die Peter Haigis für das "Wort zum Tag" in SWR 2, aber auch für andere Verkündigungssendungen im Hörfunk geschrieben hat.

Bestellen...

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 47/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.